am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

urlaub

und ich arbeite, tag für tag, stunde um stunde. so wie immer. dabei geht es nicht nur um den übersetzungsmarathon, nebenbei erledige ich viel, was auf der liste steht. auch da hat sich einiges angehäuft. im grunde ist das gut, weil es bedeutet, dass ich wieder funktioniere. die erschöpfung hat sich verkrochen, vielleicht weil ich mich nicht mehr darum kümmere. so viel kraft ist zurückgekehrt. es ist aber auch irre, irgendwie, ich traue dem ganzen nicht. noch nicht. ich denke, da wartet arbeit. achtsamkeit oder so, ich bleibe mir trügerisch.

für morgen habe ich mir mehr leere vorgenommen. es soll der schönste tag der woche werden, sonne und licht. kein regen. da ruft das motorrad, nach wartung vor allem. luft und sprit tanken, bevor ich die stadt verlasse. gegen ende der woche, was nicht so ein schöner tag sein wird. so steht es bislang geschrieben. und vielleicht auch eine kleine runde fahren. nicht viel, nur zur gewöhnung.

dagegen spricht ein ziemlich genervter rechter arm. der, mit dem ich den computer bediene. selbst meine oberergonomische mausform fängt in letzter zeit an, mich zu quälen. das ist, wie es ist, das ist blöd. und heute ganz besonders. nun ja, das wird sich zeigen. was auch sonst, gleich morgen vermutlich.

ansonsten: lesen! das hat doch schon damals geholfen, schon immer. das weiß ich doch, darauf baut ja alles auf.

#insight neukölln

alles still auf der wesermeile, gestern wie heute. keine partys wie in mitte oder am alex, aber davon habe ich ja auch nur gelesen. doch hier ist es wirklich so. lediglich die kneipe bei mir auf der ecke, die hat auf einmal wieder auf. ein seltsamer anblick nach über sechs monaten. und dann saßen da menschen, draußen, so bis gegen elf. das ist die zeit, so ungefähr, da macht diese kneipe sowieso meistens schon wieder zu. es handelt sich um so eine wohnzimmerbierstammtischkaschemme, die ihr angebot zweckmäßig auch am sonntag vormittag anbietet, wie überhaupt, immer auch tagsüber, am nachmittag zumeist.

ich schrieb es neulich schon, die stimmung wird eindeutig leichter. ich weiß nicht, wie und warum. heute war ich dennoch den ganzen tag zu hause, wie immer nur am schreibtisch, übersetzungskram wegarbeiten. morgen wird es nicht viel anders sein. das war höchste zeit, wieder mal habe ich ziemlich rumgebummelt. und urlaub gilt erst, wenn das fertig ist.

eben habe ich die miete überwiesen für ein bett in der kleinen stadt. leider nicht meine stammunterkunft, dazu war ich zu spät. aber immerhin nicht weit, also eigentlich befindet das diesmalige bett genau eine etage darüber. bislang kann ich mir das allerdings immer noch kaum vorstellen: wegfahren, raus aus berlin, und wegbleiben. dürfen. anderwo sein, über nacht. nicht mehr insight, die ganze zeit. im eigenen saft.

ich werde platzen vor freude, vielleicht. ich weiß auch nicht.

jetzt habe ich urlaub, tatsächlich, über pfingsten hinaus, über meinen geburtstag, bis in den juni. den ersten urlaub seit letzten august, so kommt es mir vor. das stimmt natürlich nicht, auch über weihnachten hatte ich frei. aber das war nicht schön, da war nichts frei. erstens habe ich gearbeitet, wie ich immer arbeite. das ist nicht besonderes. aber zweitens gab es draußen wenig licht, wie das so ist im winter. wenig licht und immer weniger welt in diesem fall. von da an immer zu hause, tage- und wochenlang, bis vor kurzem. so ist nichts frei.

dieser tage spüre ich zum ersten mal wieder ein bisschen welt da draußen, es kommt bewegung auf. das ist so schön, zu schön vielleicht. zu viel, wer weiß das schon. (dass zahlen sich ncht vergleichen lassen.) beim friseur aber kam auch ich mir nicht mehr wie ein alien vor. stattdessen beim warten ein bisschen mit der musik wippen, dabei auch in den spiegel schauen, schwarze brille, schwarze maske, und entscheiden, die matte radikal kürzen zu lassen. sommerfriese, aufbruchstimmung, wuscheltaugliches haupthaar. ich bin so viel jünger als ich alt bin.

womit ich nicht gerechnet hätte: es sieht ganz so aus, als käme ich sogar ein bisschen raus aus der stadt. nicht weit, nur hinaus in die kleine stadt, wo ich nicht viel arbeiten werde, diesmal, nicht schreiben. nur lesen und rumlaufen vielleicht, fotos machen. wird ja auch dort nicht viel offen sein, und wenn, komm ich ja ohne test nicht rein. es klingt ja alles nur so lustig und frei mit den tests, ich kann mir das nicht leisten. einmal die woche ist es umsonst, aber die anderen tage? um einen kaffee zu trinken, ein eis zu essen, ein frühstück. dasitzen und lesen, in einem café, das wäre so schön. doch das ist teuer, es bleibt also erstmal eine schöne illusion. wie auch immer, vorsichtshalber hab ich heute die reklamierte sitzbank fürs motorrad abgeholt. damit wenigstens der arsch trocken bleibt. ist schön geworden, das ding.

