am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

das frühstücksbuffet befindet sich in den schubladen, zur sicherheit vielleicht. vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu spät. ich war beschäftigt, wir haben draußen herumgelungert. das war spannend, trotz hunger.

kein problem, sagt die transfrau, ich zeig’s dir. sie winkelt ein bein an, damit ich alles sehe. ich dürfte auch anfassen, will aber nicht.

wie blöd, denke ich später. nach dem aufwachen.

listen

gar nicht so schlecht, dieser tag. 1000 mal besser als gestern zumindest. listen helfen eben doch, auch wenn man nur wenig davon erledigt. das wichtige daran ist: man fängt an. mit irgend etwas, ganz egal, und daraus ergibt sich der rest. wie von selbst.

wie beim schreiben, wenn es läuft.

jetzt ist es spät, und ich habe nicht so wirklich viel von der liste gestrichen, an das wichtigste sogar kaum auch nur gedacht. das schreiben, das steht da auch drauf.

stattdessen habe ich papier gewälzt, die stapel durchsortiert, die sich in den letzten wochen und monaten überall angesammelt haben. sowas tut gut, das muss man wissen. und immer wieder mal machen. durch den mist gehen, wenn auch nur grob, aber immerhin. aufräumen und ausmisten. durchatmen.

dann habe ich eine neue matraze bestellt. einfach so. oder vielleicht, weil mir auf einmal einfiel, dass ich ja bald geburtstag habe. ach was, ich glaube, ich wollte mir einfach etwas schenken. ausgeguckt hatte ich mir das ding ja schon seit monaten. da gehen dann also bald zirka 25 jahre, schlafen, wachen, träumen, sex.

und tschüß!

die wanne steht frei, aber falsch herum im raum. ich muss zum fenster sehen. hinaus, nicht gegen die wand, an die tür. gleich neben dem bad ist noch ein zimmer, platz für einen werkraum. ich bin überrascht.

am tag darauf stehe ich vor einem keller, der mein keller ist. oder war, früher einmal. dort wird gearbeitet, gebaut. ich will nur kurz schauen, ob mit meinem zeug alles gut ist. wo ich schon einmal hier bin, in wuppertal vielleicht. ich weiß auch nicht. ich will schauen, aber dann vergesse ich es. denn mein keller ist gar kein keller, kein loch. es gib keine wand mehr, die ihn nach hinten begrenzt. alles ist offen, alles ist auch eine etage höher. ebenerdig. da ist ein großer raum, eine halle, voll mit holz. ein lager vielleicht, mein lager.

ich wache auf, weil mir warm ist. ich muss das sommerbett heraussuchen. draußen ist noch sonne, so früh am morgen.

#insight

70 tage inzwischen. andere zählen anders, ich sage 70. da war ich das letzte mal unter menschen, auf einem geburtstag in mitte. genau heute.

danach bin ich noch exakt dreimal im büro gewesen, mehr nicht. später war einmal jemand gast in meiner küche, über eine stunde. wir haben rührei gegessen und kaffee getrunken. das reden war vermutlich das schlimmste vergehen, wie man heute weiß. das atmen im selben raum. gestern war ich eis essen und dabei auch über längere zeit nicht allein. wir haben auf einer bank gesessen, draußen, und über das manuskript geredet. dann haben wir noch einen kaffee getrunken, das hat gedauert. und der abstand war zu keiner zeit ausreichend, dafür sind selbst die im grunde überdimensionierten berliner bürgersteige zu schmal. zumindest mit all den menschen.

darüber hinaus gab es nur kurze begegnungen mit kassierer*innen, apotheker*innen, einem optiker, der frau im späti gegenüber und dem menschen im blumenladen, den ich nach den susannen gefragt habe. mit maske. das atmen unter der maske ist schwer, besonders an tagen, an denen die rechte nebenhöhle mir sowieso das rechte nasenloch verklebt. dann will ich flüchten, wie damals. durch die nächte, die wände, durch alles. zurück zu mir, wo ich zuhause bin. aber wo ist das, heute?

angefasst habe ich niemanden, auch mich hat niemand berührt. 70 tage, ohne tango.

das ist alles, das ist mein fazit.

urlaub, natürlich

bis vor wenigen tagen, dachte ich noch, diese urlaubswoche wäre eine gute zeit, um in aller ruhe in die manuskriptüberarbeitung einzusteigen. wobei ich vor ein paar wochen noch dachte, dass ich überhaupt gar nichts zu tun haben würde. nur ein wenig bauen vielleicht, das bad fertigmachen und die anstehenden reparaturen in der küche. aber sonst nur in der sonne sitzen, hinter den tomaten auf dem balkon, und lesen. mal wieder selbst etwas lesen!

