am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

festtagspläne

der dezember hat ja im grunde nur so zirka 20 tage, wenn es um die erledigung der monatlichen arbeit geht. zumindest im freiberuflichen bereich schiebt sich der berg einfach nur zusammen, türmt sich so weit wie möglich auf. bis zum fest, das dann auch noch ein frohes sein soll. ganz so schlimm ist es bei mir zum glück nicht, erschwerend hinzu kommt bei mir nur meine siebenschläferbärenzeit, denkbar ungünstig angesiedel mitte november bis anfang januar. danach geht es dann wieder. meistens.

für morgen liegt noch ein wenig arbeit da, sonntag sind die steuern dran, und montag ist natürlich heilige bügelzeit. anschließend sollte ich dann irgendwie in den text zurückfinden. das wärs. zu lesen hab ich aber auch recht viel.

paper love

was ich zwischen den jahren unbedingt kultivieren muß, ist das lesen von büchern tagsüber, irgendwo gemütlich herumliegend. auf dem bett oder dem sofa oder so. etwas, das ich seit jahrzehnten nicht gemacht habe. möglicherweise, weil ich lange gar kein sofa hatte. aber früher, als jugendliche, gab es da meine bettcouch, auf der ich stunden so verbracht habe. wie aus der welt verschwunden.

da sich die balkonleseflucht, wie ich die lesezeit in diesem sommer gehandhabt habe, derzeit wetterbedingt verbietet, bleibt wohl nur die sofalösung, um dem permanenten internetlesen zu entfliehen. oder dem etwas hinzuzufügen? nein, es gibt wohl ein lesen, das darüber hinausgeht. ich erinnere mich. und ich gestehe: ich liebe papier.

kalt hier drinnen, in mir. so denke ich die ganze zeit, seit es auch draußen kalt ist. manchmal wird aber auch alles ganz weich. so weich, daß ich nicht mehr weiß, wer ich bin. (als wäre das von bedeutung.) dann suche ich die bilder, zwischen tag und nacht, traum und wahn. wie früher als kind. als ich noch sehen konnte, wissen und rufen. das, was ist.

neumond heute. ein paar tage noch, und die nächte werden rauh. die zeiten verschieben sich, auch meine. auch in mir. alles klar.

diese tage, an denen ich von berufs wegen eine derartige scheiße runterreißen muß. märchenstundenpoesie vom feinsten, aber immerhin: die miete und so. muß halt sein. würgend und speiend, egal.

trotz

darf eine müde sein, so wie ich müde bin? muß eine tragen, was ich zu tragen habe? habe ich weiter zu funktionieren, was immer es kostet? oder darf ich träumen, gegen das alles. anders sein?

wie der whisky augenblicklich den nacken durchdringt. und die seele weich macht, die dort verkrochen hockt. einatmen wäre genug. aber schmecken und schlucken und spüren. was für ein wunder.

um mich vor den schmerzen wegzuducken, lege ich mich – mitten am tag – in eine heiße wanne, was für ein luxus. anschließend schlafe ich, zwanzig minuten vielleicht, mehr nicht. dann liege ich lange im bett auf dem rücken und starre an die decke, die von licht und schatten gezeichnet ist, das von straßenlaternen und den gegenüber bereits erleuchteten fenster herrührt. eigenartige muster, die ich noch nie zuvor gesehen habe, obwohl ich schon acht jahre hier wohne. vermutlich trage ich selten kontaktlinsen, wenn ich dort liege und vor mich hinstarre. vorbeifahrende autos zeichnen regelmäßig zusätzliche muster durch meinen raum, schwingendes licht.

nie werde ich sein können, wie diese welt es verlangt, solange muster, licht und schwung mich trösten. und nicht aber flausch, pudding oder tränen.

novembermüde, vielleicht auch der verkrochene schmerz. irgendwo muß er ja hin, bleibt er ja doch. daß mein körper sich hinlehnen will, anlehen, immer im winter. auch an nichts, wenn sonst nichts da ist. halten ist besser immerhin als aushalten. obwohl mir eines wie das andere ist. oder scheint.

zum thema dreißig

meinen dreißigsten geburtstag feierte ich an einem sonntag. und zwar in wuppertal, einen tag nach diesem mordanschlag in solingen, der naheliegenden nachbarstadt im bergischen trio. die feier war für meine verhältnisse ungewöhnlich groß, wegen der dreißig vermutlich, der neuen null in meinem leben. die küche war voll, mit menschen und mit blumen, so viele wie noch nie in meinem leben. die ganze zeit habe ich darüber nachgedacht, alles dorthin zu bringen, meine blumen und meine gäste, als zeichen oder was auch immer. (zum glück habe ich das aber doch nicht getan. es wäre ohne zweifel lächerlich gewesen, theatralisch und womöglich auch dumm.) aber es war so seltsam, an diesem tag den dreißigsten zu feiern. internet gab es damals noch nicht, zumindest bei mir nicht. radio und tv waren voll davon, doch ich wußte damals nicht, wer von meinen gästen überhaupt schon davon wußte. sicher waren es einige, aber wir haben nicht darüber gesprochen. warum auch immer. wir haben gefeiert, weil es mein dreißigster war. so war das, damals. es ist der einzige geburtstag, den ich auf anhieb noch glasklar in erinnerung habe.

achtundvierzig tage später, früh am samstag in der nacht, irgendwann zwischen eins und drei, saß ich in einem kleinen düsseldorfer krankenhauszimmer, ganz am ende des gangs, und wohnte dem seit monaten erwarteten sterben meines vaters bei. ich sah ihn lächeln, ein letztes mal und wie nie zuvor. schon nicht mehr in dieser welt, dieser zeit, dieser qual. die fassungslosigkeit über dieses lächeln blieb. bis tief in die nacht, die rückfahrt nach wuppertal über, auf der yamaha damals noch, und durch die weite der nächte. bis heute.

soviel zum thema dreißig. und zu diesen dreißigjährigen jungs heute mit ihren platten ideen über die welt. get real!

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