am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

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zwischen entstehenden und sterbenden gedanken. warten worte, scharf geschliffen wie schwerter. (vater der federn)

vorsichtig gesprochen: die erste lesbare textversion steht. auf wackeligen beinen, aber dennoch. jetzt: recherche über klingen aller art, messer, dolche, speere usw. außerdem über stände, gilden und zünfte.

das ist mein gewerk.

ich wache auf, sehe hinaus und sehe wasser neben mir. ein kleiner fluß oder kanal, vielleicht ein stück see zwischen bootssteg und dem fenster gleich neben meinem bett. das ist es, rufe ich nach hinten. das ist, was ich immer vermißt habe. wenig später sitzt eine frau bei mir, so nackt wie ich. sie lächelt, streicht über meinen oberschenkel, zupft an meinen haaren und küßt mich schließlich. bis ich mich vollkommen wohlbefinde. beim aufwachen, nachdenken über weite und tiefe. und hausboote.

es wird nacht und nächter, wenn ich in den text einsteige, weil ich anders nicht kann. so war es immer, gegen alle zweifel und die ständige unzufriedenheit. ich kann eben nur schreiben, nichts sonst.

überall im text nehme ich die moral heraus. die kausalzusammenhänge auch, kaum ein »doch« oder ein »aber« bleibt. das legt die gefühle frei, jenseits aller irrtümer, ihnen zuwider sogar. und das, ohne es zu benennen.

zufälle sind keine frage des glaubens. das werden sie erst, wenn man versucht, einen sinn darin zu finden. eigentlich passieren sie nur.

um mich vor den schmerzen wegzuducken, lege ich mich – mitten am tag – in eine heiße wanne, was für ein luxus. anschließend schlafe ich, zwanzig minuten vielleicht, mehr nicht. dann liege ich lange im bett auf dem rücken und starre an die decke, die von licht und schatten gezeichnet ist, das von straßenlaternen und den gegenüber bereits erleuchteten fenster herrührt. eigenartige muster, die ich noch nie zuvor gesehen habe, obwohl ich schon acht jahre hier wohne. vermutlich trage ich selten kontaktlinsen, wenn ich dort liege und vor mich hinstarre. vorbeifahrende autos zeichnen regelmäßig zusätzliche muster durch meinen raum, schwingendes licht.

nie werde ich sein können, wie diese welt es verlangt, solange muster, licht und schwung mich trösten. und nicht aber flausch, pudding oder tränen.

am ende eines tages am schreibtisch bin ich erschöpft, als hätte ich den ganzen tag physisch gearbeitet. sagt paul auster gerade zu charlotte rampling in the look, so ungefähr zumindest. und ich kann das bestätigen. heute über acht stunden in wenig mehr als zwei seiten geschürft. fündig geworden.

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