raum für notizen

#insight

27. Januar 2021 - 01:09

schuldzuweisungen und besserwisserei, das ist schlimmer als impfschwäche und angst zusammen. und es häuft sich, immer mehr, besonders im sozialen verflecht. dabei ist es reine zeit- und kraftvergeudung, durchaus verständliche weltverweigerung, ja, aber unerträglich. ich reagiere, ich wende mich ab. nicht immer gern, aber zwangsläufig dann doch. wortlos, weil auch das verschwendet wäre.

so hat diese zeit ihre folgen, vielleicht für immer. ich werde weniger kompromissbereit sein, dann. wenn es wieder worte gibt, freie luft und ein leben. schärfe ist wichtig. klarheit von der art, die alles durcheinanderwirft.

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#insight

17. Januar 2021 - 23:37

ganz egal, welche art von maßnahmen demnächst entschieden werden.

es ändert doch nichts daran, dass das einzige wesen, das sich mir seit mitte märz 2020 spontan und fraglos körperlich genähert hat, der nachbarskater war. er kam am paketboten vorbei zu mir gelaufen, direkt in meine hände. das fell und das lautlose, nur spürbare schnurren, die großen offenen augen. katzenaugen, in denen menschen nichts sehen. überhaupt menschen, ich weiß gar nicht, ob es sie noch gibt.

außer die fünf oder sieben, die ich in den letzten zehn monaten tatsächlich gesehen und auch berührt habe. kurz nur, drei sekunden vielleicht. an die erinnere ich mich.

dunkel.

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brutal

15. Januar 2021 - 22:48

erst verschlafen, vermutlich den wecksender über eine stunde überhört. dann träge an die arbeit: schreiben. mehr habe ich nicht geschafft, obwohl deutlich mehr auf dem programm stand.

zwischendurch der aus wuppertal mitgebrachten büropflanze, die im zimmereck vor sich hinwuchert und die ich schon seit jahren schon vergeblich zu töten versuche, mit einem messer kurzerhand den längst an den rand gedrängten mutterkern herausgeschnitten und auf den balkon geworfen. dazu das jüngste kind ausgerissen, mit bloßen händen, so brutal kann ich sein. mal sehen, wie sich die verbleibende kinderzahl, drei, um genau zu sein, das überleben gestaltet. entweder sie blühen auf, alle, in dem nunmehr riesigen topf. oder sie fangen ein krieg an, bemühen sich, die lästigen geschwister zügig zu verdrängen. vielleicht sterben sie auch endlich, alle. ich bin gespannt.

in alles eingeronnen ist der mittlerweile beinah tägliche kampf mit der pandemibedingten alltagsquälerei, den rein hirngesteuerten wiedergeburten meiner kindheitsfolter vor allem. schon einmal war ich auf mich gestellt, über jahre und jahrzehnte, ohne zukunft, ohne welt. ich brauche ich das nicht, im grunde, nicht noch einmal. ich kenne das schon.

ich bin gläubig, stelle ich fest. ich glaube zum beispiel, dass das leben nicht endet mit der zerstörung des körpers. vor allem aus dem leid gibt es kein entkommen, weder im leben, noch im tod. am ende ist alles dreck. das hat mein vater mir erklärt, eines nachts, da war ich siebzehn: der einfachste weg sei es, in einen müllsack zu kriechen und von innen den eingang zuzuschnüren. später müsse dann nur noch irgendwer den dreck wegräumen.

siebzehn war ich also, als mein vater mich bat, den müll zu beseitigen, der er zu sein glaubte. gewundert hat mich das nicht, auch nicht erschreckt, nur überfordert. die grundidee war mir vertraut, seit jahren. nur hatte er nicht die kraft, nicht wie ich ihn kannte. ich dagegen. siebzehn war ich und habe es getragen, für ihn. auch das.

so war sie, meine familie. mein vater hat einen weg gefunden, dreizehn jahre später, seinen körper zu zerstören auf natürlichem weg. ich durfte ihm zusehen dabei, ihn tragen. soweit ich konnte.

auch jetzt trage ich es, seit fast genau zehn monaten. allein, wie mich das immer enger werdende corona-regelwerk zwangsläufig hinterlässt.

leben will ich so nicht.