ach, ich freu mich drauf. ohne genau zu wissen, worauf. ein paar tage, träumen und denken, den neuen text (er)finden. so denke ich mir das.

ahnung

es wird menschen geben, die diese pandemie wie eine misslungene episode, einen bösen traum vielleicht abschütteln werden. bald schon, womöglich. es werden die sein, die vorher schon leben konnten, als stünde dieses leben nicht ohnehin immerzu auf der kippe. die ahnungslosen, die von verletzlichkeit nichts verstehen und von verderben. das ist ein geschenk und eine schande. es ist eine bürde.

es wird menschen geben, die diese pandemie wie ein persönliches menetekel vor sich hertragen werden, die die toten zählen und das elend, wie trophäen ihrer festen überzeugung. jetzt schon und für lange zeit vermutlich. weil das sterben im leben nicht enden kann, ohne jemals irgendeine bedeutung. das bleibt. das sind die guten menschen, die mitfühligen besserwisser, voller verachtung und stolz. die, die von sich selbst nichts ahnen. das ist eine qual, kein glück. das tut mir leid.

auch mich wird es geben, denke ich. ich weiß nicht, noch nicht, was diese pandemie mir bedeuten wird. demnächst dann, irgendwann. welchen tiefen sinn, und wie ich weiter leben soll. keine ahnung. das liegt nicht an mir, denke ich. es wird nach mir greifen, das leben, und ich bin bereit. ich bin gespannt sogar, wie es wird. wenn ich mich wieder auswildere in die welt, zu den menschen. irgendwann.

aber sicher ist nichts, das war es noch nie. das ist der unterschied.

#insight

einerseits ist da die erleichterung, die womöglich gerade viele menschen erfasst. verbunden mit einer art hoffnung, dass das alles nun anfängt aufzuhören. wo auch immer das hinführen wird, das aufhören, was also damit anfangen könnte. wie es dann aussieht, das leben, meines und das der anderen. wie es sich verändert hat.

erleichterung auch, weil das impfthema für mich einigermaßen überraschend so gut wie durch ist. vor zwei wochen schon war der erste termin, der zweite, einstweilen abschließende steht auch schon. auch im zusammenhang mit der derzeitigen missplanung ist das durchaus erleichternd, denn ich mag mir gar nicht vorstellen, ich wäre jetzt noch auf der suche nach einer impfmöglichkeit. erfolg scheint diesbezüglich kaum möglich, derzeit, und ich müsste der tatsache ins auge sehen, in ein paar wochen womöglich mit meinem dauerhaft minimierten immunsystem in einer immer gedankenloseren welt herumzulaufen. im bevölkerungverdichtetem neukölln noch dazu, mit all den völlig zu recht freidrehenden energien, gefälschten impfbescheinigungen auch und anderen lügen. oder eben nicht herumzulaufen, obenauf, auf die vierzehn, fünfzehn, monate, die es dann sein werden, immer noch und noch länger allein zu hause zu sein. zu müssen am ende, mehr noch als je zuvor.

von urlaub rede ich an dieser stelle übrigens nicht, von reisen und fluchten in weite welten. das liegt mir fern. ich rede ausschließlich davon, diese wahrlich nicht selbst gewählte menschenleere wieder aufgegeben zu dürfen. zu müssen, dringend. ich werde das tun, egal wie die regeln lauten. vier wochen noch, die zeit und die zahlen. wie es aussieht wird dann alles so sein, dass es mir passt.

anderswo ist krieg, das will ich nicht vergessen. jetzt, in diesem moment. mit der erleichterung können die dinge sich auch ganz anders entwickeln, als die hoffnung es vorzugaukeln vermag.

bittersweet

alles drin mitten in diesem tag: sonne, schneeregen und hagelschauer im gewitter. donner und blitzen, bitter and sweet. der geschmack des lebens. es ist mai, mein mai. es ist gut.

wenn eine sorge entfällt, aus dem leben, aus dem sinn, dann rückt unmittelbar etwas nach. als wäre es ein physikalisches gesetz, das ist mal sicher. eine fragestellung, ein plan, ein problem. manchmal auch eine erfahrung, eine überraschung, ein seltenes erleben. etwas, das nicht die welt aus den angel hebt, auf den ersten blick. auf den zweiten aber lösen sich steine, alte brocken eines falschen selbstverständnisses. mit ein paar worten nur. keine ahnung, ob das jetzt richtig ist. und wohin mich das trägt.

aber sonntag soll sommer. auch das ist gut.

