am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

tango verschmerzen

tango tut weh, seit einigen tagen ganz besonders umfassend. angefangen von den füßen, beinen und hüften, über den rücken, die schultern bis in den kopf. alles vorwiegend rechts, meine grundlegende schmerzhälfte. so hängt alles zusammen im leben, ich bin eindeutig einseitig verschmerzt.

als ich das vor ein paar tagen einer ärztin erzählte, mehr so nebenbei, darum ging es eigentlich gar nicht, schloß ich mit meinen gegenwärtigen lieblingsspruch zu dem thema: ich bin eben eine alte frau. wurde mir aber nicht genehmigt und um vierzig jahre verschoben. mit neunzig vielleicht, meinte die etwa gleichaltrige frau mir gegenüber.

ich weiß ja nicht.

1,2,3 usw.

heute zum arzttermin in der nähe der ohlauer zwischen polizeihunderschaften durchgefragt und durchgebettelt, in aller eile, weil genau dieser straßenabschnitt komplett gesperrt, mit unzähligen mannschaftswagen zustellt und vergittert war. ein eher marginales problem, mit etwas bitte und danke durfte ich offiziell durch die gitter steigen. das tue ich, und das tue ich gern, den einzelnen polizisten bitte und danke sagen, wenn ich mit ihnen spreche. ich habe sie sporadisch gebraucht, die menschen mit diesem beruf, und ich bin grundsätzlich froh über die möglichkeit, sie zur hilfe zu rufen. dennoch machen sie mir auch angst, nicht nur in dieser art von massiven präsenz. auch ihre bewaffnung, ihre art zu reden mitunter, ihre ignoranz. als wäre das ein teil ihrer ausbildung. auch deshalb sage ich ihnen gerne bitte und danke. aus angst, besser ist besser.

der mensch vom labor hatte weitaus größere schwierigkeiten mit dem auto zur praxis zu gelangen. ich fürchte, er kam gar nicht durch, das bekam ich nebenbei mit. im warteraum, wo ich etwas aufgebracht und etwas gelangweilt über eine stunde lang saß, während draußen hin und wieder etwas auf- und abmarschiert wurde. eine seltsame situation, die den grund meines arztbesuchs ins rechte licht rückte. es gibt nichts zu sagen, das rheuma rührt sich aktuell nicht, die schilddrüse ist abgehakt, der blutdruck gerade heute als dynamisch flexibel, aber im durchschnitt vertretbar erkannt.

keine weiteren termine, außer die, die ich mir selber setze. das wären zwei.

tangoklops

diese tangostunden, in denen rein gar nichts funktioniert. wo ich zu anfang schon mich versehentlich im spiegel sehe, wie ich dastehe. wie ein instabiler, verkrochener kloß menschenfleisch.  (warum sind da eigentlich spiegel im tanzraum?) und dann denke ich ebenso versehentlich wie natürlich vor allem anderen vollkommen zutreffend: das da will tanzen? wozu?

da ist keine eleganz niemals, da ist immer nur schmerz. da tut erst die rechte schulter weh und wird hart, dann beiß mich etwas in den nacken und zuletzt gibt der untere rücken auf. keine drehung mehr, kein stand und keine balance. ich bin eine alte frau.

und da steh ich dann irgendwann erschöpft am rand und weiß nicht einmal mehr, wo mir der kopf steht. geschwiege denn, was meine füße machen.

diese dummen selbstverwirklichungsvorwürfe, wenn menschen einfach mal machen, was sie machen wollen oder machen müssen, ohne auf mögliche resultate zu spekulieren. und den preis dafür auch selbst tragen, mit ihrer lebenszeit, ihrer kraft oder ihrem geld. oder alles zusammen, so ist es in den meisten fällen. manchmal kann ich das kaum glauben.

ich sehe das so: ich wurde ende mai vor 51 jahren verwirklicht, inwiefern ich selbst daran beteiligt war, das muß wohl offen bleiben. doch ich habe dementsprechend diesbezüglich zur zeit keinen bedarf.

mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

warum fußball (auch) ganz große scheiße ist

tolles wm-spiel gestern abend, deutschland gegen ghana, von langweilig bis rasant, ebenso fehlerhaft wie hier und da auch genial, absurd, verspielt und hart mitunter. so, wie fußball eben ist, wenn er gelingt. ich mag das, ich bin aus dem ruhrpott, da kommt man am echten fußball nicht vorbei.

scheiße ist natürlich das mafiagehabe der FIFA, aber ach, geschenkt.