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#insight

04. Januar 2021 - 00:51

am samstag den ganzen tag so ein montagsgefühl gehabt. kein wunder natürlich, wenn der freitag ein feiertag nach einem halbtag ist. silvester und heligabend sind ja irgendwie zwischentage, wie normalerwesie nur der samstag. und rosenmontag auch, wenigstens früher. im westen.

seit einiger zeit sage ich das so: im westen. damit bin ich dermaßen berlin, dass mir das ein bisschen peinlich ist. wo ich doch eigentlich immer mehr den eindruck habe, dass ich durch bin mit dieser stadt. durch und durch, irgendwie.

2021 beginnt mit miesester stimmung. zwar hat es geschneit heute, es ist sogar ein wenig davon liegengeblieben. das könnte das gemüt aufhellen, sollte man meinen. doch die welt ist, was sie ist, seit fast einem jahr. und es wird schlimmer.

ich mag keine illusionen mehr stemmen. vor wochen schon ist mir die zeit gebrochen, tief in mir habe ich den zusammenhang verloren. alles, was vorher war, ist verbrannt. ich bin noch da, doch mir bleibt nur noch, was früher war.

mein elender grund, über den ich nun doch wieder etwas lerne. ich dachte, damit sei ich durch, so weit es nur geht. jetzt weiß ich, dass es immer weitergeht. es hat mich nie verlassen hat. und wird mich nicht verlassen, wobei ich das durchaus begrüße.

das macht mich seltsam, vielleicht. so wie früher, doch da wusste ich von nichts. diese zeit dagegen, jetzt. macht mich ganz unten, ganz tief verzweifelt klar.

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#insight

30. Dezember 2020 - 23:31

gestern zum ersten mal tief innen dieses bild, das eigentlich gar kein bild ist. ich kenne es, es ist vage und dumpf. es ist nicht in mir, aber auch nicht imaginiert. es ist erinnerung vielleicht, womöglich aber trügerisch.

es ist die sehnsucht danach, gehalten zu werden. nicht immer nur zu fallen, zu verlieren. es ist verzweiflung in reinform. kein gefühl, das sich durch eine umarmung besänftigen ließe. es ist immer. gefühle dagegen sind immer nur jetzt, und dann im grunde schon vorbei. das ist es nicht, es ist ewig.

mein grund und der boden, auf dem ich lebe. dass mich niemand halten konnte, auch nicht zu anfang. dass ich es allein schaffen musste, so schnell wie möglich. dass ich es geschafft habe, irgendwie. ich oder das kind, das ich war. dass ich somit selbst die schuld trage, an allem.

das ist es, was corona macht. es kocht mich klein. reduziert mich, auf das, was ich früher war. nur ohne angst. es macht aus mir die substanz, die in dieser welt nur für wenig taugt. so muss ich sein.

alles andere war illusion.

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#insight

28. Dezember 2020 - 00:58

es wird immer enger, das ist deutlich zu sehen. fast alle stehen nicht unerheblich unter spannung, auf die eine oder andere art. das alles wächst auf überforderung und verzweiflung, ich weiß. aber es ist mitunter schwer zu ertragen.

die meisten besserwissern herum, bemühen sich, ihr persönliches erleben in ein umfassendes wir zu gießen. das ist respektlos. andere suchen nach der schuld und den schuldigen, legen oben auf die besserwisserei noch eine schicht wut, verachtung und unflätigkeit. das ist unverschämt und arrogant, dass ich mich kaum halten kann. doch ich sage nichts, ich weiß ja. das ist auch nut not.

sicher gibt es noch unzählige viele andere strategien, die im grunde alle ihre berechtigung haben. weil sie helfen, vermutlich. aber diese beiden nerven am schlimmsten. mich zumindest. die verursacher sortiere ich weitgehend weg aus meinem engeren netzumfeld. zum glück gibt es solche kaum in meinem lebensnahen umfeld.

