am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

diese dummen selbstverwirklichungsvorwürfe, wenn menschen einfach mal machen, was sie machen wollen oder machen müssen, ohne auf mögliche resultate zu spekulieren. und den preis dafür auch selbst tragen, mit ihrer lebenszeit, ihrer kraft oder ihrem geld. oder alles zusammen, so ist es in den meisten fällen. manchmal kann ich das kaum glauben.

ich sehe das so: ich wurde ende mai vor 51 jahren verwirklicht, inwiefern ich selbst daran beteiligt war, das muß wohl offen bleiben. doch ich habe dementsprechend diesbezüglich zur zeit keinen bedarf.

mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

going (16)

gestern pause gemacht mit dem romanschreiben, obwohl kopf und gemüt umschwirrt waren von bildern und gesprächsfetzen. trotzdem anderes erledigt, fleißarbeiten und zur schreibarbeit nur notizen gemacht. heute dann erstmal ein bißchen was zum thema fußball verbloggt. mußte sein.

gegen sechs jetzt, und das fünfte kapitel ist durchskizziert bis zum ende. zirka sieben seiten, die es in den nächsten tagen zu überarbeiten gilt. (was aber nur sporadisch möglich sein wird, erstmal steht noch ein artikel an, bis mittwoch, zusätzlich zu den üblichen korrekturen.)

jetzt: feierabend. oder doch nicht? keine ahnung, was es mit diesem plötzlichen und so unglaublich zügigen schreiben auf sich hat. wirklich nicht, vielleicht stimmt es einfach, endlich wieder einmal.

warum fußball (auch) ganz große scheiße ist

tolles wm-spiel gestern abend, deutschland gegen ghana, von langweilig bis rasant, ebenso fehlerhaft wie hier und da auch genial, absurd, verspielt und hart mitunter. so, wie fußball eben ist, wenn er gelingt. ich mag das, ich bin aus dem ruhrpott, da kommt man am echten fußball nicht vorbei.

scheiße ist natürlich das mafiagehabe der FIFA, aber ach, geschenkt.

scheiße ist aber vor allem das mitunter eigenartige männergehabe drumherum. gestern nacht, etwa eine stunde nach dem spiel, brüllen unten auf der straße, gleich unter meinem balkon zwei angetrunkene jungmänner ihren frustjubel heraus. dabei entgleisen sie ungefähr mit dem zweiten wort, das ich mitbekomme. von „ghanahure“ ist die rede, falls man überhaupt von „rede“ sprechen kann im vorliegenden fall. weiter geht es mit „fotze“ und anderen, eher weiblich konnotierten begriffen. um frauenfußball geht es aber natürlich nicht, niemals. als sich die wahl der begrifflichkeiten in die rassistische richtung bewegt und dabei in die allerunterste schublade gegriffen wird, brüllt es von gegenüberliegenden balkon eine antwort: noch einmal dieses wort, und ich komm runter und hau dir eine. so ungefähr jedenfalls, was nicht der beste diskussionseinstieg ist. der blasse, junge kerl, der mir gegenüber wohnt, würde diese ankündigung niemals in die tat umsetzen. das weiß ich sofort.

dennoch bin ich froh über den einwand, obwohl er unmittelbar zur eskalation führt. mir selbst wäre zwar auch nach brüllen, in dem moment, ich bin sogar brülltauglich, wenn es darauf ankommt. doch es braucht eine menge, bis es dazu kommt. vollidioten schaffen diese hürde meistens nicht. derweil hüpfen zwei besoffene „deutschlandfans“ wie angestochen auf der fahrbahn herum und brüllen: „komm doch, komm doch, komm doch, n****r, n****r, n****r.“ vom balkon aus wird ihr aggressionpotential besprochen und belächelt, andere balkone gesellen sich dazu, deren argumente ich akustisch nicht verstehen kann. „ruhe“ brüllt es aus einer ganz anderen richtung, das hilft am wenigstens. das theater geht munter weiter, es wird das eine oder andere gefickt, vor allem diverse fotzen und mütter. was das immer soll, ich weiß es nicht. auf dem gegenüberliegenden balkon ist mittlerweile von „polizei“ die rede, noch etwas, was nicht umgesetzt werden wird.

prügel und polizei. ficken und gefickt werden.

