ich versuche jetzt, meine messer zu schleifen. hab grad lust drauf, das endlich mal zu begreifen.
das heißt: wenn ich den schleifstein finde.
freitag ist es, ein sturer vollmond obendrein und die dreizehn schlägt es, unverkennbar. hormonelle spielereien geben das letzte, vielleicht, weiß frau ja nie in meinem alter. den ganzen tag war mein hirn träge und schwammig, wie es sich unter dieser kombination gehört.
zu tun gab es zunächst nur das, was auf den fleißlisten steht. emails schreiben, backups und updates fahren, einkaufen gehen, die hälfte vergessen dabei, den langjährigen einkaufsrucksack kaputt machen und dann auch nochklatschnaß werden vom regen. anschließend blieb nur bügeln zur beschwichtigung.
gegen sieben dann doch noch an die arbeit. erst ein kleiner auftrag, mit dem ich schnell durch war. dann ans schreiben, die datei öffnen und in den text springen. hätte ich nicht gedacht, nach dem traum heute morgen, der mich doch sehr an meiner größe zweifeln ließ. mir ein haus kreieren in meinem zimmer? in meinem kinderzimmer, wie es mir beinah schien? eine pappschachtel?
aber warum nicht?
leichte fortschritte auf dem gebiet „ein klein wenig besser kochen lernen“ gemacht. gemüse nicht versehentlich in der pfanne zu matsch werden lassen, sondern im noch knackigen zustand vom herd gerettet. war eigentlich ganz leicht. (und ging auch viel schneller als sonst.)
beim nächsten mal dann: gewürze und kräuter benutzen nicht vergessen, das wäre sicher eine bereicherung für den geschmack. (wird schon werden.)
das wird ein tangosommer, wie mir scheint. neue ideen und neue möglichkeiten tun sich auf. die teilnahme am küchentango zum beispiel, einer art privatpraktika, die sich durchaus auch mal bis mitternacht erstrecken kann. gestern war das.
außerdem will ich in diesem jahr – definitiv – einmal draußen tanzen, an irgendsoeinem berliner strand. das muß doch drin sein.
nachdenken darüber, warum ich die geschichten von astrid lindgren nie mochte. wobei ich ja vorwiegend die filme kenne, gelesen habe ich das alles so gut wie nie, schon gar nicht als kind. (ob es mir verboten war?) ich fand nie lustig, was da am sonntag nachmittag im fernsehen zu sehen war. ich fand das kein bißchen realistisch oder auch nur nachvollziehbar, im gegenteil. es machte mir eine große und ebenso nicht zu fassende angst, weil es in gegenwart meiner eltern lief, innerhalb der mir bekannten familie. das war kein vergleich. auch meine mutter lachte, wenn ich mich recht erinnere, laut und bitter, über diese dumme, heile welt in schweden.
saltkrokan ist das einzige, das ich heute noch halbwegs erinnere. figuren und namen stehen mir vor augen, vereinzelt auch diese eigenartige, unsinnige storyfetzen. in denen ich nichts zu erkennen vermochte, keine familie vor allem, kein leben, keinen grund. keine welt. nur diese angst.
ich muß in einer grundlegend anderen gelebt haben. damals.
beim frühstück, nach dem frühstück, den ganzen morgen im grunde auf dem balkon, versteckt hinter dem tomatenwald. musik, die einen radius um mich zirkelt, mich schützt, aber nicht völlig abschirmt. von unten andere musik, die vorbeifährt, zügig zum glück, rollergeheule und kreissägengepfeife von weit, hundegebell und darauf folgendes männergebrüll. (hundehalter in neukölln sind eine eigenartige spezies.) modeschimpfwort live erlebt und damit verifiziert: schwabenkind. (es ist soweit, jetzt auch in neukölln.) erste bienen, die von den blüten naschen. das buch von gestern fertiglesen. zum abschied die tomaten hochbinden, sie rüsten für die kommenden stürme. dann gießen und geizen. bei all dem einen grandiosen pickel am kinn haben, als wäre ich in der pubertät. so alt bin ich oder so jung heute.
jetzt an die arbeit.
auf dem weg vom tangounterricht nach hause, immer montags, immer nachts, noch eine kleine runde fahren. nicht viel, die sonnenallee runter, die kiefholzstraße wieder rauf bis zu mir. wie könnte ich jemals erklären, es in worte fassen, was es bedeutet, diese 250 kilo metall, gummi, öl und sprit* durch die nacht zu bewegen. diese leichtigkeit und milde, die sanftheit und ruhe von so viel kraft.
nachts ist das besonders spürbar, gegenwärtig, greifbar fast, das paradoxe daran. das glück einer bewegung, die über das selbst weit hinausgeht. so weit, daß es sich im grunde jeder kontrolle entzieht. und damit die illusion eines stabilen lebens imitiert.
dieses glück, kaum zu begreifen. und wie zu teilen? oder auch nur mitzuteilen.
darüber geht nur musik.
* und rost natürlich, in meinem fall.
langsam die geburtstagsbedingte niedergeschlagenheit überwinden, wie jedes jahr. das wissen darum, nun also bereits dreimal soviel zeit geschafft zu haben, wie ich selbst jemals glaubte aushalten zu können. damals. im rückblick war es doch leichter und schöner sogar als ich es mir vorzustellen vermochte, das muß ich zugeben. möglicherweise ist das so etwas wie glück. das andererseits natürlich schnell in eine schwere umschlagen kann, die sich um das unerreichbare dreht, um die grundlegende vergänglichkeit auch. mit der ich grundlegend einverstanden bin.
ich glaube nicht an den kampf, gegen was auch immer. ich glaube nicht an gegner und verbündete, weder an krieg noch an frieden. in einem von beidem wohnt immer auch sein gegenstück, wie könnte es anders sein. zumindest die idee ist vorhanden, wie zum beweis quasi, daß alles auch anders sein könnte. ohne sich jemals ändern zu müssen.
und das kann es nicht sein, nicht für mich.