tomatenmai

das war gewagt, die tomatenpflanzen schon ende märz zu besorgen und ohne rücksicht auf verluste gleich auf dem balkon auszusetzen. normalerweise ist das ja kein problem, auch wenn ich dafür immer wieder mal verwunderung geerntet habe. ich weiß, dass das geht. also bei mir, ich habe jahretehntelange tomatenzuchterfahrung. meine tomaten können das, sie müssen einfach und tun es dann auch.

dieser april allerdings, verdammt. das war eine wirklich harte tomatenschule. wochenlang standen sie zarten pflänzchen einfach nur da. kein wachstum, aber auch kein verkümmern, immerhin. einfach nur nichts, so gut wie. heute allerdings, als ich tapfer die frischerworbene schwarzäugige dazugestellt habe, musste ich feststellen: sie haben sich klammheimlich verdoppelt, meine armen tomaten 2021. sogar schnee haben sie einmal ganz kurz gesehen, sowas gab es noch nie.

weniger glück hatten leider die mimosen, von denen habe ich zu viel erwartet. die können gar nicht auf zwar kurzen, leider aber wiederholten nachtfrost. die gehen klaglos ein, das ist schade. da habe ich neu anfangen müssen, heute. ich habe sie konsequent ersetzt.

also. der mai kann kommen, der sommer.

#insight

alles still draußen, tatsächlich. alles dunkel auch, schlafen die alle schon? sind sie überhaupt noch da? die menschen, die nachbarn, was tun sie gerade? manchmal höre ich ein fahrzeug, vor allem immer wieder das laut heulende motorrad aus der direkten nachbarschaft. spät in der nacht ist das, egal wie kalt es ist. wohl weil die straßen jetzt so schön leer sind. vermute ich jedenfalls, ich weiß es nicht.

ich bin auch still, und ein bisschen betrunken. das bin ich neuerdings fast jeden abend. ein kleines bisschen nur, aber naja. es ist kaum zu ertragen, das alles. was aus uns wird, den menschen, den nachbarn. alle reden über sich, ich ja auch. ich bin mir wichtig, es ist sonst niemand hier.

aber das hauen und stechen, das sich seit ostern überall entwickelt. derzeit vor allem rund um den immer noch raren impfstoff, trotz aller versprechungen. jeden tag wird es schlimmer, gerade sind es die eltern, die den größen lärm verursachen. mir werden tipps zugespielt und praxislisten, wie auf einem schwarzmarkt. auf twitter lese ich von lustigen menschen, die auf der suche nach dem geilen stoff von hausarzt zu hausarzt durch die halbe stadt laufen. und sich wundern, dass es da voll ist, beängstigend fast, und die dort arbeitenden menschen unfreundlich, genervt bis ablehnend.

was sagt uns das, global betrachtet, in einer globalen pandemiesituation? ich ahne da wirklich nichts gutes.

ich höre jetzt auf, kein wort mehr über das impfdesaster. (und damit meine ich nicht nur die mangelwirtschaft. die war absehbar, zumindest global.) meine lage kenne ich, die ändert sich ja auch kaum. ob mit oder ohne impfung. draußen ist mehr licht, das ist alles. es ist kalt und ungemütlich in diesem frühling, der kälteste april sein zwanzig jahren oder so. hab ich neulich gehört, ich weiß nicht mehr wo. dann kommt der mai, mein mai, und diese welt ist und bleibt doch unerträglich. nicht nur für mich, vermutlich. oder nicht? um mich geht es hier gar nicht. oder doch?

nein, hier geht es nie um mich.

warten auf papier

jeden tag zum briefkasten laufen und nachsehen, ob ein brief von der hausverwaltung da ist. vor etwas über einem jahr wurde mir die miete gekürzt und der zuviel gezahlte betrag zurück überwiesen, zwei mal. bis ich dann den dauerauftrag entsprechend geändert habe. das war wohl wegen des berliner mietendeckels, der jetzt wieder abgeschafft wurde. ich habe mich gar nicht darum gekümmert, seinerzeit, dachte auch gar nicht, dass das auf mich zutreffen würde. erst die hausverwaltung hat mich darauf gebracht. jetzt bin ich gespannt, ob ich nachzahlen muss, was ich von mir aus anstandslos gezahlt hätte.

komisch, irgendwie.

und auf den brief mit dem impfcode warte ich. obwohl mir klar ist, dass die für die mir entsprechende gruppe noch gar nicht raus sind. das hätte ich mitgekriegt, im netz oder in der presse. irgendwo. ich laufe also sinnlos hinunter und hoffe nicht, ich tue nur so. ich bin nicht ungeduldig, nicht neidisch oder wütend gar. ich weiß, was sache ist. ich will warten, nicht drängeln, mich vor allem nicht blamieren. aber ich muss wohl. papier allein hilft nicht.

ich will also und werde andere wege suchen müssen. finden, denn auf einmal ist mir eng, das war das ganze jahr nicht so. hier in meinem kleinen, mich umgebenden berliner hotspot, ganz für mich allein, mit meinem dauerhaft minimierten immunsystem.

das geht nicht mehr.

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