eine ganz alte geschichte: Luftkrieg (Teil I)
neukölln integration
neulich komme ich abends mit einer freundin aus dem kino – wir waren übrigens in kinshasa symphony, ein wahrlich sehenswerter film – da pfeift uns ein frecher, kalter berlinwind entgegen. und ich bringe den blöden reißverschluß meiner schicken neuen jacke nicht schnell genug zu. das sind diese reißverschlüsse, die unten auch aufgehen, sage ich zu meiner freundin. damit hab ich immer kriegsfuß.
damit hab ich kriegsfuß, wiederholt sie irritiert. dann kichert sie los: da hab isch voll kriegsfuß, ey!
recht hat sie. ich bin wohl ein wenig neuköllnintegriert mittlerweile. andere machen das irgendwie besser.
neualtes zeug, geräumt

der neue, eigentlich aber auch irgendwie alte, sessel hat so seine eigenarten, mit denen er ungeahnte folgen provoziert. keine kosten immerhin, zum glück. er will nur einfach nicht an der stelle stehen, wo der alte alte sessel jahrelang gestanden hat. jetzt mußte ich also das ganze wohnbüro umräumen. möbel rücken, kabel sortieren und neu verlegen, zwischendurch ein bißchen saugen und wischen, sogar bilder umhängen. eigentlich hätte ich auch noch ein paar unvermittel zutage getretene flecken auf den weißen wänden wegpinseln sollen. das kommt dann morgen, denke ich.
einstweilen genieße ich die tatsache, daß ich nach getaner arbeit nun im sessel sitzend nicht mehr auf die steuerunterlagen – mittig, rechts im bild – gucken muß. sondern wahlweise aus dem fenster, auf die alte uhr oder sogar auf den kleinen fernseher. in den allermeisten fällen natürlich eigentlich in irgendein buch oder heft, in die eine oder andere zeitung, vielleicht auch mal wieder in eigenes zeug. was solche neualten sessel alles können.
vernichtendes in den wochenblättern (93)
oh, ich bin fehl am platz in deutschland. das erklärt mir jetzt u. a. frau merkel persönlich:
Wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere, sagte die Kanzlerin, sei „fehl am Platze“ in Deutschland.
gut, ich gehöre hier nicht her. das war mir eh irgendwie schon länger klar, und das macht ja auch überhaupt nix. wo war ich schon jemals erwünscht? kann ich mich gar nicht dran erinnern. aber dann auch noch so etwas:
Gleichzeitig sollten die Deutschen über ihre Werte und die zunehmende Entfremdung von Religion sprechen, um sich über ihr Land und ihre Gesellschaft zu vergewissern.
gibt es da nicht irgendwo den grundgedanken, daß religion etwas privates ist und ich mir, so wie jedeR andere auch, auf diesem gebiet restlos alles selbst zurechtzimmern oder auch komplett niedermachen kann, ganz so wie ich das mag?
ach gott, ja
es gibt also schimpfworte für deutsche, was für eine überraschung. und diese bezeichnungen haben auch noch mit lebensmitteln zu tun, mit kartoffeln, kraut und schweinefleisch. du liebe zeit. ich erinnere mich da noch an so schöne und überaus anschauliche deutsche begriffe für die vielen anderen um uns herum, die da lauteten: polaken, spagetthifresser und kümmeltürken, käsköppe, schluchtenscheißer und piefkes. ach nee, piefke, damit sind ja schon wieder der deutsche mit gemeint. mannomann, was für ein unsinn.