am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schön (und nicht traurig)

in blogs, und in diesem hier wohl ganz speziell, ist es ja so: irgendetwas findet recht spontan irgenwie einen weg hinein. oder hinaus, wie auch immer. überarbeitet wird wenig. manches stoppelt sich über tage zusammen, bis ich den faden doch wieder verliere. und vieles, sehr vieles geht verloren, weil ich keine zeit habe oder keinen ansatz finde. das ist das schöne an blogs, denke ich. zumindest an diesem hier, das nicht mehr und nicht weniger will.

trotzdem passiert es mitunter, daß ein text einen punkt trifft, zufällig einen moment erwischt und deshalb fast schon vollständig und ganz daherkommt. obwohl er in kurzer zeit heruntergeschrieben wurde und eigentlich beinah überhaupt nicht ausformuliert worden wäre. weil es spät war an diesem tag, die lust beinah nicht vorhanden und nur ein letztes aufraffen dennoch dazu geführt hat. so wie der text über meine hände, neulich.

ein zufallstreffer, den es nach anfrage von antje schrupp, nun auch in überarbeiteter, sprich polierter, form auf beziehungsweise weiterdenken gibt.

herzlichen dank dafür. insbesondere die kleinen ergänzungen, die gedankliche und sprachliche weiterführung und frische frische konzentration natürlich haben mir große freude bereitet.

die letzten beiden fenster geputzt und dann, weils grad so schön war, schnell noch bad und küche gewischt. war höchste zeit, so im nachhinein, bzw. im putzwasser betrachtet. beide hände okay, beschweren sich so gut wie nicht, ob der rasanten haushaltswienerei. also alles fast wie immer, das gefällt. jetzt lache ich in die sonne, später gibts ein bißchen tango.

fazit: putzen ist scheußlich, hat aber eine eindeutig reinigende wirkung.

sanfter mut

der balkon wird anders in diesem jahr. zum einen ist er links jetzt zirka 11cm kleiner, weil die handwerker dort das dämmmaterial für die nachbarwohnung angebracht haben. daran läßt sich nichts ändern, dagegen ließ sich auch nicht angehen. doch es schmeckt mir gar nicht. es ist ja nicht viel, ich weiß. aber es verändert alles. die harmonie des raumes vor allem. daran muß ich mich nun gewöhnen, wohl oder übel.

auch nach außen wird er anders sein. alles grün, keine großartigen blüten, fett und bunt. was ja sowieso nie so meine sache war. aber diesmal bin ich ganz konsequent: nur sachen zum ernten und essen, tomaten natürlich und viele kräuter und zeug. dazu mein lobeliablau und die schwarzäugige, das ist alles. ein lavendel vielleicht. von unten wird das langweilig und unscheinbar aussehen, schlimmer noch als sonst. das ist mir klar, ich kann es ja selber sehen. aber von innen betrachtet es wird riechen und schmecken. es wird ein einziger genuß sein.

und ich werde dort stehen, sitzen und schweigen, mehr als nur oft, draußen und drinnen zugleich. aus meiner sicht betrachtet. ich werde mein gemüt dort besänftigen, indem ich an meiner minze kaue oder den basilikum streichle. und lesen, lesen, lesen. (oder schreiben?) dazu whiskey natürlich, gin und martini trinken. nein, genießen.

ich werde lachen bis spät in die nacht, in der welt sein. in meiner welt.

die tage erfüllen sich, mehr und mehr. ich weiß gar nicht, wie das kommt. ich schlafe gut und werde früh wach, ganz von allein. es ist viel zu tun, aber ich habe keine eile. die zeit ist offen und weit, wie es selten der fall ist. alles fließt ineinander, angenehmes und unangenehmes, manchmal kann ich es kaum auseinanderhalten.

ob das so soll?

mit einem hammer nagle ich meinen füller in einen ast. die goldfeder bricht und die spitze bleibt im holz stecken. auch der füllerkorpus geht dabei kaputt. das ärgert mich maßlos, vor allem bin ich jedoch beschämt. weil ich aber nicht allein bin, lasse ich mir besser nichts anmerken. klammheimlich verstaue ich die armseligen reste meines schreibgeräts in meiner hosentasche.

später, beim aufstehen, sage ich mir laut: ich spiele nicht, ich möchte den kopf frei haben.

traurig und schön

ich lerne langsam. das ist nicht immer so, aber wenn es um mich geht, habe ich keine wahl. über mich lerne ich nur schwer.

zum beispiel, wie dieses system funktioniert, das doch im grunde gesundheit bringen soll. menschen werden zu patienten. sie werden in unterschiedlich große themenportionen geschnitten und so in die verschiedenen sparten gefüllt. auf den ersten blick ist das sinnvoll, denn niemand kann alles wissen. auf den zweiten und dritten blick dagegen stehen die einzelteile plötzlich vereinzelt da. und mich packt langsam die angst, daß auf diese art letztendlich nichts mehr eine verläßliche aussagekraft haben kann.

