am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

spagat

die idee, den unter der dauerbelastung zunehmend rasenden blutdruck mittels mittelchen zu mindern, erweist sich seit ein paar tagen als überaus durchschlagend. alles im zweistelligen bereich, dazu schwindel, atemnot, vor allem unter der maske, und gelegentlich schlägt mich mein herz recht heftig. keine ahnung, ob das jetzt gesünder ist als rund 150/90 spät in der nacht noch.

am ende ist es rein psychisch, das behaupten ja ohnehin alle derzeit. ich bin also einfach nur kurz vor durch alles durch und irgendwie am ende. kann durchaus sein.

derweil wird in einer anderen welt mein manuskript gelesen, tatsächlich, darüber verhandelt und entschieden. vier absagen gibt es bislang, dumme und exquisite absagen, soweit ich das verstanden habe. an einer stelle wird konkret überlegt, geschoben und plaziert womöglich. dabei ist die rede von großer begeisterung, auch eine mögliche breite leserschaft wurde offensichtich erwähnt. kaum zu fassen im grunde.

mehr weiß ich noch nicht. mehr will ich auch nicht wissen, aber das wird. und ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. das alles ist eine art emotionaler spagat. hochleistungssport der psyche.

sich regen

auf sonne folgt dunkelheit, und ich tanze ein bisschen durch die nacht. so schnell kanns gehen.

reine freude, traurigkeit

so warm war es heute, dass ich mich völlig vertan habe beim anlegen der motorradklamotten. ein pullover zuviel, den winterschal mit brustlatz und die dicke überhose. immerhin nur die mittleren handschuhe, weil ich ja die griffheizung habe. so bin ich los. erst den luftdruck prüfen, dann die sonnenblende runter und eine erste kleine runde fahren.

da war es dann doch schnell ziemlich muckelig unter all der kluft. aber schön war es auch, ja. ein bisschen wie es immer ist, die erste fahrt im neuen jahr. das staunen darüber, dass es wieder läuft. die freude über die leichtigkeit, die kraft. heute gepaart mit einer traurigen leere, in die ich gleich am morgen geschlüpft bin. mit der ich also auch gefahren bin und alles andere getan habe. oder nicht getan, nicht gedacht, nicht gelebt.

diese tiefe traurigkeit, in die ich getaucht bin. irgendwann, ich weiß nicht, wann. lange vor meiner zeit.

seasonal greetings

es ist so großartig, dieses motorrad. über drei monate hat es draußen gestanden, still auf der stelle. vor einer woche noch war es sauber eingeschneit. vorbereitet hatte ich, wie so oft, nicht viel. manchmal tue ich das, aber meistens merke ich nicht rechtzeitig, wann die pause kommt. ich denke, dass ich sicher bald wieder fahren will und werde oder muss. also lasse ich die batterie einfach drin, und genau da bleibt sie dann. egal, was kommt. das ding ist ja kein spielzeug für mich, es ist mein fahrzeug. ich decke es meistens auch nicht ab, obwohl ich eine passende plane durchaus besitze. einfach weil es dazu zu nass ist und nie richtig trocknet. das soll man nicht, ein nasses motorrad einpacken.

aber es ist großartig, dieses motorrad. heute gegen mittag, als ich spontan davorstand, die zündung eingeschaltet und auf den knopf gedrückt habe. da lief die kiste innerhalb von vielleicht zehn sekunden. ein wenig hat sie aus dem rechten auspuff geraucht, das ist nicht fremd. aber nach einer weile tuckerte sie sanft und regelmäßig vor sich hin, als hätte ich sie gestern erst ausgeschaltet. dabei ist sie schon 35 in diesem jahr, ein echt altes mädchen. aber alles läuft. das licht geht, vorne, hinten, blinker und bremslicht, nachdem ich das zündschloss ein wenig mit graphitpulver behandelt hatte. bremse und kupplungshebel sind leichtgängig, wie immer. das wundert mich am meisten. an gasgriff und schalthebel zweifle ich nicht, auch wenn ich die wenig testen konnte. luft werde ich morgen prüfen und nachladen, falls nötig. wenn ich mich dann draufsetze und losfahre.

wer hätte das gedacht vor einer woche? es ist früh in diesem jahr, so früh wie selten. in berlin war es oft spät, viel später als früher in wuppertal. da saß ich oft zu karneval schon im sattel. aber hier, anfangs ging es oft weit ins jahr hinein. und irgendwie hatte ich mich daran gewöhnt.

