am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

beinah schmerzfrei heute morgen. glasklar und zerbrechlich der kopf.

schmerzen und illusionen

gegen abend verschwindet der schmerz. für diesmal ist es genug, es ist endlich gut. ich weiß das, seit über 30 jahren. ich erkenne den moment, jedesmal. ich bin dankbar. ich bin müde.

kurz danach zerbricht die letzte illusion, eine hirngespinstige kleine freude, über ein jahr lang gehegt und gepflegt. auch das kenne ich genau, nur wahrhaben will ich es nicht. jetzt nicht, und überhaupt niemals. doch ich bin nicht für menschen gemacht, ich erreiche sie einfach nicht. und ich gebe das jetzt auf.

es ist zeit.

das leibliche wohl

ich sollte dankbar sein, ich weiß, in klagenfurt, der letzten migränephase, fast komplett verschont worden zu sein. ein einziger abend, der verzeihlichste noch dazu, der eröffnungsabend. alles andere war glück.

derzeit zahle ich den preis, so scheint es mir. am donnerstag, der ersten attacke, mußte ich auch noch feststellen, daß ich die hälfte der migränemedikation im hotelzimmer vergessen haben muß. ausgerechnet die verschreibungspflichtige hälfte. rasante panik auf dem weg zum arzt, weil ich nicht einmal den namen von dem zeug weiß. war letztendlich überflüssig, aber das ändert ja nichts. an der angst.

so geht es einen auf den anderen tag. samstag. montag. außerdem hat es wohl einen nerv im rechten nacken verdreht, verklemmt, vermurxt, das reicht bis mittig in mich hinein. ich beiße, den ganzen tag. ich kann das nicht lassen.

morgen ist wieder ein tag.

lesen lernen

muß ich nicht mehr, nein. gelesen habe ich immer. daß es dennoch vor etwas mehr als vierzehn tagen unvermittelt zu dieser notwendigen erkenntnis kam, war dennoch eine art bankrotterklärung. so war das nicht gedacht, hier in berlin. und so war das auch nicht gedacht mit dem internet. daß sich alles irgendwann nur noch auf das durchrauschen konzentriert, auf das nichtssagen und nichtsverstehen. das wirre tieffliegen über texte aller art.

back to the books. nach drei büchern in den letzten tagen, geht es wieder. hundert seiten in drei stunden, ohne das gefühl, überblättert und gepatzt zu haben. statt dessen eingetaucht, mich – gleichzeitig – verloren und auch wiedergefunden. und anschließend ein wenig betäubt vielleicht, von der ungewohnten dosis, in den alltag geblickt. wie damals, als das alles anfing mit dem lesen und lieben von büchern.

neuköllner proleten

lesung in der buchkönigin, das hatte ich ja im HSB angekündigt. sehr interessanter überblick eines historikers, der mich in nicht wenigen punkten ans ruhrgebiet erinnert hat. also meine eigentliche heimat, so muß ich wohl sagen. proletengegenden, das ist gut. da gehöre ich hin.

die anschließende diskussion wurde dann leider von einem lokalhistorischen besserwissser – jetzt rede ich! – übernommen, sodaß ich frühzeitig flüchten musste und das buch selbst gar nicht mehr ansehen konnte. schade.

dieses sein. da war so ein sein hinter allem. heute.

beim schopf

von der buchkönigin aus gehe ich mehr oder weniger spontan rüber zum friseur. es ist zeit, da ist die gelegenheit, und irgendwann muß es ja doch sein. die ältere frau, die sich  um mein anliegen kümmert – oder ist sie gar in meinem alter? eine rotgefärbte grauhaarige? bin ich nur wieder einmal die ewig jung gebliebene? das gör, das sich nicht um jahre kümmert?

wie auch immer. die ältere frau in dem kleinen laden will mir zuerst die brille aus der hand nehmen, die ich zum haarwaschen abgenommen habe. was mir schon nicht behagt. niemand nimmt mir die sicht, nie wieder. meine brille bleibt bei mir. nach einer recht rabiaten haarwäsche wirft die frau mir ein handtuch auf den kopf, dreht es hinten  zusammen und führt mich an diesem knoten im nacken zum schneideplatz. auch das ist unbehaglich, vor allem aber eine geste, auf die ich lieber verzichtet hätte. außerdem hatte ich die brille längst wieder auf. und selbst wenn, ich kann auch halbblind laufen. ich habe fühlende füße, hände und haut. ich kann hören, wo die dinge sind.

aber auf mittelalte friseurinnen trete ich natürlich immer wieder gerne mal. da muß man schon aufpassen, das stimmt. und ich bin eine friseurschweigerin, sagte ich das schon? die frau redet über das wetter, während sie schneidet, über sonne und regen im wechsel. oh wunder. gut, daß ich das nicht sehen muß.

zum abschluß bläst sie mir noch mit dem fön haarreste in ärmel und ausschnitt und heiße luft in  das migräneauge. das kann sie nicht wissen, kommentiert mein zucken aber mit einem fröhlichen berlinton: etwa zu heiß?

ich fürchte, ich brauche schon wieder einen neuen friseur.

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