jetzt sieht es anders aus, natürlich. jetzt ist da nicht nur das manuskript, jetzt ist da auch ein einigermaßen riesiger übersetzungsauftrag, den ich natürlich nicht ausschlagen konnte. nicht in der aktuellen situation, natürlich. was weiß ich, wie es mit meinen finanzen aussehen wird, in ein paar wochen, ein paar monaten.

natürlich ist es aber wohl nicht, über jahre hinweg einfach immer zu arbeiten. irgendwo oder an irgendwas, alles zeitgleich. und natürlich meine ich wirklich immer, sieben tage die woche und alle feiertage ebenso. immerzu arbeiten. zwischendrin nur manchmal essen und schlafen, ab und zu tango, früher zumindest. jetzt ja nicht mehr, schon lange nicht mehr. und auf lange. was bleibt ist die arbeit.

seit etwa drei stunden sitze ich jetzt am schreibtisch. zwei emails habe ich geschrieben, beruflich. ein wenig im internet gelesen und in einen podcast mit einem kindheitstraumahelden reingehört. (kein link, lohnt nicht.) das thema passt ins manuskript, so finden sich die dinge. alles ist gut, ich weiß, was zu tun ist. ich weiß auch, wie das alles zu tun ist.

allein, es ist ein bisschen viel. und ich bin zu müde, ich sitze einfach nur da. fetzen meiner todo-liste fegen an mir vorbei, ich lasse sie. ich greife nach nichts, fange gar nicht erst damit an. dabei ist es gerade erst mittag, halb zwei oder so. der frühstückskaffee steht noch neben mir auf dem tisch, nur kalt ist er geworden. ich habe noch nicht einmal die zähne geputzt.

vielleicht wäre das ein anfang.

gin

noch so ein tag ist verflossen. ein bisschen besser vielleicht, auch wenn ich gar nicht mehr so richtig weiß, was ich gemacht habe. gelesen, glaube ich, dann gebloggt und das manuskript noch einmal durchgegangen. doch es fühlt sich gut an. glaube ich.

es ist kein gin mehr da. auch kein cointreau oder einer der vielen bitter, nur noch becherovka. und whisky natürlich, aber der ist mir zu schade. alles andere ist ausgetrunken. so geht das geht ja nun gar nicht.

das boot steht auch noch in der zimmerecke, irgendwie unruhig. ich warte noch auf die herstellerhinweise.

noch zwei tage arbeit, dann urlaub bis nach pfingsten. auch darauf warte ich. zwölf tage frei, für all die andere arbeit natürlich. eigentlich wäre ja mal richtig urlaub nötig, mein hirn ist müde und durch. doch das dauert wohl noch, wenn überhaupt. ein wenig beängstigend.

alles.

bonding (111)

es gibt erste kleinere oder auch größere rückmeldungen aus der testleserschaft, die allgemein angetan zu sein scheint. das ist jetzt sehr vorsichtig und zurückhaltend ausgedrückt, man kennt mich hier. ich neige nicht dazu, mich über die maßen zu bejubeln. vielmehr so gar nicht, eigentlich. aber das ding ist gelungen, das steht nunmehr fest. im grunde wusste ich das natürlich schon. aber jetzt komme ich überhaupt gar nicht mehr darum herum, diese tatsache fest ins auge zu fassen.

auch die besprechung mit der agentur ist gelungen, wiewohl die umstände grauenhaft waren. der tag an sich entwickelte sich stetig zu dem wohl übelsten, den ich in jahrzehnten erlebt habe. dass soetwas wie ein gespräch am telefon überhaupt irgendwie zustande gekommen ist, wundert mich noch heute. oder es bin einfach ich, die ich geworden bin. alt. die ich dementsprechend unterscheiden kann, zwischen traumatisch belasteten, redundanten innenwelten und dem, was ich in wahrheit lebe. doch ja, da gibt es unterschiede.

schade allerdings, dass mein zustand dann doch erheblich die freude gemindert hat, mal mit jemandem kompetent über meine arbeit, meine wirkliche arbeit sprechen zu können. das war so wenig, so selten in meinem langen schreiberleben. mit klaren, konstruktiven ansätzen konfrontiert zu sein, sich auf der grundlage auszutauschen, nachzufragen, abzuwägen. verstehen lernen, in der vielschichtigkeit nach tragfähigkeit suchen. blastbarkeit im sinne von struktur, um dem gehalt der geschichte nicht im weg zu stehen. beste hinweise, die mich jetzt beschäftigen, durch den alltag, das alleinsein derzeit. knackpunkte im text, die nicht nur bedenkenswert sind. sie sind überarbeitungswürdig auch, genau das steht nun an. früher als ich dachte, aber gut. auch das kann ich. es bewegt sich bereits, in eine richtung, die ich zwar noch nicht klar erkenne. aber das wird.

und überhaupt: eigentlich geht es doch um wahr- und wahrhaftigkeiten. immer.

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