ich bin krank. naja, nicht so richtig. ein bißchen vielleicht. kalt ist mir und das hirn eine einzige denkpampe. aus den bronchien reißt es nicht besonders geschmackvollen rotz. ich mache es wie immer, wie als kind. ich halte still. so geht der tag, durch die taumelhaftige fremdheit des körpers, ohne rücksicht auf das wunde innere. nur daß mir niemand mehr dabei zusieht, zum glück. keiner da, dem ich normalität vorspiegeln müßte. auch das noch. nein, das ist vorbei.
alle tage
schleichende obsession?
gestern tangomusik geschenkt bekommen und heute dann gleich bei der morgendlichen fleißarbeit durchgehört. viel akkordeon, was zu erwarten war. für mich, aus sehr persönlichen gründen, nun ja: gewöhnungsbedürftig. danach noch mehr tangomusik geschenkt bekommen. noch mehr akkordeon. gegen drei dann alles konvertiert und auf den player gepackt, was sonst.
fazit: im supermarkt mit dem einkaufswagen geübt. war sehr folgsam, das ding.
postgender
während ich unter der sitzbank umständlich mit einem extra zurechtgebogenen schraubendreher hantiere, um der kawa ihre batterie entnehmen zu können – welcher verdammte trottel hat das eigentlich so konstruiert? – bleibt ein kind, zirka zwei jahre alt, vor mir stehen. neben ihm der vater oder ein anderer männlicher begleiter, beide schweigen. das kind mit großen augen, offensichtlich neugierig, der mann vermutlich ratlos. meine hände, definitiv zu zart und viel zu klein für einen mann. selbst für eine frau, kinderhände im grunde. doch die arbeit, die inbus- und maulschlüssel, das polfett und überhaupt: 250kg motorrad, das ist nichts für eine frau.
da können wir nicht warten, erklärt er schließlich dem kind. dieser mensch holt die batterie da raus, das dauert.
ich grinse das kind an. es grinst zurück, so einfach ist das. und er hat recht, der mann. ich bin ein mensch.
hinhören
ein lichter tag, der mit träumen von meiner mutter begonnen hat. wir sitzen in einem zug, und sie beschimpft mich, weil ich so alt und häßlich geworden bin. was alles aus mir hätte werden können, schauspielerin zum beispiel. ich höre nicht hin, ich höre musik. aber ich höre hindurch, wie immer.
dann lese ich über das halmaspielen. ich erzähle ja diese geschichten nicht mehr, das habe ich 25 jahre lang gemacht. das reicht, ich bin es leid. würde ich noch erzählen, es wäre so wie das mit dem halma. in etwa zumindest, nur wenig anders. harmloser. und schlimmer.
bis auf weiteres bleibe ich trostlos. heute.
heute morgen gleich nach dem aufstehen das bett abziehen, um die bettwäsche in die waschmaschine werfen zu können, und dabei denken, diesmal aber nicht, wie eigentlich immer, bis zum abend mit dem neubeziehen zu warten, weil sich das jedesmal so blöd anfühlt. gerade eben dann ins schlafzimmer gehen und … tja, blöd.
in den straßen
der job für heute kommt doch noch nicht. na gut, so ist das manchmal. bliebt also zeit, zu suchen, zu finden, zu verwerfen. blogs zu lesen, in büchern zu blättern. ich bin so müde. etwas, das früher einmal migräne hieß, kriecht mir durch den nacken. oder ist es doch nur der neue text, der neu zu beginnende?
wie komme ich bloß zu diesem thema, das mich seit herbst letzten jahres packt? gar nicht so sehr, daß ich mich bewußt damit beschäftige. vielmehr wächst es in mich ein, durch mich hindurch, aus mir heraus. womöglich ohne jeden sinn. andere dagegen reden, schreiben, bloggen ganz klar:
Sassen: Es gibt heute mehr Ungleichheit, mehr Armut, mehr Flüchtlinge, mehr Gefängnisinsassen, mehr Überwachung, mehr Leute, die aus ihren Häusern geworfen werden, weil sie die Hypotheken nicht mehr zahlen können. Üblicherweise sieht man diese Entwicklungen als separate Trends an. Aber als ich merkte, dass in den letzten 30 Jahren all diese Dinge massiv zugenommen haben, habe ich mich gefragt: Was sehe ich denn hier eigentlich? Und dann erkannte ich: Was hier stattfindet, sind Vertreibungen.
Maik Novotny, Exilierte auf der globalen Straße: Interview mit Saskia Sassen
Sassen: Eine Straße ist per se kein Ort für rituelle Routine, sondern ein Raum, in dem neue soziale und politische Formen entstehen können. Städte sind Orte, an denen die Machtlosen Geschichte machen können. Dadurch, dass sie füreinander sichtbar werden, können sie diese Machtlosigkeit ändern.
der arm der winkekatze hat heute, gegen abend unvermittelt aufgehört zu winken. hat pause gemacht, einfach so, die batterie war es nämlich nicht. ein stubser hat gereit, um sie wieder in ganz zu setzen. dazwischen aber war zeit, in der diele zu stehen und die möglichkeiten zu überdenken. etwas hat zu einem ende gefunden, das verdient eine gute pause. ohne zweifel. anschließend geht es dann weiter, nahtlos, wie ich hoffe. sonst wird der absturz zu gewaltig.