am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

#insight

70 tage inzwischen. andere zählen anders, ich sage 70. da war ich das letzte mal unter menschen, auf einem geburtstag in mitte. genau heute.

danach bin ich noch exakt dreimal im büro gewesen, mehr nicht. später war einmal jemand gast in meiner küche, über eine stunde. wir haben rührei gegessen und kaffee getrunken. das reden war vermutlich das schlimmste vergehen, wie man heute weiß. das atmen im selben raum. gestern war ich eis essen und dabei auch über längere zeit nicht allein. wir haben auf einer bank gesessen, draußen, und über das manuskript geredet. dann haben wir noch einen kaffee getrunken, das hat gedauert. und der abstand war zu keiner zeit ausreichend, dafür sind selbst die im grunde überdimensionierten berliner bürgersteige zu schmal. zumindest mit all den menschen.

darüber hinaus gab es nur kurze begegnungen mit kassierer*innen, apotheker*innen, einem optiker, der frau im späti gegenüber und dem menschen im blumenladen, den ich nach den susannen gefragt habe. mit maske. das atmen unter der maske ist schwer, besonders an tagen, an denen die rechte nebenhöhle mir sowieso das rechte nasenloch verklebt. dann will ich flüchten, wie damals. durch die nächte, die wände, durch alles. zurück zu mir, wo ich zuhause bin. aber wo ist das, heute?

angefasst habe ich niemanden, auch mich hat niemand berührt. 70 tage, ohne tango.

das ist alles, das ist mein fazit.

urlaub, natürlich

bis vor wenigen tagen, dachte ich noch, diese urlaubswoche wäre eine gute zeit, um in aller ruhe in die manuskriptüberarbeitung einzusteigen. wobei ich vor ein paar wochen noch dachte, dass ich überhaupt gar nichts zu tun haben würde. nur ein wenig bauen vielleicht, das bad fertigmachen und die anstehenden reparaturen in der küche. aber sonst nur in der sonne sitzen, hinter den tomaten auf dem balkon, und lesen. mal wieder selbst etwas lesen!

jetzt sieht es anders aus, natürlich. jetzt ist da nicht nur das manuskript, jetzt ist da auch ein einigermaßen riesiger übersetzungsauftrag, den ich natürlich nicht ausschlagen konnte. nicht in der aktuellen situation, natürlich. was weiß ich, wie es mit meinen finanzen aussehen wird, in ein paar wochen, ein paar monaten.

natürlich ist es aber wohl nicht, über jahre hinweg einfach immer zu arbeiten. irgendwo oder an irgendwas, alles zeitgleich. und natürlich meine ich wirklich immer, sieben tage die woche und alle feiertage ebenso. immerzu arbeiten. zwischendrin nur manchmal essen und schlafen, ab und zu tango, früher zumindest. jetzt ja nicht mehr, schon lange nicht mehr. und auf lange. was bleibt ist die arbeit.

seit etwa drei stunden sitze ich jetzt am schreibtisch. zwei emails habe ich geschrieben, beruflich. ein wenig im internet gelesen und in einen podcast mit einem kindheitstraumahelden reingehört. (kein link, lohnt nicht.) das thema passt ins manuskript, so finden sich die dinge. alles ist gut, ich weiß, was zu tun ist. ich weiß auch, wie das alles zu tun ist.

allein, es ist ein bisschen viel. und ich bin zu müde, ich sitze einfach nur da. fetzen meiner todo-liste fegen an mir vorbei, ich lasse sie. ich greife nach nichts, fange gar nicht erst damit an. dabei ist es gerade erst mittag, halb zwei oder so. der frühstückskaffee steht noch neben mir auf dem tisch, nur kalt ist er geworden. ich habe noch nicht einmal die zähne geputzt.

vielleicht wäre das ein anfang.

gin

noch so ein tag ist verflossen. ein bisschen besser vielleicht, auch wenn ich gar nicht mehr so richtig weiß, was ich gemacht habe. gelesen, glaube ich, dann gebloggt und das manuskript noch einmal durchgegangen. doch es fühlt sich gut an. glaube ich.