scheiße ist aber vor allem das mitunter eigenartige männergehabe drumherum. gestern nacht, etwa eine stunde nach dem spiel, brüllen unten auf der straße, gleich unter meinem balkon zwei angetrunkene jungmänner ihren frustjubel heraus. dabei entgleisen sie ungefähr mit dem zweiten wort, das ich mitbekomme. von „ghanahure“ ist die rede, falls man überhaupt von „rede“ sprechen kann im vorliegenden fall. weiter geht es mit „fotze“ und anderen, eher weiblich konnotierten begriffen. um frauenfußball geht es aber natürlich nicht, niemals. als sich die wahl der begrifflichkeiten in die rassistische richtung bewegt und dabei in die allerunterste schublade gegriffen wird, brüllt es von gegenüberliegenden balkon eine antwort: noch einmal dieses wort, und ich komm runter und hau dir eine. so ungefähr jedenfalls, was nicht der beste diskussionseinstieg ist. der blasse, junge kerl, der mir gegenüber wohnt, würde diese ankündigung niemals in die tat umsetzen. das weiß ich sofort.

dennoch bin ich froh über den einwand, obwohl er unmittelbar zur eskalation führt. mir selbst wäre zwar auch nach brüllen, in dem moment, ich bin sogar brülltauglich, wenn es darauf ankommt. doch es braucht eine menge, bis es dazu kommt. vollidioten schaffen diese hürde meistens nicht. derweil hüpfen zwei besoffene „deutschlandfans“ wie angestochen auf der fahrbahn herum und brüllen: „komm doch, komm doch, komm doch, n****r, n****r, n****r.“ vom balkon aus wird ihr aggressionpotential besprochen und belächelt, andere balkone gesellen sich dazu, deren argumente ich akustisch nicht verstehen kann. „ruhe“ brüllt es aus einer ganz anderen richtung, das hilft am wenigstens. das theater geht munter weiter, es wird das eine oder andere gefickt, vor allem diverse fotzen und mütter. was das immer soll, ich weiß es nicht. auf dem gegenüberliegenden balkon ist mittlerweile von „polizei“ die rede, noch etwas, was nicht umgesetzt werden wird.

prügel und polizei. ficken und gefickt werden.

immer geht es um die einen und die anderen. die auf den balkonen in diesem fall und die anderen, die auf der straße. das kommt mir bekannt vor, so abstoßend es auch sein mag. ich möchte jetzt nicht auf der straße sein, obwohl eine heimliche windung in meinem hirn immer wieder behauptet, daß ich von genau da komme und dort auch hingehöre.

dann ist der spuk plötzlich verschwunden, nach zehn minuten oder so, ebenso unvermittelt, wie er aufgetaucht ist. aus dem nichts, ins nichts.

von wegen nichts. das soll mir niemand versuchen zu erzählen, daß sexismus, rassismus und klassismus nicht ein wundersames zusammenspiel pflegen, grundlegende doppelpässe sozusagen, permanent ausgespielt. ausweglos.

fußball ist eben (auch) in scheiße gebettet, definitiv.

gegen sieben schreien sich unter meinem schlafzimmerfenster zwei männer in einer mir nicht bekannten sprache an. kurz nach acht heulen zwei motorren kurz hintereinander laut auf, dann quietschen reifen. ob das dieselben männer waren? kurz vor zehn werde ich endgültig wach, ohne einen erreichbaren traum. stattdessen habe ich rückenschmerzen und ein schlechtes gewissen. jetzt immer noch.

langsam wird mir klar, daß das, was mich in den letzten tagen und insbesondere heute derart gebeutelt hat, eine seltsam ausgeprägte migräne gewesen sein muß. sehr seltsam ausgeprägt, besonders die nahezu brachialen nackenschmerzen seit gestern nacht. als wäre ich gegriffen worden, von hinten gepackt und niedergerungen, daß selt abklatschen nicht möglich ist. das plötzliche verschwinden dieses zustands bringt mich auf die idee. auch der verbleibende leichte torkelzustand und die hormonelle grundstimmung. wann es damit wohl endlich mal gut ist. i wonder.

monster

immer wieder gegen morgen, dicht unter der oberfläche des schafens, häßliche träume über familienzusammentreffen. nicht über die vergangenheit allerdings, vielmehr über die verlassenheit inmitten von blutsverwandtschaft, dieser wahllosen ansammlung von fremden menschen, unter denen ich, die ich bin, wie ich bin, mir selbst wie ein verzweifeltes monster erscheine. was ich nicht bin, ich bin nur verloren unter den regeln und gesetzen der verpflichtung. oder was ist das? familie? was anders als sinnlose pflichterfüllung und verfügbarkeit?

aber ich verrenne mich. wohin das führt, da ist kein weg. kein körper, keine seele.

und es ist ja auch nur, weil ich über familie schreibe, schreiben will, für die nächsten zirka 150 seiten noch. für das nächste jahr also, so in etwa, werde ich monster betrachten und gelegentlich beschreiben. müssen.

nicht aber beleben. versprochen.

nachts auf dem motorrad nach hause fahren, immer auf diesen riesigen, unvollständigen mond zu.

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