2021 jetzt also schon im februar. die erste fahrt im jahr ist jedesmal voller zweifel. zweifel an mir, nicht an der maschine. doch das dauert nicht, dann kommt die freude. immer.

nichts ist

es geht auf und ab mit mir, aber ich kann und will hier dazu nicht schreiben. ja, auch das gibt es, recht oft sogar. es geht nicht um das buch, da ist alles in ordnung. ich höre nicht viel, ich lasse es laufen. es geht um verkauf, um himmels willen. da lass ich die finger von.

es geht um schmerz und um angst, um den verdammten mangel an welt. ich kann mich auf fast nichts mehr konzentrieren in dieser leere. und ich weiß nicht: ist es die erschöpfung, die ja nun depression heißen soll, oder doch die nicht enden wollende situation? oder alles, einfach alles. und das, was sowieso immer ist, noch dazu. normales menschsein mit kontrollverlust und bodenlosigkeit, das ewige fallen. bis es ein schweben wird, vielleicht. nichts ist sicher. nie.

so ist mir derzeit, als lebte ich in einem vakuum. als stünde ich auf einem schmalen grat, regungslos, in beständiger hoffnung, dass die balance halten möge. wohin fällt man, wenn gar nichts mehr ist?

und wie lange, wenn es keinen boden gibt?

schreibzeit (62)

wie es ist, ein manuskript zu beenden. nicht ein buch, das ist noch etwas ganz anderes. obwohl ich darüber vielleicht nicht genug weiß, das habe ich bis jetzt ja erst einmal getan. manuskripte habe ich aber schon einige beendet oder aber verenden lassen, versanden, verrecken.

wie auch immer, immer ist es am ende in lyrik gemündet. für mich, in kleinen kryptischen fetzen, die für nichts gut sind. zeichen der inneren zerstörtheit nach dem großen text. das ist gut, das hilft, gerade weil es überhaupt keinen wert hat. wie in einem delirium. wenn sich die manuskiptgifte noch im körper tummeln, also längst nicht gänzlich abgebaut sind. im gegenteil. noch ist es fast wie ein rausch, aber es nervt schon. das eigene, das häßlich, das sich bereits meldet. die übelkeit ist schon in sicht, die notwendige entgiftung. aber noch schwingt die musik und die räume atmen. darin die lyrik.

bislang ist dieser zustand nicht eingetreten. keine lächerlich kleine, spontan dahingeworfene lyrik. unwert, unfertig und sweet. ich weiß nicht, warum. vielleicht wegen corona und der welt überhaupt, der grundlegenden verlassenheit. denn das gehört auch zum beenden eines manuskripts.

dass die viel zu lang vernachlässtigen menschen wieder ihren platz einnehmen im alltäglichen leben, in meinem auch. die wenigen die ich kenne. doch das ist bis heute nicht geschehen, obwohl das manuskript, erste fassung, im april und dann die zweite fassung dann im oktober bereits (glaube ich, hab gerade keine lust nachzusehen) beendet war.

die menschen sind verschwunden, als hätte ich sie weggeschrieben. natürlich ist das nicht so, es ist die globale gesundheitskrise. und das ist gemein, aber es gehört nicht zu meinem schreiben. es ist ein elender zufall! und es ist unerträglich.

denn die lyrik kommt nach den menschen. zum glück. nur eben jetzt nicht, vielleicht.

#insight

die menschenleere wird immer größer, tagelang treffe ich niemanden, nicht einmal unterwegs, beim bäcker oder im bioladen. oft rede ich auch lange nicht, nicht einmal mehr zu mir selbst. oder nur stumm, in meinem kopf, der ist kein echoraum, nein. er ist eine resonanzmaschine, die mit den worten würfelt und neues leben erschafft. aber eben nur für mich, ich kann es nicht mehr mitteilen.

schon seltsam, wie nach einem jahr nur alles verschwunden ist. die menschen vor allem. weil sie andere verabredungen treffen oder verpflichtungen eingehen, die mich nicht einschließen. café, tango, theater. oder weil sie am anderen ende der stadt wohnen, wo ich ohne öffentliche verkehrmittel gerade nicht hinkommen. manche auch einfach, weil ich sie nicht mehr will. weil sie zu abgedreht den derzeitigen öffentlichen diskursen anheimfallen, ich weiß nicht warum.