immer geht es um die einen und die anderen. die auf den balkonen in diesem fall und die anderen, die auf der straße. das kommt mir bekannt vor, so abstoßend es auch sein mag. ich möchte jetzt nicht auf der straße sein, obwohl eine heimliche windung in meinem hirn immer wieder behauptet, daß ich von genau da komme und dort auch hingehöre.

dann ist der spuk plötzlich verschwunden, nach zehn minuten oder so, ebenso unvermittelt, wie er aufgetaucht ist. aus dem nichts, ins nichts.

von wegen nichts. das soll mir niemand versuchen zu erzählen, daß sexismus, rassismus und klassismus nicht ein wundersames zusammenspiel pflegen, grundlegende doppelpässe sozusagen, permanent ausgespielt. ausweglos.

fußball ist eben (auch) in scheiße gebettet, definitiv.

gegen sieben schreien sich unter meinem schlafzimmerfenster zwei männer in einer mir nicht bekannten sprache an. kurz nach acht heulen zwei motorren kurz hintereinander laut auf, dann quietschen reifen. ob das dieselben männer waren? kurz vor zehn werde ich endgültig wach, ohne einen erreichbaren traum. stattdessen habe ich rückenschmerzen und ein schlechtes gewissen. jetzt immer noch.

going (15)

gestern abend das vierte kapitel durchskizziert, heute den ganzen tag daran gesessen. die erste fassung fertiggeschreiben und für die weiterbearbeitung ausgedruckt, abgeheftet. fast sechs seiten.

schöne momente gefunden. einen weinenden mann, eine müslischale, deren tiefes rot ich nicht verraten habe, wie vieles anderes auch.

weiter im text, aber wohl eher nicht morgen. da stehen andere fleißarbeiten an, geld verdienen, die anstehende reise organisieren und endlich mal die wäsche wegbügeln. neben einkaufen und fußball gucken. (auch das.)

jetzt: hundemüde.

erst als ich im wasser bin, sehe ich all das blut. ich schwimme inmitten von toten tieren, toten menschen, in fetzen und brocken von fleisch und von blut. ich schwimme weit hinaus, wie die anderen, die auch noch leben. wir sind viele, es ist eng. es gibt nur den einen weg. nach einer weile wird das wasser klar, ich schwimme gleichmäßig und ruhig, wie noch nie zuvor. an einer stelle bleibe ich. ich habe keine angst mehr, zu ertrinken, nicht in wasser, nicht in blut, in diesem lebendtoten rot. auf einmal bin ich allein, da ist niemand mehr. kein mensch, kein tier, kein leben. dann will ich zurück an land, nachsehen. will alles wissen.

ich stelle fest, daß das ufer mir kilometerweit entgegengekommen ist. kein blut mehr, das land ist vertrocknet, nur aufgerissene, harte erde, auf der ich laufe. immer weiter, immer noch allein, als hätte niemand überlebt. das kann nicht sein, denke ich, als ich mich im bett wiederfinde. ein neuer tag wartet, ich muß weiter.

langsam wird mir klar, daß das, was mich in den letzten tagen und insbesondere heute derart gebeutelt hat, eine seltsam ausgeprägte migräne gewesen sein muß. sehr seltsam ausgeprägt, besonders die nahezu brachialen nackenschmerzen seit gestern nacht. als wäre ich gegriffen worden, von hinten gepackt und niedergerungen, daß selt abklatschen nicht möglich ist. das plötzliche verschwinden dieses zustands bringt mich auf die idee. auch der verbleibende leichte torkelzustand und die hormonelle grundstimmung. wann es damit wohl endlich mal gut ist. i wonder.

going (14)

bewußt zügig über das dritte kapitel gelesen, das ich vorgestern für einstweilen erledigt erklärt und ausgedruckt habe. sicher war ich nicht, geht aber, wie ich eben festgestellt habe. ist zumindest nicht mißlungen, ganz okay sogar. kann so liegen bleiben oder abhängen oder was auch immer. da geht wohl nichts mehr schief. die letzte sequenz war wohl auch deshalb so schwer, weil sie oberflächlichkeit darstellt, mißverständnisse und unerreichbarkeit. zwischenmenschliche zeitverschwendung.

damit erstmal genug und ab ins nächste kapitel. klein und fein und sehr intim, so der plan.

jetzt: erstmal raus hier, atmen, den weg finden.

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