am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

oh, mann!

ich schreibe mich in den wahn, und alles wird klarer dabei. ich tue fast nichts anderes. aber eben nur fast.

gestern zum beispiel war ich im baumarkt, das erste mal seit jahren. naja, monaten, aber egal. war ziemlch leer dort, ich hatte abr dennoch nicht wirklich die ruhe weg. immerhin weiß ich jetzt: es geht. durchaus auch öfter mal, wenn es dann wieder ans bauen geht. hoffentlich bald.

neue raspeln und feilen habe ich aber bei ebay bestellt. cooles zeug, profiqualität, nur ein wenig abgewrackt. zu lange lagerung vermutlich, aber das macht natürlich überhaupt nichts. werkzeug wird ja mit der zeit noch abgewrackter. als ich dann aber auf der homepage des anbieters war, man muss sich die guten verkäufer ja auch mal merken, da hat es mich dann doch mächtig ausgehebelt.

da steht: WERKZEUG FÜR ECHTE MÄNNER

im jahr 2020! ernsthaft?!

naja, dann eben nicht. die wollen mich derart überhaupt gar nicht als kundin. das können sie haben.

von einem bahnhof zum nächsten, dazwischen straßenstaub und dreck, überall sind baustellen. ich weiß nicht, ob ich nicht immer im kreis, ich weiß es wirklich nicht. ich sehe mich nicht um.

dann sitze ich am bahnsteig und nähe die haut an meinem arm. es ist eine lange naht, aber es ist eine naht. keine wunde. was? und warum?

ich höre auf damit, bevor ich aufwache.

bonding (124)

weiter, immer weiter. ich aufpassen, dass ich nicht zu hetzen anfange. es ist zeit, und es geht um etwas. gerade jetzt im moment, an dieser besteimmten stelle im text.

seit zwei wochen ziehe ich die abgründe unter die geschichte. das, was ich zuvor ohne not weit außen platziert hatte. in einer seitenlinie, die nicht konkret wird, und auch nie konkret werden kann. auch das ist es, was es so schwer macht.

ich sitze und kämpfe um die räume in der tiefe, stundenlang. das, was dort wartet, öffnet sich nicht so leicht. ich weiß. ich kann also nur einen anfang machen, jetzt. und hoffen, dass es riecht.

lustig ist, dass ich heute endlich den sinn einer anmerkung meiner agentin verstanden habe. also: richtig verstanden! bislang fand den hinweis okay, wollte mich aber nicht so recht darauf einlassen. irgendetwas stimmte nicht.

eben dann ging mir ein licht auf, endlich. die bemerkung, die da steht, zielt in eine ganz und gar andere richtung. und zwar besagt sie genau das, was ich seit zwei wochen in den text einziehe.

was für ein zufall. was für ein glück.

aber ich glaube ja ohnehin, dass das mit der agentin und mir ziemlich gut passt. so darf das gerne weitergehen. und eine bestätigung plötzlich, mitten unter der last der arbeit, das ist ja schon auch ganz schön viel wert.

bonding (123)

schreiben ist ein wahnsinn, das ist alles, was ich derzeit sagen kann. keine ahnung, ob ich jemals so wir gegangen, so tief gegraben habe. und dabei so satt und voll erzählt. ohne schnörkel, ohne kunstgriffe. einfach nur den menschen entlang.

deshalb reiße ich jetzt den text auf, lasse alles fliegen und versuche, es irgendwie wieder einzufangen. was anders werden muss, ist im grunde nur eine gewichtung von inneren geschichten und äußeren. (nein, ich mache das nicht, weil es jemand von mir verlangt. es ist der text, der das fordert.) und es wirft alles durcheinander, zumindest in dem einen strang. wirklich alles, so ungefär ab der hälfte. aber zum glück wirklich nur in dem einen stang, alles andere steht stabil. da tupfe ich nur hinein, hier und da.

ich komme voran, das ist gut. zwei drittel werden ende der woche durchgearbeitet sein. hoffentlich. allerdings bin ich auch so weit vorgedrungen, dass ich jetzt absehen kann, wie sehr ich das letzte kapitel ändern werden muss. oder gleich ganz neu schreiben?

so weit bin ich noch nicht, um das beurteilen zu können. schreiben ist eine elende hölle. will ich hier wirklich sein?

dazu kommt, das die innere geschichte, an der ich dieser tage vor allem sitze und sitze und sitze, mir persönlich sehr viel abverlangt. nicht immer erreiche ich die ebene, die offenheit und bereitschaft. nicht immer bin ich auf empfang. und ein bisschen habe ich angst, dass es vielleicht nicht klappen wird. dass doch noch alles kaputt gehen könnte.

dabei ist es nicht so, dass nicht alles schon angelegt gewesen wäre. es steht alles da, im bereits bestehenden text. ich muss nichts mehr finden oder erfinden. ich muss es beleben. es muss gefüttert werden, und das ist manchmal das schwerste.

himmel, so schwer war es noch nie. und so schön zugleich.

gut

karma ist nicht schuld oder schicksal, vielmehr ist es befähigung und ermächtigung. bewältigung vielleicht.

dann ist es gut. und recht.