es ist kein gin mehr da. auch kein cointreau oder einer der vielen bitter, nur noch becherovka. und whisky natürlich, aber der ist mir zu schade. alles andere ist ausgetrunken. so geht das geht ja nun gar nicht.

das boot steht auch noch in der zimmerecke, irgendwie unruhig. ich warte noch auf die herstellerhinweise.

noch zwei tage arbeit, dann urlaub bis nach pfingsten. auch darauf warte ich. zwölf tage frei, für all die andere arbeit natürlich. eigentlich wäre ja mal richtig urlaub nötig, mein hirn ist müde und durch. doch das dauert wohl noch, wenn überhaupt. ein wenig beängstigend.

alles.

bonding (111)

es gibt erste kleinere oder auch größere rückmeldungen aus der testleserschaft, die allgemein angetan zu sein scheint. das ist jetzt sehr vorsichtig und zurückhaltend ausgedrückt, man kennt mich hier. ich neige nicht dazu, mich über die maßen zu bejubeln. vielmehr so gar nicht, eigentlich. aber das ding ist gelungen, das steht nunmehr fest. im grunde wusste ich das natürlich schon. aber jetzt komme ich überhaupt gar nicht mehr darum herum, diese tatsache fest ins auge zu fassen.

auch die besprechung mit der agentur ist gelungen, wiewohl die umstände grauenhaft waren. der tag an sich entwickelte sich stetig zu dem wohl übelsten, den ich in jahrzehnten erlebt habe. dass soetwas wie ein gespräch am telefon überhaupt irgendwie zustande gekommen ist, wundert mich noch heute. oder es bin einfach ich, die ich geworden bin. alt. die ich dementsprechend unterscheiden kann, zwischen traumatisch belasteten, redundanten innenwelten und dem, was ich in wahrheit lebe. doch ja, da gibt es unterschiede.

schade allerdings, dass mein zustand dann doch erheblich die freude gemindert hat, mal mit jemandem kompetent über meine arbeit, meine wirkliche arbeit sprechen zu können. das war so wenig, so selten in meinem langen schreiberleben. mit klaren, konstruktiven ansätzen konfrontiert zu sein, sich auf der grundlage auszutauschen, nachzufragen, abzuwägen. verstehen lernen, in der vielschichtigkeit nach tragfähigkeit suchen. blastbarkeit im sinne von struktur, um dem gehalt der geschichte nicht im weg zu stehen. beste hinweise, die mich jetzt beschäftigen, durch den alltag, das alleinsein derzeit. knackpunkte im text, die nicht nur bedenkenswert sind. sie sind überarbeitungswürdig auch, genau das steht nun an. früher als ich dachte, aber gut. auch das kann ich. es bewegt sich bereits, in eine richtung, die ich zwar noch nicht klar erkenne. aber das wird.

und überhaupt: eigentlich geht es doch um wahr- und wahrhaftigkeiten. immer.

#insight

auch wäre es eine zeit, um schönheit zu entdecken. die sonne und das blau am himmel, des frühlings wärme und dazu den wind. das ist atmosphäre, die mit uns spielt.

und dieser reichtum an farbe, an licht, überall. wie kraftvoll und bunt es ist, auf den wiesen und märkten, die blumen, die früchte, das blut zum kontrast. dann wieder ton in ton und dunkel und schwer. wie erde, schlamm und dreck und metall. wie schmerz und rost, in unendlicher vielfalt, auch das.

ist schön.

wie auch die menschen, mit ihrer fähigkeit zur nähe, zur begegnung in vertrauen. allen erfahrungen zum trotz.

zum trost.

egal

die tage fliegen. ich weiß nicht, was ich tue. ich tue irgendetwas, immerzu. an der art, wie das werkzeug in meinen händen liegt, spüre ich mich. es geht, aber es ist nicht gut. im bad hat sich einiges getan. ich werde damit leben müssen.

