am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

also:

mein kleines rheuma darf (noch) gar nicht so heißen, denn ist (noch) gar kein richtiges rheuma. (ich sag ja, es ist ein reißen!) möglicherweise, ganz vielleicht nur, will es später einmal ein richtiges rheuma werden, aber das steht noch überhaupt nicht fest. erstmal geht es also darum, herauszufinden, wie es sich so benimmt in mir, was es eigentlich hier will oder soll. worauf hinaus? in sechs wochen wird nochmal nach ihm gesehen, ob es sich in der zwischenzeit nicht vielleicht einfach wieder schlafen legen mochte.

ich denke da ja glasklar: mir reicht es schon, längst, schnell wieder raus damit und gut ist. schluß! große lust macht mir das nämlich nicht, soviel steht fest.

ärzte dagegen werde ich wohl nie begreifen. wie können die so schnell sein? ich selbst weiß kaum noch, was ich geredet habe, kaum daß ich wieder aus der tür bin. hoffentlich war nicht allzuviel blödsinn oder sonstwie falsches dabei. könnte aber durchaus sein, denn warum die frau, mit blick auf meine paar kinnhaare, unbedingt meinen schamhaaransatz sehen wollte, verstehe ich nicht wirklich. (nein, ich bin eher nicht trans, nehme keine hormone, auch nicht illegal. war es das?)

montagvormittagsschock

ich will nicht feige heißen und telefoniere noch vor dem kaffee mit der empfohlenen spezialistenpraxis, um dort einen termin zu ergattern. dauert eh monate, wenn nicht noch länger, bis ich kassenschnösel da was kriege. wurde mir ja schon gleich so angekündigt, ich bin also gelassen. genau so ist es dann auch, die frau am telefon blättert im juni herum. lieber nachmittag sage ich vorsichtig zu dem ersten vorschlag, weil ich mich kenne. vormittags bin ich kaum kommunikationsfähig, zumindest fremden gegenüber, wenn es zugleich auch noch um mich gehen soll. der körper, die schmerzen und ich eben. was ist das nur? mir weitgehend unbekannt, unvertraut auf jeden fall. das wird also nix am vormittag, das weiß ich genau. das muß ich so gar nicht erst versuchen.

die frau blättert weiter. heute abend, sagt sie dann. da sei wer abgesprungen. oh, himmel! und nun?

was für ein wirrer tag. was habe ich eigentlich heute gemacht? ein einschreiben zur post gebracht, die januarrechnungen verschickt, mich in einer „kryptoparty“ wiedergefunden. also ein wenig über openPGP gelernt, aber lange nicht genug. urplötzlich viel zu müde gewesen, um es weiter zu versuchen und abgehauen. keine ahnung.

irgendwo mitten darin dieses eigenartige gefühl, ein paar sekunden nur, von nichts und niemandem bestimmt zu sein. nicht mehr gefangen im leben eines/der anderen menschen. vielleicht das erste mal einen augenblick autark. ich selbst, das ist seltsam.

so ist es wohl, wenn auf einmal alles in bewegung gerät. abrutscht, zur seite weg. und ich? fliege. oder stürze.

nicht viel, aber das nötigste: erledigt. selber jetzt nicht mehr so: erledigt. den monat zusammengerechnet und in der summe trotz allem auf keine katastrophe gekommen. im gegenteil: überrascht gewesen. na dann, ab in den februar.

in heißem trinkwasser liegen und diesen nackten körper betrachten, der so schön ist, wie er nur sein kann, in seinem alter. wissen, in diesem moment, daß ich ihn niemals zerstört sehen möchte, zerschlagen, zerrissen, ausgelöscht. ebenso wissen, daß es dennoch so sein wird. zwangsläufig.

so bin ich geboren.

vermögen

gestern noch stundenlang geredet, bis an die grenzen der ausdrucksmöglichkeiten generell, mich dennoch bemüht, es auszudrücken versucht, irgendwie. mich auszudrücken versucht, bis auf den letzten tropfen. (nein, nicht das mit dem rheuma, das ist eine lästige nebensache.) beinah gescheitert, an der grenze der worte, weit darüber hinaus geschwommen. bis ins weinen und würgen, die verzweiflung geteilt, mitgeteilt, die das leben in sich trägt. wie ein geschenk.

am ende bleibt die angst, meine schuld nicht zahlen zu können, niemals. was für eine perfide idee.

viel denken jetzt und auch das kaum vermögen, im grunde gar nichts mehr verstehen. auf der schwelle stehen und ahnen, daß etwas passieren wird, passieren muß, und keine richtung mehr kennen. keine angst mehr haben und kein geld. die zartheit freilegen, preisgeben, was tief in mir unter allem wartet. ein seltsames wagnis in dieser welt, wie mir scheint.

ich will jetzt musik. für immer.

autoimmun

das reißen, das sich seit september freundlicherweise in hübsch angeordneter geometrie durch meinen körper gefräst hat, erhielt heute seine vorläufige bezeichnung. es heißt womöglich tatsächlich rheuma und würde, sollte sich das alles in nächster zeit bestätigen, bleiben wollen. und auf lange sicht so einges anrichten können.

beides ist irgendwie überraschend. die erkenntnis einer womöglich tatsächlich vorhandenen krankheit ebenso, wie vorstellung, etwas nachhhaltig zerstörerisches in mir zu beherbergen. (als wäre das nicht immer schon so gewesen.)

die schmerzen dagegen? nun ja, anders sind sie, ganz anders als migräne. aber eben auch nur schmerzen. beinah banal.

(gibt schlimmeres, definitiv.)

reißen und wüten

bewegungsschmerzen in beiden händen und in der linken schulter, seit über einer woche, nach wie vor. dennoch den anruf bei der ärztin, der sich mit der abklärung der rheumafrage befassen könnte, großzügig auf morgen (oder so) verschoben. einstweilen nenne ich es das reißen, was im grunde nicht viel unterschied macht. doch da ist etwas, das an mir reißt, eindeutig.

was ich beim tango lerne

außer tango natürlich.

verschlossene türen bleiben verschlossen, was immer ich auch tue. das wurde lange vor mir entschieden. ich kann nicht leben, wie menschen zu leben scheinen. ich kann sie nicht erreichen, nicht verstehen. ich kann mich nicht zwingen und sie nicht, daran ist nichts zu ändern, nichts zu retten. doch diese unabänderlichkeit, die beschränkung macht es auch leicht, mitunter.

ich tanze trotzdem, besser sogar.

wenn ich aufhöre, an den türen zu rütteln, die nicht für mich gedacht sind.

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