befreunden, beleben, bereichern

es ist nacht, schon wieder nacht. ich bin durch, so durch. alles. der tag hat mich zerlegt, in kleine teile und noch kleiner. so klein wie möglich, doch wer weiß das schon. innen in aufruhr und daher fast durchgehend unfähig mich zu konzentrieren ist mir vor allem die heutige arbeitszeit unendlich peinlich. das muss ich morgen zu retten versuchen, irgendwie, auch wenn es vermutlich keiner gemerkt hat. ich sitze allein, die ganze zeit.

es ist herbst, schon wieder ist herbst. ich würde es gern anders sehen, aber im supermarkt gibt es schon lebkuchen und pfeffernüsse. es gibt kein zurück. mir graust vor diesem herbst, diesem winter, mehr noch als sonst. es war ein schöner sommer, nicht zu heiß und recht entspannt. es war schön, aber es ist vorbei.

und so wird es nicht weitergehen, das ist absehbar. das lässt sich wohl nicht vermeiden. mir graust vor der dunkelheit und dem alleinsein, der monatelangen kälte, die da auf mich wartet. vermutlich. nicht vor der einsamkeit. einsam bin ich immer. aber so wie ich bin, bin ich auch gerne mal unter menschen. sitze oder stehe dabei, wenn andere einander befreunden, beleben, bereichern. es ist so schön, das zu sehen. ich muss dazu nichts beitragen, ich will es oft auch gar nicht. ich will es nur sehen.

doch das wird es wohl nicht geben.

vielleicht werde ich ein wenig bauen, endlich. sprechen mit dem werkzeug, leben mit dem material. dem holz, dem metall, den farben. das ist lange her, und es steht noch so viel aus.

so habe ich mein leben begonnen. mit der liebe zu den dingen, weil ich von der liebe der menschen nichts wusste. das gab es nicht, davon musste ich erst lesen. später, als ich es gelernt hatte. das lesen. als meine inneren welten darin, endlich, eine entsprechung fanden.

und weiß ich es jetzt? das mit der liebe? oder schreibe ich nur davon, tue so als ob?

gift

alles gerät aus den fugen und fügt sich wieder zusammen. hoffentlich. nicht neu zusammen, vielmehr wird es etwas neues sein. etwas ganz anderes, das ich sicher nicht beeinflussen können werde. nicht mehr, dazu ist es zu spät.

ich bin ja einverstanden, durchaus. ich habe sogar damit angefangen, nicht wissend, was ich damit anrichte. jetzt ist es viel, viel zu viel geworden. und es wird immer noch mehr.

ich muss damit leben, ohne frage. ich kann auch. ich will.

seit ein paar tagen kann ich es sehen, aus den augenwinkeln, ganz am rand noch oft. es bewegt sich, es lebt. doch ich kann es noch nicht fassen. nicht in worte, nicht einmal in gestotter. oder sinnvolle bilder. ich kann es nicht einmal berühren, aber es berührt mich.

ich saufe den text, ohne rücksicht auf verluste.

dann kommt der rausch, zwangsläufig.

dann die entgiftung.

bonding (122)

ja, ich bin dran. es ist gerade nicht leicht. es ist sogar sehr schwer geworden seit letzer woche. seit es diesen knacks gegeben hat. da ist der text zu mir durchgebrochen, in den ganz persönlichen bereich eingedrungen. damit hatte ich nicht mehr gerechnet.

ich weiß nicht, ob das gut ist, und wie ich damit umgehen soll. doch es ist wie es ist. jetzt muss ich damit arbeiten.

zum glück ist die story so weit weg von mir, dass meine persönliche angerührtheit keine chance hat, direkt in den text zu fließen. ich habe nur angst, dass ich den blick verliere. und dass die kraft nicht reicht.

der text wird es schaffen, da habe ich keine zweifel. und um mich geht es nicht, ich stelle mich nur zur verfügung. doch am ende habe bin ich es, die die aufgabe hat, den preis zu zahlen. das ist das letzte, das hatte ich vergessen. ich muss ganz persönlich die konsequenzen tragen, wer sinst sollte das tun. ohne zu wissen, was diese sein werden.

an dem punkt wird das schreiben ein blindflug. das gelände ist gefährlich und unbekannt. wenn der text gut ist, wirklich treffend und präzise, dann war ich an diesem ort noch nie zuvor. und bin geflogen.

ich muss damit leben, was ich angerichtet habe. das gehört ab sofort zu mir. und nur zu mir.

nachtrag: eigentlich liege ich gut in der überarbeitung, nicht einmal zweihundert seiten noch.

alltag

manchmal, in diesen kleinen momenten, in denen alles zu schwer wird. nur einen augenblick lang, auch nur zwei oder drei kilo vielleicht, über die ich zu klagen habe. von den lebenslangen tonnenlasten rede ich nicht mehr, so gut we nie. die gehören dazu.

dann reitet mich manchmal der teufel, und ich denke, dass menschen empathiefähig wären oder zumindest interessiert. und dass das helfen könnte.

es mag an mir liegen, aber ich ernte in solchen momenten des anvertrauens vorwiegend korrekturen. und moral.

auch das muss ich mir merken: es gibt keine hoffnung. es gibt keinen trost. es gibt keine menschen für mich.

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