am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

stand: heute

so schnell kann es gehen, von hagelgewitter über sommerfrische hin zu schwülwarm, fast schon zu heiß. ich beschwere mich nicht, ich schwitze. unter der maske vor allem, wie alle. was mich wirklich beschwert ist anderer natur.

die zunehmende leere, situationsbedingt, über die ich mich inzwischen doch auch ein wenig freuen kann. jetzt, wo der zwang dazu langsam abnimmt. doch die trägheit oder starre sogar, die bleibt mir noch. dagegen komme ich bislang nur schwer an, auch weil es sich ausweitet, auf ganz andere lebensbereiche noch. das warten, das hoffen. das wächst in situationen hinein, in denen ich das überhaupt nicht brauchen kann, aber so ganz und gar nicht. oder nicht jetzt, wenigstens, nicht ausgerechnet jetzt. die literatur zum beispiel, wohin will das mit mir. das, was ich da tue. da zeigt sich nichts, seit wochen. stagnation.

was bleibt und wächst ist diese fremdheit mir selbst gegenüber, die aus all dem resultiert. damit weiß ich nichts anzufangen, bislang. ohne dass es mir sonderlich fremd wäre, dieses fremdsein. aber keine ahnung habe ich, jetzt. was das soll? oder will. bin ich alt? bin ich neu? bin ich überhaupt noch? und wozu das alles?

sie sollten sich scheiden lassen, sagt mir die therapeutin, die gar nicht meine therapeutin ist. ich bin gar nicht verheiratet, sage ich. ein bisschen bin ich verärgert, weil ich denke, dass sie mich verwechselt. und dass sie mich abwimmeln will. ich drehe mich, um den traum zu korrigieren. ich will mich nicht wegschieben lassen, nicht so beiläufig. andererseits habe ich mich ja geschieden, endlich, neulich erst.

ich bin nur hier, um mein interesse zu bekräftigen, sage ich. jaja, sagt die therapeutin, die gar nicht meine therapeutin ist. der antrag ist schon raus. sie zeigt mir einen brief, unscheinbares papier. dann werde ich wach.

und finde beide versionen irgendwie komisch. no satisfaction!

bilder von mir

durch den wind. hier ist wasser sowieso und auch wind, den ganzen tag. da bin ich durch. mit dem rad durch den park, zu fuß auch, schiebend. man darf da nicht überall fahren. auch ist es eng und steil mitunter, und ich bin nicht sehr fit nach all den monaten zu hause. außerdem zeigt sich, dass das mir das nichts ist.

ich warte nicht, in ruhe, in gelassenheit, in der gewissheit, von der ich durchaus weiß. ich bin zu schnell, trotz allem, ich bleibe nicht stehen. ich stelle das rad nicht ab, ich öffne den rucksack nicht, ich hole nicht die kamera heraus. doch das alles muss man, wenn man bilder finden will.

langsam werden, still auch, alles eng stellen und konzentriert sein. um zu sehen, was ich kann.

was ich bin.

diesmal

völlig aus der zeit. ich war heute schon auf, habe kaffee getrunken und etwas gegessen. ich erinnere mich. dann bin ich wieder ins bett, um zu lesen. gut gelesen habe ich, ein bisschen wie früher. als kind, das rettungslesen, wie tauchen fast. sich weglesen. mich weglesen.

jetzt bin ich geduscht und irgendwie aus der zeit gefallen. beim zweiten kaffee schaue ich auf die uhr und bin irritiert. ich weiß, dass es der zweite ist, deshalb komme mir vor wie spät am nachmittag, wie fünfundachtzig oder älter. dabei ist es viel früher und eben erst habe ich ein paar tangobewegungen, noch im schlafanzug.

wenn ich aus dem fenster sehe, blicke ich auf eine dachsanierung. leute laufen auf dem recht geringen gefälle herum, säubern die dachrinne und bauen ein neues dachfenster ein. glaube ich. ich bin begeistert, was mir diesmal hier alles geboten wird. bauen und schreiben, was ich beides derzeit nicht so wirklich tue. aber lesen darüber und zuschauen. das ist doch ein anfang.

täglich

den tag nicht verloren geben, nur weil nichts passiert ist. der tag ist noch nicht vorbei. was wiederum nicht heißt, dass unbedingt noch etwas passieren muss. damit ich den tag nicht verloren geben muss. ein tag ist ein tag. manche tage sind eine rose, sie beißen und stechen mit ihrem glanz. andere sind wie jauche, in der man ertrinkt. heute ist nichts, das ist ein erfolg.

ich lese, ich glotze vor mich hin. ich dusche, dann versuche ich mich in der welt da draußen. das bleibt seltsam, selbst das einkaufen. immer noch gilt es, die regeln zu finden, sie zu verstehen, sich einzufinden. also mich, mehr noch als früher. schon da war das ja nicht meine leichteste übung. ich denke nicht, dass ich in dieser woche hier groß ausgehen werde. aber das muss ja auch nicht. passieren. überhaupt gar nichts muss passieren, mir ist nichts versprochen.

so ist das. die schmerzen im rechten fuß, die mich gestern haben humpeln lassen, sind heute wie erwartet im laufe des tages verschwunden. rheuma eben. dafür tut der nacken weh, wie so oft, wenn ich mich zu wenig bewege. dann trage ich schwer am eigenen kopf. lesen, schreiben, glotzen, wieder lesen. ich weiß auch nicht, früher war lesen schmerzfrei.

