auch wäre es eine zeit, um schönheit zu entdecken. die sonne und das blau am himmel, des frühlings wärme und dazu den wind. das ist atmosphäre, die mit uns spielt.
und dieser reichtum an farbe, an licht, überall. wie kraftvoll und bunt es ist, auf den wiesen und märkten, die blumen, die früchte, das blut zum kontrast. dann wieder ton in ton und dunkel und schwer. wie erde, schlamm und dreck und metall. wie schmerz und rost, in unendlicher vielfalt, auch das.
ist schön.
wie auch die menschen, mit ihrer fähigkeit zur nähe, zur begegnung in vertrauen. allen erfahrungen zum trotz.
die tage fliegen. ich weiß nicht, was ich tue. ich tue irgendetwas, immerzu. an der art, wie das werkzeug in meinen händen liegt, spüre ich mich. es geht, aber es ist nicht gut. im bad hat sich einiges getan. ich werde damit leben müssen.
ich bastel auch an den masken herum, damit sie besser zu meiner brille passen. obwohl ich sie kaum brauche, die masken. menschen zu treffen, distanziert und maskiert, das vermeide ich. das will ich nicht erleben. nur in geschäften, da geht es. da bin ich fremd, nicht ich. da ist es egal. nähen kann ich noch schlechter, aber auch das geht irgendwie am ende.
ich hätte zu schreiben. ideen für den nächsten text, das umwandert mich, seit wochen schon. einen neuen auftrag gibt auch, ziemlich viel zu übersetzen. überraschung. geld ist plötzlich nicht mehr mein problem.
stattdessen sitze ich da und weiß nicht. dann blase ich das boot auf und versuche, den neuen sitz einzubauen. das geht nicht, oder nur so halb vielleicht. ich mache ein photo und schreibe eine mail. frage um rat.
diese menschen. wie sie wütend werden vor angst, wie sie dann hassen vor wut. so einfach, einfach so.
draußen, der himmel, ein hauch von rosa und blaues grau oder graues blau. die letzte kälte hat sich niedergeschlagen, heute. oder letzte nacht, über nacht. dazu der regen.
ich bin nicht mehr ich seit ein paar tagen. ich bin nichts, ohne ein gegenstück, ein spiegel vielleicht. oder licht in einem glas oder wind, für eine weile. für die haut.
der raum wird eng, mit jedem tag, jeder raum. ohne hoffnung, ohne träume. ohne tanz auch, ohne musik sogar, seit wochen. früher war das anders.
erste besprechung mit der agentur am letzten donnerstag. immerhin angesetzt war der termin, und ich habe mich extrem darauf gefreut. ein bisschen auch, weil ich persönlich hinfahren sollte. und woltle und durfte. vor ort im garten und abstand einen menschen in echt treffen, um etwas wirklich wichtiges zu bereden. beinah das erste mal in acht wochen, also so ein echter mensch, fast zum anfassen nah. eine stimme, die aus einem körper kommt, ein dreidimensionales gesicht. immerhin.
war dann aber nichts, weil das motorrad nach ein paar kilometern nicht mehr mitspielen mochte. irgendein dämlack hatte wohl irgendwann darauf platz genommen und an allen knöpfen und hebeln herumgespielt. das war klar, das merkt man sofort. ich stelle die kiste nie mit eingelegtem gang ab. ich lasse den seitenständer nicht ausgeklappt, wenn ich sie auf den hauptständer gehievt habe. eben jener dämlack hat offensichtlich den schalthebel derart malträtiert, dass er mir unterwegs von der welle gerutscht ist.
ich bin gut mit holz und säge, ein wenig auch mit leder, seil und pinsel. aber letzteres schon nur noch unter protest. maschinen reparieren kann ich nur schlecht. selbst mit dieser simplen mechanik war ich überfordert, obwohl mir im nachhinein klar wurde, dass ich hätte wissen können, wie. ohnehin hätte das zu lange gedauert. so konnte ich nur notdürftig flicken und vorsichtig im zweiten gang in die werkstatt meines vertrauens tuckern.
und die schöne besprechung, der termin vor ort in der sonne, mit einem echten, richtigen menschen. hat sich verflüchtigt. stattdessen sind die notizen jetzt per post zu mir unterwegs, in zwei fetten briefen, die zweite hälfte ist schon da. der rest passiert dann am telefon. ich weiß nicht. das ist schade, ich bin über die maßen traurig. aber das bin nur ich, die ich hier sitze. allein.
ich habe den einen fetten brief geöffnet und kurz hineingesehen. gestern schon, wenn auch kaum gelesen, auch nicht die bemerkungen. nur gewundert habe ich mich. wie seltsam eine handschrift, kopiert nur, nach acht wochen menschenleere auf mich wirkt.
sinnlich fast. ich fasse es nicht. wie ein kleines geschenk.
ich ertrage sie nicht mehr, die häme der schwarzseher*innen, ihre menschenverachtung, vor eine kalte angst geschoben, die schmeckt wie hohn. als gäbe es keine hoffnung, kein vertrauen mehr in die welt. in die menschen auch, die doch alles so gut als möglich machen. die meisten, so gut wie immer.
wer sieht noch darauf, sieht das im grunde unverkennbare. dass es eine stille, kluge masse ist, die die welt trägt. immer schon. nicht die großschnauzen und selbsternannten prachtkerle, die namen und bilder und denkmäler für später.
was glaubt ihr denn? ihr menschen, die ihr die menschen verachtet.
egal, was gelockert oder geöffnet wird in nächster zeit. das mit der distanz wird bleiben, überall.
da habe ich jetzt also ein buch geschrieben, über nichts anderes als nähe. davon geträumt in der nacht, wort um wort in den text hineingeatmet. in die denk- und zwischenräume, in das elende gestrüpp dieser welt.
immer noch alles ganz ruhig und weit weg, so weit, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. noch vor ein paar wochen. aber es ist ja so, dass alles von vor ein paar wochen jetzt lange vergangen scheint. nicht nur dieser text.
das schöne ist, dass er dennoch bleibt. das weiß ich. das wusste ich vorher, aber jetzt ist es sicher. er steht allein da, und die geschichte läuft. er ist also ausgewachsen. irendwie. er kann gehen.
seltsam, dass das der erste arbeitstitel: gehen. jetzt ist es gegangen.
hier und da erreichen mich erste kleine rückmeldungen über den anfang der lektüre. mich selbst beschämt es ein wenig, aber um des textes willen ertrage ich die scham.
es liest sich, leicht sogar, von anfang an. wer anders dagegen, dass es im zweiten kapitel schwer wird mit den vielen namen usw. gut so, das will ich wissen. das muss er aushalten, der text. dann wieder überwältigt die schönheit, was wiederum mich ein wenig überwältigt. aber genau so etwas wollte ich, leicht sein und reich und dicht. es ist großartig, dass es zu funktionieren scheint.
im nächsten projekt kommt noch tiefe dazu, dachte ich gestern. ein gewagter ansatz.