am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

um mich vor den schmerzen wegzuducken, lege ich mich – mitten am tag – in eine heiße wanne, was für ein luxus. anschließend schlafe ich, zwanzig minuten vielleicht, mehr nicht. dann liege ich lange im bett auf dem rücken und starre an die decke, die von licht und schatten gezeichnet ist, das von straßenlaternen und den gegenüber bereits erleuchteten fenster herrührt. eigenartige muster, die ich noch nie zuvor gesehen habe, obwohl ich schon acht jahre hier wohne. vermutlich trage ich selten kontaktlinsen, wenn ich dort liege und vor mich hinstarre. vorbeifahrende autos zeichnen regelmäßig zusätzliche muster durch meinen raum, schwingendes licht.

nie werde ich sein können, wie diese welt es verlangt, solange muster, licht und schwung mich trösten. und nicht aber flausch, pudding oder tränen.

novembermüde, vielleicht auch der verkrochene schmerz. irgendwo muß er ja hin, bleibt er ja doch. daß mein körper sich hinlehnen will, anlehen, immer im winter. auch an nichts, wenn sonst nichts da ist. halten ist besser immerhin als aushalten. obwohl mir eines wie das andere ist. oder scheint.

zum thema dreißig

meinen dreißigsten geburtstag feierte ich an einem sonntag. und zwar in wuppertal, einen tag nach diesem mordanschlag in solingen, der naheliegenden nachbarstadt im bergischen trio. die feier war für meine verhältnisse ungewöhnlich groß, wegen der dreißig vermutlich, der neuen null in meinem leben. die küche war voll, mit menschen und mit blumen, so viele wie noch nie in meinem leben. die ganze zeit habe ich darüber nachgedacht, alles dorthin zu bringen, meine blumen und meine gäste, als zeichen oder was auch immer. (zum glück habe ich das aber doch nicht getan. es wäre ohne zweifel lächerlich gewesen, theatralisch und womöglich auch dumm.) aber es war so seltsam, an diesem tag den dreißigsten zu feiern. internet gab es damals noch nicht, zumindest bei mir nicht. radio und tv waren voll davon, doch ich wußte damals nicht, wer von meinen gästen überhaupt schon davon wußte. sicher waren es einige, aber wir haben nicht darüber gesprochen. warum auch immer. wir haben gefeiert, weil es mein dreißigster war. so war das, damals. es ist der einzige geburtstag, den ich auf anhieb noch glasklar in erinnerung habe.

achtundvierzig tage später, früh am samstag in der nacht, irgendwann zwischen eins und drei, saß ich in einem kleinen düsseldorfer krankenhauszimmer, ganz am ende des gangs, und wohnte dem seit monaten erwarteten sterben meines vaters bei. ich sah ihn lächeln, ein letztes mal und wie nie zuvor. schon nicht mehr in dieser welt, dieser zeit, dieser qual. die fassungslosigkeit über dieses lächeln blieb. bis tief in die nacht, die rückfahrt nach wuppertal über, auf der yamaha damals noch, und durch die weite der nächte. bis heute.

soviel zum thema dreißig. und zu diesen dreißigjährigen jungs heute mit ihren platten ideen über die welt. get real!

was für ein scheißtag. donnernde wut in mir, überall, und alles geht daneben. kostet nerven, zeit und geld. immerhin froh, daß ich dennoch irgendwie gleich zwei dieser scheißpflichttexte im kasten habe. wie auch immer. zwei von drei, so kann ich (über)leben diese woche. wenn da nur nicht der zahnarzttermin wäre. morgen.

bloggertreffen?

re:publica-ticket für 150 euro geordert, weil nach nicht einmal zwei stunden sämtliche bloggertickets und selbst die earlybirds schon von den festanstellungsbürorechnerbesitzern abgegriffen waren. auch noch zahlbar innerhalb von sieben tagen, das teure ding. (was natürlich eigentlich überhaupt nicht teuer ist, ich weiß! nur für mich eben, derzeit zumindest.) keine ahnung übrigens, ob das ticket bei nichtpünktlichbezahlkönnung lautlos verfällt. jetzt heißt es also, irgendwie geld flüssig machen, das sich diesem aggregatzustand seit monaten strickt verweigert. bis nächsten montag. tja, wird schon.

und wehe, irgendwer meckert, wenn ich im nächsten monat dann nochmal fünf kilo oder so verliere. alles hat seinen preis.

gegen abend sehe ich in den spiegel und sehe, daß zum ersten mal seit tagen das schmerzgrau mein gesicht wieder verlassen hat. es geht also, doch noch. ich bin erleichtert. und müde. bin mir wieder zueigen, nicht mehr getragen und getrieben. bis auf weiteres.

mein handwerk

das material schneiden und stutzen, verstümmeln und mich darin vergessen. dem text die knochen brechen, bis so etwas wie wahrheit hervortritt.

greifer

nachts kreist ein hubschrauber über meinem berlin, hämmert in wellen von oben herab. dann springt mir das migränetier mitten ins gesicht, endlich hat es sich entschlossen. nach tagelanger belagerung. frontal bespringt es mich, wie nur selten. mit einer wucht, die vielleicht alle paar monate vorkommt. meistens eher nicht mehr, zum glück. gerade als ich schlafen will, packt es mich. als ich vergessen will, mich verlieren für eine weile. gerade dann, als wüßte, wollte es genau das.

schreien will ich, toben und kämpfen. aber innen und außen sind ein problem, das findet nicht zusammen. etwas hält mich zurück, immer. und da ist nichts, kein gegner, nirgends. da bin nur ich. und die nacht.

wegen der sicherlich schlafenden nachbarn um mich herum bleibe ich still. ich knurre nur, halte den atem an, schlage ins leere. oder mich selbst, wen sonst. ich huste wie ein hund. weinen ist nicht. nie. dann krieche ich rüber ins bad und schlucke meine pillen.

später, im medikamentierten halbwahn, träume ich von einem großen greifer aus metall, wie es ihn auf müllkippen gibt. diese dinger, die riesige brocken aus dem verotteten zivilisationsgesabber reißen und fetzen und den öfen zu fraß vorwerfen. so etwas greift nach mir, tief in den rücken hinein, mitten durch meine mitte. alles in mir ist schrott.

der schmerz im körper ist niemals nur ein schmerz. er ist immer auch erinnerung. er ist verzweiflung in fleisch und blut übergegangen, ein generationentransfer. dieser schmerz ist ein abbild der angst.

novemberschmerz

ich weiß nicht mehr, wohin mit dem schmerz. seit freitag (oder mittwoch?) schon sitzt er mir so tief im körper, so weit innen, daß ich nicht einmal atmen möchte. ich versuche musik, laufe zur apotheke und durch den supermarkt. dieser lärm überall. ich sollte arbeiten, muß arbeiten. es hilft alles nichts.

der schmerz macht müde im kopf und leer. läßt keinen raum für ruhe. besonders im november. ausgerechnet.

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