überhaupt ist es viel leichter, direkt zu kommunizieren. das eigene mag sich verlieren, dafür wird alles lebendig. wenn begegnung möglich ist. zum glück gibt es keine leugner in meinem umfeld, weder im netz noch sonst. das wär grad echt mir zuviel.

was alle gemein haben ist, dass sie jetzt rechnen und zählen. seit die impfpläne bekannt sind. alle reden nur noch in wochen oder monaten, die sich noch zu warten haben. bis alles wieder normal ist. ha!

wenn eines zerstört worden ist in diesem jahr, dann sind es wohl die illusionen. die träume und vorstellungen von der welt. an dem punkt höre ich nur gelächter, das ist alles. und das wird sich nicht rückbilden. dagegen hilft keine impfung, nur blindheit.

ps ich rechne auch, ja. vermutlich bin ich etwas früher an die reihe als die sogenannten normalen. vielleicht im mai, aber auch das dauert noch. wenn da draußen nicht langsam alles ein wenig zur ruhe kommt, dann sitze auch ich noch monate hier. allein, bei allem, was ich tue. oft tagelang. mein ganzes leben ist leergefegt, seit mitte märz 2020. angst macht mir aber vor allem die vorstellung, dass vielleicht in drei monaten oder so überall wieder die post abgehen könnte. weil dann die alten nicht mehr sterben und die jungen den mist ja locker wegstecken. wenn in dem moment alles in taumel verfällt, dann könnte es für mich zum ersten mal richtig eng werden. weil es draußen womöglich doch zu gefährlich, drinnen aber absolut nicht mehr auszuhalten sein könnte. nach über einem jahr.

was dann?

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#insight

14. Dezember 2020 - 01:01

mal ist es besser, mal schlimmer. insgesamt sieht es schlecht aus, zumindest fühlt es sich so an. langsam werde ich auf kleiner flamme eingekocht. reduziert auf das minimum, immer noch ein bisschen weniger, am ende bleibt sicher nicht viel. für mich allein wäre das wohl okay, auf dem rein existenziellen level komme ich zurecht. das habe ich als kind gelernt, zwangsläufig, auch da gab es nur nur wenig von mir, das es zu behaupten galt. im grunde war alles ein versehen. ich war allein, weil ich es nicht anders wusste. andere menschen waren illusion, nur eine erfindung von mir. so dachte ich, damals.

heute ist das anders, ich weiß es besser. ich weiß aber nicht, ob ich so leben kann, wie menschen eben leben. und doch. noch vor einem jahr wäre ich nicht auf diesen gedanken gekommen. jetzt aber spüre ich, deutlich, was ich bin. und was ich eben nicht bin, nicht sein kann und nicht sein will. da ist ein riss, eine kluft. nicht neu und auch nicht unüberwindbar weit. aber tief, so gähnend hohl, dass all meine ahnung hineingezogen wird.

und etwas in mir ist gebrochen, vor einer woche oder so. die verbindung zu all der anstrengung, die jahre und jahrzehnte, in denen ich mich so bemüht habe. das war weitgehend sinnlos. auf einmal steht da etwas klar im raum, wie so vieles auf einmal sichtbar ist. es ist eine gnadenlosen zeit, die alles belanglose verwirft. also spiele ich nicht mehr, ich schärfe meine enden.

das werden viele nicht mögen, auch mir selbst gefällt es nicht wirklich. die vorstellung, durchs feuer zu gehen und geschmiedet zu werden. dann gehärtet, wie stahl. so war es in der nacht danach, als die verbindung gekappt war. schlaflos und wild, als würde die struktur meiner substanz erneuert. wie soll das gehen?

dass mir die offenheit bleibt, das zarte und weite. die sanftheit, mit der ich mich durch die worte bewege.

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#insight

22. November 2020 - 01:32

wie anmaßend von mir, damals im märz, zu behaupten, dass mir die sich zuspitzende situation wenig ausmachen würde. das zu hause sein, auf sich selbst geworfen und über längere zeit allein. dass ich das kennen würde und sowieso nicht viel anders leben. dass ich halt bauen würde, die liste sei lang. alles easy.

das ist lange her, länger als erwartet, das gebe ich zu. das hatte ich nicht glauben wollen, wiewohl ich es im grunde durchaus verstanden hatte. damals schon. die bauliste ist immer noch recht lang, ich bin nicht zu viel gekommen. zu viel zu tun, bis zum geht nicht mehr. das ist auch nicht das ding, das ist ein symptom.