ich bastel auch an den masken herum, damit sie besser zu meiner brille passen. obwohl ich sie kaum brauche, die masken. menschen zu treffen, distanziert und maskiert, das vermeide ich. das will ich nicht erleben. nur in geschäften, da geht es. da bin ich fremd, nicht ich. da ist es egal. nähen kann ich noch schlechter, aber auch das geht irgendwie am ende.

ich hätte zu schreiben. ideen für den nächsten text, das umwandert mich, seit wochen schon. einen neuen auftrag gibt auch, ziemlich viel zu übersetzen. überraschung. geld ist plötzlich nicht mehr mein problem.

stattdessen sitze ich da und weiß nicht. dann blase ich das boot auf und versuche, den neuen sitz einzubauen. das geht nicht, oder nur so halb vielleicht. ich mache ein photo und schreibe eine mail. frage um rat.

diese menschen. wie sie wütend werden vor angst, wie sie dann hassen vor wut. so einfach, einfach so.

#insight

draußen, der himmel, ein hauch von rosa und blaues grau oder graues blau. die letzte kälte hat sich niedergeschlagen, heute. oder letzte nacht, über nacht. dazu der regen.

ich bin nicht mehr ich seit ein paar tagen. ich bin nichts, ohne ein gegenstück, ein spiegel vielleicht. oder licht in einem glas oder wind, für eine weile. für die haut.

der raum wird eng, mit jedem tag, jeder raum. ohne hoffnung, ohne träume. ohne tanz auch, ohne musik sogar, seit wochen. früher war das anders.

ohne eine welt, die mich will.

bin ich nicht.

bonding (110)

erste besprechung mit der agentur am letzten donnerstag. immerhin angesetzt war der termin, und ich habe mich extrem darauf gefreut. ein bisschen auch, weil ich persönlich hinfahren sollte. und woltle und durfte. vor ort im garten und abstand einen menschen in echt treffen, um etwas wirklich wichtiges zu bereden. beinah das erste mal in acht wochen, also so ein echter mensch, fast zum anfassen nah. eine stimme, die aus einem körper kommt, ein dreidimensionales gesicht. immerhin.

war dann aber nichts, weil das motorrad nach ein paar kilometern nicht mehr mitspielen mochte. irgendein dämlack hatte wohl irgendwann darauf platz genommen und an allen knöpfen und hebeln herumgespielt. das war klar, das merkt man sofort. ich stelle die kiste nie mit eingelegtem gang ab. ich lasse den seitenständer nicht ausgeklappt, wenn ich sie auf den hauptständer gehievt habe. eben jener dämlack hat offensichtlich den schalthebel derart malträtiert, dass er mir unterwegs von der welle gerutscht ist.

ich bin gut mit holz und säge, ein wenig auch mit leder, seil und pinsel. aber letzteres schon nur noch unter protest. maschinen reparieren kann ich nur schlecht. selbst mit dieser simplen mechanik war ich überfordert, obwohl mir im nachhinein klar wurde, dass ich hätte wissen können, wie. ohnehin hätte das zu lange gedauert. so konnte ich nur notdürftig flicken und vorsichtig im zweiten gang in die werkstatt meines vertrauens tuckern.

und die schöne besprechung, der termin vor ort in der sonne, mit einem echten, richtigen menschen. hat sich verflüchtigt. stattdessen sind die notizen jetzt per post zu mir unterwegs, in zwei fetten briefen, die zweite hälfte ist schon da. der rest passiert dann am telefon. ich weiß nicht. das ist schade, ich bin über die maßen traurig. aber das bin nur ich, die ich hier sitze. allein.

ich habe den einen fetten brief geöffnet und kurz hineingesehen. gestern schon, wenn auch kaum gelesen, auch nicht die bemerkungen. nur gewundert habe ich mich. wie seltsam eine handschrift, kopiert nur, nach acht wochen menschenleere auf mich wirkt.

sinnlich fast. ich fasse es nicht. wie ein kleines geschenk.

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