seit gestern gibt es sehr schöne röntgenbilder von meinen händen und füßen. die wurden einfach nur gemacht, etwa 7 bis 10 minuten hat das gedauert, und ich, ebenso wie alle anderen beteiligten, habe dabei das gesicht verloren. keiner hat mich gesehen, niemand hat mit mir über die bilder gesprochen. und auch ich wüßte nicht mehr, wem ich dort begegnet bin. ich, die ich mir zuvor überlegt hatte, was ich denn sagen muß, wenn ich gefragt werde. für alle fälle. ich habe ebenfalls nicht hingesehen, habe geschwiegen. nicht einmal nach dem prozedere, das mir weitgehend unbekannt war, habe ich mich vorab erkundigt. obwohl ich mir das fest vorgenommen hatte. einfach vergessen, völlig verloren. in dieser konsequenten fragmentierung meiner selbst, systemimmanent, ich weiß. und dennoch im augenblick immer wieder überraschend.

es ist nicht schlimm. schlimm wäre es, ginge es um schlimmeres als rheuma. meine kraft reicht, vermutlich, um mich wieder und wieder zusammenzusetzen. so war es immer, so ist mein leben. doch es ist traurig, einfach nur traurig.

die bilder dagegen sind wirklich wunderschön. ich habe sie mir selbst angesehen, weil das bislang vermutlich sonst niemand getan hat. so denke ich mir das. ich habe sie mir lange angesehen, stück für stück, vor einer hellen lampe mit der lesebrille im gesicht. da sind sehr sauber gezeichnete knochenstrukturen, zauberhafte linien und muster, sogar fingernägel und hautfalten zu erkennen. da ist der geist von bewegung und handlung zu erkennen, der in allen händen wohnt. da ist begegnung und berührung, die mich berührt. was mich aber am meisten fasziniert, ist die feinheit meiner hände und füße. fast wie bei kindern, ganz zart und zerbrechlich. so bin ich. und dennoch (noch?) völlig intakt, über die jahre und jahrzehnte. wie immer, voll ungeahnter kraft.

meine wunderbaren hände, die ich im alltag derart häßlich finde, für die ich mich so schäme, daß ich sie normalerweise nur ungern herzeigen mag. in gegenwart anderer möchte ich sie am liebsten unter den tisch nageln. vor etwa einem jahr habe ich das auszusprechen gewagt, einmal, und es wurde sofort mitgeschrieben und protokolliert. gut so. denn das zu sagen, war eine unverschämtheit, womöglich, ein akt der verteidigung, der gewalt. vielleicht nicht schlimm, aber ein totales verkennen der lage. nicht nur der beiwohnenden kamera und meinen wundervollen händen gegenüber.

nicht nur das.

und jetzt betrachte ich diese röntgenbilder und erkenne eine wahrheit, die keine medizinische ist.

das ist schönheit.

erschreckend mitunter, im eigenen blog ein paar wochen zurückzulesen. noch gar nicht so lange her, das hier.

das instabile ich

mein kleines rheuma hat sich schnell gemausert und erscheint nun durch zahlen belegt in neuem licht. wobei der körper dieses licht gerade wieder einmal überhaupt nicht reflektiert, ausgerechnet. keine schmerzen, keine schwellungen, nichts. naja, ein leises zwacken in dem einen oder anderen fingerknöchel, wenn ich angestrengt mit den händen grimassiere. aber sonst? hammer und säge sind bedienbar, schraubendreher und schleifpapier auch. schreiben funktioniert natürlich und lesen erst recht. das ist ohnehin das wichtigste.

wobei ich allerdings nie ganz sicher bin, was eigentlich wie zählt. welche akuten körperphänomäne, die es schließlich immer gibt, in meinem alter sowieso, auf das rheumakonto gebucht werden müssen. das knieknirschen nicht, vermutlich, das ist abnutzung, schon vor jahren computerröhrentechnisch diagnostiziert. die starre im rücken bis hinauf in den nacken, leise schmerzhaft und dumpf, im regelmäßigen wechsel mit lautem knacken, das ist altbekannt. kopfschmerzen und migräne, da ist der zusammenhang. dort war er zumindest bis jetzt. das stechen in den handgelenken dagegen? auch das ist älter, ja, taucht immer auf, wenn ich zu viel auf einmal zu stemmen versuche. schon mit mitte zwanzig war das so. aber jetzt? oder die schulter, die sich sporadisch benimmt, wie kurz nach der impfung neulich. verstecktes muskelgrummeln, wie ein kater. aber die kurze bewegungseinschränkung in der linken hüfte, unmittelbar nach der letzten tangonacht? reine verdrehtheit, da bin ich sicher. fast zumindest. und der trittschmerz im fuß, harmlos, weil ich offensichtlich links zu sehr auf dem außenspann laufe. und tanze. beim tanzen kommt eben alles raus.

ich bleibe ratlos, also schluß damit. diese selbstobservation zerrt am meisten an meinen nerven. den körper zu beobachten, noch dazu unter der prämisse einer beständig drohenden instabilität – das ist eine überraschung. keine gute, eher ein überaus unangenehmes phänomen, das alsbald abzuschalten ist. oder zumindest unverzüglich auf das notwendige maß herunterzuschrauben. denn im grunde ist es so: sobald mein hirn mit anderen dingen beschäftigt ist, fallen alle diese wahrnehmungen flach. sie verschwinden unter dem radar der lebensaktion, gehen auf in der gesamtheit der physis.

meiner physis, die ich eben auch bin. (was allerdings nicht unbedingt meine erste idee von mir ist, zugegeben.) sehr robust und solide. wie geschaffen für die darüber hinaus grundlegende zartheit. (die ich mir ebenfalls nicht sonderlich gern eingestehe. ja.)

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