ich bemühe mich, das nicht mehr zu tun. diese fürcherlichen debatten, ich will darüber nicht reden. nachdem ich ende letzten jahres erleichtert aufgeseufzt habe, als es endlich einen und mehr impfstoff/e gab, kann ich die aktuelle entwicklung kaum noch ertragen. ganz persönlich nicht ertragen, ich weiß einfach nicht, wie lange ich das noch schaffe. auch darüber will ich nicht mehr reden.

ich will auch nicht spazieren gehen. ich bin längst nicht mehr zumutbar. dabei hätte ich soviel vor, voller freude. und voller menschen auch, freunde und andere, neue begegnungen. das wäre es für mich. jetzt.

das sei isolationsfolter, schrieb eine freundin neulich. ich weiß nicht, ob das nicht zu hoch gegriffen ist. aber die beständige körperliche abwesenheit von menschen ist tatsächlich eigenartig schmerzhaft. selbst wenn ich gar nichts mit ihnen zu tun habe, nicht mit ihnen rede oder sonstwie kommuniziere. dann sind es doch ihre körper, die schwingen und wehen. bewegungen, die ich auf der haut spüre. oder auch tief in mir, manchmal. da ist resonanz.

normalerweise. doch seit wochen, seit anfang des jahres ist nun alles noch einmal viel weniger geworden. ich brauche keine kontaktreduzierung mehr.

ich bin schon auf null.

so alt

auf irgendeinem abseitigen tv-kanal läuft fargo, die serie, teil 1, auf deutsch. es ist zufall, dass ich da hineingeraten bin. ausgesucht hätte ich mir das nicht. das habe ich vor jahren auf englisch gesehen, auf der seltsamen ledercouch der damals frischen freundin. seltsam auch, auf die art serien zu sehen. eine folge nach der anderen, weil alles auf der festplatte wartet. so hatte ich das noch nie gemacht, und auch seither nie wieder. also seit die freundin nicht mehr da ist.

je älter ich werde, desto mehr vergangenheit taucht überall auf. wenn ich durch die straßen gehe, lang vergessene musik im radio höre, alte filme usw. sogar dinge tauchen auf, die mir erinnerungen öffnen. derzeit. das ist einerseits großartig, eine unglaubliche vielfalt. andererseits bleibt mir am ende wohl kein leben mehr. so alt bin ich.

also lasst mich bloß in ruhe mit guten vor- und ratschlägen. das meiste weiß ich längst. hab es schon hundertmal gehört und kann es doch nicht umsetzen. oder umgekehrt.

und jetzt ist die serienfolge zu ende, und ich weine leise und heimlich, auch wenn niemand hier ist. und es ist eine elend traurige welt, durch und durch.

schwingen

ziemlich müde bin ich und ohne lust. jedenfalls finde ich oft den anfang nicht, von was auch immer. ich mache mir listen, die keine echten todos enthalten. nur dinge, die ich tun könnte, die vielleicht spaß machen. was mit holzkitt zum beispiel oder spachtelmasse, solche sachen in der wohnung. das steht schon auch an, sein ein paar wochen sogar, aber wirklich wichtig ist es natürlich nicht. dann schon eher den webseitenbearbeitungsplan machen, das wäre sogar ganz klug. auf diesen listen stehen auch sachen wie müll rausbringen, bett beziehen und lesen. ja, sogar lesen.

wenn ich einen anfang finde, dann komme ich in schwung, ins leben. dann habe ich sogar spaß und freude daran, wenn etwas gelingt. dann ist leben ganz leicht. ein kleines alltagleben sozusagen, weil im moment tatsächlich einmal nicht so unglaublich viel muss auf dem plan steht. also es ist nicht schlecht, aber es fühlt sich fremd an.

irgendetwas findet sich da gerade. irgendwo da draußen, wo niemand mehr sein soll. kein mensch und kein leben, weil alles den tod in sich trägt. oder wie war das?

ich mag dazu nichts mehr schreiben. ich bemühe mich um balance, inmitten einer eigenartigen leere schwinge ich mit den armen. es wird sich noch zeigen, in welche richtung ich am ende falle.

oder ob ich stehe, wie ich stehe.

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