am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

rhizom (7)

„In einem Rhizom gibt es keine Punkte oder Positionen wie etwa in einer Stuktur, einem Baum oder einer Wurzel. Es gibt nichts als Linien.“
Gilles Deleuze, Félix Guattari: Rhizom

wenn es nur nicht ein urbild wäre, das mit den linien. für mich zumindest.

niemandsland

die sphäre zwischen geist und hand schließt sich nicht.
als ich innenarchitektur studiert habe, tragwerksberechnungen gemacht habe und streng perspektivische zeichnungen, da war mir das zu wenig theoretisch, zu geistlos auf dauer. natürlich gibt es auch da strömungen, ästhetische konzepte. die mich aber allesamt entweder gar nicht erst erreicht oder aber nicht berührt haben. als ich in er germanistik/anglistik saß, älter als alle anderen, längst schuluntauglich, war ich zutiefst erschrocken über die fehlende griffigkeit, die theoriespielerei, auch noch leidenschaftslos zumeist. schule eben, eine mittelklasseuni, die sich auf die lehrerausbildung eingeschossen hat. schade eigentlich.
auch jetzt sitze ich hier, lese in und zitiere aus rhizom, bin aber nicht gut genug, um die längst beschlossenen zusammenhänge zu kennen. suche auch gar nicht danach, sondern fahnde lediglich nach altvertrautem. nach griffigkeit und alltagsqualität, nach handwerk eben, nach leben. und finde mich grundsätzlich lächerlich dabei. möglichst unverbindlich und nirgendwo zuhause, nur im niemandsland bewandert.
andererseits ist eines eben ausgeschlossen. daß leben, wie auch denken, auf einer einzigen ebene überhaupt funktionieren könnte. so sehr auch jedweder diskurs darum bemüht sein mag, zwangsläufig.
die sphäre bleibt also, weil es so sein muß. bleibt auch die arbeit, das bauen, das schreiben, weil es sein muß. bleibt im herzen der brückenschlag.

nachgeschalteter gehorsam

was die migräne macht, fragt eine freundin, gestern abend. nichts, antworte ich, beim letzten mal waren es eher übelkeit und häßliche verdauungsgeschichten. auch nicht schön, aber leichter zu ertragen, sage ich noch, und wir lachen, beide. vielleicht bin ich ja am wochenende dran, und damit schließe ich das thema ab.
heute werde ich dann noch vor acht mit schmerzen rechts oben wach. als hätte ich es so gewollt, es beschworen, gestern abend. nach einer weiteren stunde schlaf und traum sitzt der griff im nacken. besser denke ich und schlafe noch ein wenig weiter. gegen zehn die ersten tabletten und der schwindel jedesmal beim aufstehen oder wieder hinlegen. aber es hilft ja nichts. vorm bildschirm brennen die augen, der mausarm ist starr bis ins hinterhirn.
schließlich lasse ich ab davon. ich werfe die waschmaschine an, trage den müll runter und beginne, die beiden fahrräder besuchsfit zu machen. muß ja auch mal sein. radbremsen richten, das habe ich seit jahrzehnten nicht mehr gemacht. das ist sozusagen eine regressive tätigkeit, die mich in einen urmobilen zustand versetzt. in eine hilflosigkeit eher noch, einen überaus eng gezogenen radius. in die noch führerscheinlose zeit eben, zwischen 10 und 18, in der jede noch so kleine flucht in die pedale getreten werden mußte.
danach sind die schmerzen weg.

die erbschaft (2)

„>>Die Geheimhaltung verändert mich, und das Wissen verändert die anderen<<, sagte sie … „
Connie Palmen: Die Erbschaft

oder umgekehrt, möchte ich meinen.

hinter den kulissen

der tag der inszenierten politik. der schröder und die merkel. eingehen auf das, was da verhandelt worden ist, mag ich nicht. das ist bekannt, davon lese und höre ich seit wochen, wenn nicht monaten. und begreife es doch nicht, dieses sinnlose geschiebe und geschacher mit konstrukten. das sind doch alles nur reine lebensrettungsmaßnahmen. auf sich selbst bezogen, versteht sich, nicht etwa auf das volk, das wir alle sind.
dazu heide simonis‚ unverhülltes entsetzen. da möchte ich schon manchmal wissen, wie es dahinter aussieht. da, wo es echt wird. hoffentlich.

rhizom (6)

„Chomsky’s Grammatikalität, das kategoriale Symbol S, das alle Sätze beherrscht, markiert in erster Linie ein Machtverhältnis und dann erst einen syntaktischen Zusammenhang: …“
Gilles Deleuze, Félix Guattari: Rhizom

hier und jetzt

verkrochen in den eigenen unfähigkeiten, ist heute dennoch der kopf fast wieder ein bißchen klar zu nennen, wenn ich ehrlich bin. was aber hilft das, wenn ich nichts, aber auch rein gar nichts daraus machen kann?
wenn ich wüßte, worum es eigentlich geht. die immer wieder von mir beschworene konzentration, respektive das fehlen derselben? ist es das wirklich? oder nicht vielmehr eine mangelnde präsenz, hier und jetzt, von augenblick zu augenblick. immer ist alles nur aus- oder gar angedacht, aber keine handlung, nicht einmal eine strategie in sicht. eine art alltagslähmung also. und dazu diese müdigkeit. (die sich allerdings spätestens gegen zehn oder elf wieder verflüchtigt. ungefähr dann, wenn eh nicht mehr viel geht. zumindest nicht, wenn der nächste tag noch irgendwie funktionieren soll.)

rhizom (5)

„Als unterirdischer Sproß unterscheidet sich ein Rhizom grundsätzlich von großen und kleinen Wurzeln. Knollen und Knötchen sind Rhizome. Pflanzen mit großen und kleinen Wurzeln können in vielerlei Hinsicht rhizomorph sein: man muß sich wirklich fragen, ob nicht das Rhizomorphe gerade das Spezifische an der Botanik ausmacht. Auch Tiere sind es, wenn sie Meuten bilden, z. B. Ratten.“
Gilles Deleuze, Félix Guattari: Rhizom

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