ich hätte es besser wissen können, das mit der zugespitzen situation und deren auswirkungen auf mich. ich hätte mich erinnern können, wie es ist, den kopf heben zu wollen, gegen alle angst. und dann nichts sehen zu können, wenn ich doch endlich irgendwie den mut gefunden. rein gar nichts, kein leben, keine zukunft, über jahre. ohne hoffnung, ohne welt. zu leben. ist das leben?

akut verschwinden mir immer mehr menschen. von manchen trenne ich mich, ganz im stillen, für immer, wie ich weiß. bestimmte gedankenlosigkeiten und beleidigungen mag ich einfach nicht mehr ertragen, auch moraline besserwisserei in meiner nähe habe ich endgültig als unbehaglich identifiziert. weg damit, das fratzenbuch macht’s möglich.

anders ist es im echten leben. auch da habe ich mich aktuell von allen realen begegnungen weitgehend zurückgezogen. meine kontakte sind auf null, ohne dass ich das beabsichtigt hätte. auf dauer will ich das so nicht beibehalten, aber so richtig weiß ich natürlich nicht. das hängt ja nicht allein von mir ab.

mein leben bewegt sich längst in eine richtung, die ich nicht mehr selbst bestimme. nicht im geringsten.

und jetzt verschwinden auch menschen, die ich noch gar nicht kennenlernen konnte. auf die ich heimlich gewartet habe, gehofft, so lange und so heimlich, dass ich es selbst kaum noch wusste. bis heute.

alles wird anders, wenn es zu spät ist. alles klärt sich auf. und ich bin alt geworden, vermutlich ist es für vieles auf eben diese art zu spät.

ich werde also anders sein. ich weiß noch nicht, wie oder was. besser oder wieder schlimmer, so wie früher am ende. aber ich werde nicht zurückkehren, auch ich werde verschwinden.

das ist mehr als klar.

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eigen, zum trotz

17. November 2020 - 00:51

kein schlechter tag im grunde, obwohl mir einiges daneben gegangen ist. manchmal geht es nicht anders, weil man es zu spät merkt. es nicht versteht oder erst stunden danach. manchmal ist es einfach so, wie es immer ist. nicht gut, aber nicht zu ändern, irgendwie. und deshalb schmerzhaft, immer wieder und wieder. aber dann weiß man am ende doch ein klein wenig mehr. über spiegelungen, zum beispiel, und den unterschied zwischen verwechslung und ergänzung. das ist übles zeug, bar jeder hoffnung.

ich ziehe mich immer mehr zurück. letzte woche bereits habe ich sämtliche körperliche begegnungen abgesagt, allen menschlichen realkontakt gestrichen. nicht weil ich es so will oder so soll. einfach, weil ich es nicht mehr ertrage, die hilfskontruktionen und ersatzhandlungen. daran gehe ich zugrunde.

ich gehe also in klausur.

gehe zurück in die welt, in der jeder moment mir gefährlich war. in der ich mir die einzigen menschen darin fernhalten musste, aus sicherheitgründen. auch wenn ich das als kind noch nicht wusste, tat ich das exakt richtige. ich gehe zurück in das elend, keine andere welt erkennen zu können, nicht am horizont, auch nicht am ende des tunnels. ich wusste nichts von einer welt, außer der, in der ich gefangen war.

von dort aus halte ich all mein wissen und meine erfahrung hoch. und sage, dass es unmenschlich ist, auf abstand zu menschen gehen zu müssen. unmenschlich, angst vor ihnen zu haben oder angst vor sich selbst. weil man selbst gefährlich ist, zwangsläufig, als mensch. es ist zwar genau so, immerzu, nicht nur jetzt. menschen sind einander gefährlich. aber das ist kein grund.

und das ist meine größte sorge in dieser so hauchzart grausamen zeit. dass all die jahre und jahrzehnte, in denen ich mich bemüht habe, das zu verlernen: dass alle und jeder mir jederzeit gefährlich werden können, wie auch ich ihnen. dass mir das verloren gehen wird, dass meine feinstruktur sich nicht wird wehren können gegen die grobe grunderfahrung meines lebens. die ewige angst vor den menschen.

denn menschen sind nicht menschen, weil sie einander misstrauen. sich voneinander fernhalten, in krieg und in angst. aller geschichtsschreibung zum trotz.

es ist genau umgekehrt.

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