am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

gegen abend sehe ich in den spiegel und sehe, daß zum ersten mal seit tagen das schmerzgrau mein gesicht wieder verlassen hat. es geht also, doch noch. ich bin erleichtert. und müde. bin mir wieder zueigen, nicht mehr getragen und getrieben. bis auf weiteres.

intimität ist etwas sehr dunkles, lichtloses. intimität ist hören, nicht sehen, nicht wissen. wohl aber wollen. intimität ist lustvolles tasten im ungewissen. und so viel mehr noch.

beinah sieht es so aus, als schriebe ich an einem märchen. ganz sicher bin ich nicht, noch fehlt mir der überblick. eben habe ich immerhin den anfang gesetzt, endlich. zu mehr war ich aber nicht in der lage, aktuell ist doch nur matsch im hirn. so ist das eben, ich stecke mitten in der müßigen und unbefriedigenden arbeit des verzweifelten herumschnippelns und herumschiebens im text. fürchterlich. linien suchen, linien finden, linien verwerfen. aber noch keine möglichkeit, kein raum, die linien auch zu entwickeln. zum kotzen. (zum trost dann noch ein paar zeilen der seite erstgeglättet, so zwei drittel vielleicht. das war gut.vor allem, weil es kürzen war. kürzen ist immer ein gutes zeichen.)

ein märchen also, ein stadtmärchen, ein mordmärchen. noch dazu in brocken aus der nacht geschöpft. keine ahnung, was das wird. aber wenn, dann wäre das ein eigenartiger kreis, der sich da schließt. beinah etwas wie ein anfang. womöglich.

geheimtip

ach. meine bevorzugte meditationsräumlichkeit, außerhalb der heimischen hütte, zieht demnächst mitsamt dem vorübergehenden unterschlupf zu mir nach neukölln. wurde mir gerade mitgeteilt. gleich gegoogelt: 650 meter, 9 minuten fußweg. ein ausgesprochen angenehmes wintergeschenk, finde ich.

mein handwerk

das material schneiden und stutzen, verstümmeln und mich darin vergessen. dem text die knochen brechen, bis so etwas wie wahrheit hervortritt.

greifer

nachts kreist ein hubschrauber über meinem berlin, hämmert in wellen von oben herab. dann springt mir das migränetier mitten ins gesicht, endlich hat es sich entschlossen. nach tagelanger belagerung. frontal bespringt es mich, wie nur selten. mit einer wucht, die vielleicht alle paar monate vorkommt. meistens eher nicht mehr, zum glück. gerade als ich schlafen will, packt es mich. als ich vergessen will, mich verlieren für eine weile. gerade dann, als wüßte, wollte es genau das.

schreien will ich, toben und kämpfen. aber innen und außen sind ein problem, das findet nicht zusammen. etwas hält mich zurück, immer. und da ist nichts, kein gegner, nirgends. da bin nur ich. und die nacht.

wegen der sicherlich schlafenden nachbarn um mich herum bleibe ich still. ich knurre nur, halte den atem an, schlage ins leere. oder mich selbst, wen sonst. ich huste wie ein hund. weinen ist nicht. nie. dann krieche ich rüber ins bad und schlucke meine pillen.

später, im medikamentierten halbwahn, träume ich von einem großen greifer aus metall, wie es ihn auf müllkippen gibt. diese dinger, die riesige brocken aus dem verotteten zivilisationsgesabber reißen und fetzen und den öfen zu fraß vorwerfen. so etwas greift nach mir, tief in den rücken hinein, mitten durch meine mitte. alles in mir ist schrott.

der schmerz im körper ist niemals nur ein schmerz. er ist immer auch erinnerung. er ist verzweiflung in fleisch und blut übergegangen, ein generationentransfer. dieser schmerz ist ein abbild der angst.

novemberschmerz

ich weiß nicht mehr, wohin mit dem schmerz. seit freitag (oder mittwoch?) schon sitzt er mir so tief im körper, so weit innen, daß ich nicht einmal atmen möchte. ich versuche musik, laufe zur apotheke und durch den supermarkt. dieser lärm überall. ich sollte arbeiten, muß arbeiten. es hilft alles nichts.

der schmerz macht müde im kopf und leer. läßt keinen raum für ruhe. besonders im november. ausgerechnet.

open mike 2

auch den zweiten lesungstag voll mitgenommen und alles gehört, was es zu hören gab. trotz wiederkehrender schmerzen, das hört einfach nicht auf diesmal. aber es bleibt konstant im rücken, im nacken, wo es jetzt noch ist. dieses schmerzding in mir, das schlafende migränemonster. nur einmal gab es einen kurzen ausflug hinter das rechte auge, das war am mittag, kurz bevor es losging.

zwei richtig schlechte texte heute, beide im ersten set. und beide von frauen, was es umso schlimmer macht. immerhin gab es zwei erkenntnisse dazu. (und richtig gute lyrik auch, u. a. von einer frau.)

1. jammerliteratur ist 1000x schlimmer als befindlichkeitsbloggen. denn letzteres will nichts anderes sein als eben das, was es ist. das macht es klar und vergänglich, wie das leben. ersteres dagegen.

2. die leipzig-hildesheim-häme, die hier wie in klagenfurt gerne gepflegt wird, durchaus auch von mir, hat eine ernste komponente. ganz egal, wie die internen verknüfungen verlaufen mögen, davon habe ich nicht die geringste ahnung. oder eben nur ahnungen und vermutungen. es sieht doch sehr danach aus, daß sich mehr und mehr eine art inzucht etabliert, bei der die junge literatur nurmehr gemessen wird an anderer, zumeist ebenfalls noch junger literatur. stimme, klang, ton und gesicht. thema, tempo, stil, alles irgendwie gleich. und immer noch gleicher. da stimmt doch was nicht.

wo bleibt das leben, mit dem literatur sich zuallererst messen muß. finde ich. wie dieser schmerz in mir. der ist doch auch nur da wegen der geschichte, an der ich gerade arbeite.

open mike 1

mal vorbeisehen wollte ich, mehr nicht, ist ja gleich um die ecke. der schädel pochte, immer noch, da war die lust auf rumsitzen und zuhören nicht so wirklich groß. geblieben bin ich dann bis zum schluß. so ist es mit mir und der literatur. sobald die ersten worte fallen, bin ich zuhause. und bleibe dort, unter allem umständen. morgen dann wieder.

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