morgen ist ein anderer tag, da will ich raus. schauen nur, eine kamera mitnehmen und das rad. so hab ich mir das gedacht, aber das war vor tagen. mal sehen, was sich am morgigen ergibt. dafür bin ich hier. vielleicht ist das eigentliche leben ja auch der schlaf.

reisen und finden

gestern nachmittag durch wind und regen, tatsächlich gab es sogar satte zehn minuten hagelgewitter, irgendwo in teltow, mit dem motorrad in die kleine stadt gereist. meine kleine schreibstadt. sehr verunsichert, weil die letzten monate einer quasi ausschließlichen heimexistenz mich von der schlechten reisenden, die ich immer schon war, offensichtlich zu einer vielleichtliebernichtreisenden gemacht hat. unsicher auch, weil ich nicht in meiner hier bereits gewohnten umgebung sein kann, die ist anderweitig vergeben. die zweitwahl, nur wenig entfernt, ist weniger geeignet für das stundenlange arbeiten am rechner, dafür wohnlicher, mit vielen hochinteressanten büchern ausgestattet, kunst und design, keine belletristik. das ist gemein, weil völlig richtig für mich. die schreibzeit ist eine denkzeit, diesmal, ein suchen und finden. das passiert nicht am rechner.

so ist das heute, hier. ich bin sehr zufrieden mit der kleinen reise, die ja gerade erst begonnen hat. noch zufriedener mit der unterkunft, die sich exakt in meine bedürfnisse einschmiegt.

so recht weiß ich nicht, was ich tun soll. immer muss ich etwas tun. ich versuche ich mit ausschlafen, was erstmal gar nicht so einfach war, mittlerweile aber erfolgreich. immer noch ungeduscht und in der schlafhose, habe ich gerade erst den ersten kaffee auf. jetzt denke ich über frühstück nach und einen zweiten kaffee vielleicht, dabei habe ich nebenbei hier und ein bisschen was repariert. weil ich auf der suche nach müllbeuteln zur mülltrennung den werkzeugschrank gefunden habe. so muss das, finde ich. die schönen dinge, die sich unterwegs zur verfügung stellen, sollte man noch schöner verlassen. man sollte sie anreichern mit dem, was man selbst tun kann, dem eigenen talent.

diese art der bereicherung ist die einzige mögliche, weil nur so das eigene talent niemals verfliegt. so wird daraus ein ewiges win-win-win-win-win-usw.

freundlich sein

tage, an denen sich die welt unter mir dreht, als wollte sie sich wegbewegen. einfach abdrehen, ganz anderswo hin. das will ich auch. aber wo?

so vieles ändert sich derzeit, wie von selbst, oder es bietet sich an, das ändern. und das ist noch das wenigste. ich greife danach, nach dem wenigen, noch ohne zu wissen, was es ist, was es wird, was es sein könnte. irgendwann dann, später. oder auch nicht, wer weiß das schon.

ich versuche es trotzdem zu fassen, jetzt aber schnell, gerade noch rechtzeitig. den moment zurechtrücken, bevor es zu spät ist. jetzt ist die zeit, es ist eine freundliche zeit. und so grausam dabei.

ich weiß das.

erst höre ich, wie ein lektorat besprochen wird. es geht um platzhalter im text, kleine, gelbe flächen anstelle der worte. das sei ein problem. es geht nicht um mein manuskript, aber ich verstehe sofort. ja, rufe ich, das soll so, das muss. ich tue das, weil ich die autorin unterstützen will. weil ich es weiß. die aber merkt das nicht, braucht mich auch gar nicht. sie weiß selbst, was sie tut.

dann sitze ich beim frühstück mit zwei anderen. wir werden bedient, aber ich denke doch, dass es mein balkon ist, wo wir sind. sein muss, denn anders geht ja nicht. denke ich, genau weiß ich es aber nicht. ich bin auch gar nicht wirklich dabei. ich suche, ich denke, ich schreibe alles auf. ich plane eine geburt, während die anderen bestellen und reden, dann essen und trinken. davon kriege ich gar nichts mit. aber das macht nichts, es ist alles gut, nur habe ich immer noch nicht gefrühstückt oder auch nur bestellt, als die beiden fertig sind und sich verabschieden. restpektvoll, ohne mich stören zu wollen. sie wissen von mir.

und ich habe keine ahnung. ich habe nichts gehört, nichts gesehen. ich war nicht da. obwohl ich da war, das ist meine art. das ist seltsam, aber es ist richtig. es ist gut.

zuletzt stehe ich ich einem café, jetzt aber wirklich, vor einer riesigen, sich drehenden kuchentheke. und die frau, deren buch ich gerade lese, winkt von der anderen seite. ich soll mir etwas aussuchen, egal was. ich bin überfordert, da ist zuviel auswahl, alles dreht sich auch viel zu schnell, und ich kann es nicht glauben. das vor allem. ich schaue kurz an die decke, da ist ruhe. nur die frau hinter der theke, die ist noch da, das weiß ich. als ich zu ihr zurückschaue, ist die theke leer, vielleicht ist sie sogar weg. alles ist auf einmal weg, wie in einem traum. nur die frau, deren buch ich gerade lese. ein geschenk.

so trunken werde ich wach.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner