am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

im soll

ich  sollte tage, die aufgrund ihrer grundstruktur ohnehin schon nicht gut laufen können, nicht mit den falschen worten beginnen. und diese dann auch noch aufzuschreiben, vor dem aufwachen in form eines gebots zu papier bringen, als wäre dieses geschwätz ein gesetz, das für jetzt und für immer für mich zu gelten hat. als würde es es nicht ohnhein immer schon so gewesen sein:

du sollst nicht hoffen auf gemeinschaft und liebe, oder auch nur träumen davon, denn diese welt ist voller flutgräben und finsternis, daß du darin wandern kannst, endlos und unter schmerzen.

dabei weiß ich überhaupt nicht, was flutgräben eigentlich sind. aber einer ist ganz in der nähe, immerhin.

babylon

gestern abend kurz vor elf vom südstern aus die weserstraße nach hause geradelt. da war es voll wie nie, überall. zwar wegen den 48 stunden, aber dennoch. bemerkenswert. menschen und musik, zum teil auch in den nebenstraßen. fahrräder überall, an jedem baum an jedem straßenschild angebunden. bierflaschen und bordsteinsitzgelegenheiten. licht in den fenstern und alle paar meter eine neue sprache.

das gewirr endet, genau eine straßenecke vor meiner straßenecke. noch bin ich jenseits der gentrifizierung, so gerade eben.

ein wenig blöd komme ich mir vor, weil ich durchfahre, nach hause will. aber ich bin müde, lausche nur hier und da, im vorbeifahren. ob ich zu den alteingesessenen neuköllnern gehöre? weil ich schon seit fast sieben jahren hier bin? oder wegen meines alters vielleicht. keine ahnung, aber jung und kreativ bin ich ganz sicher nicht. noch ist wohl offen, wo ich hingehören werden. im zweifel hocke ich sowieso immer zwischen allen stühlen.

später, nachts gegen zwei, setzt etwas entfernt, aber dennoch gut hörbar, das gegröle ein. besoffenes männergebrüll, in berliner sommernächten nicht unüblich. und hier in neukölln besonders verbreitet. aber das gab es hier immer schon, soweit ich weiß.

hundeleben

manche menschen besitzen ihre hunde offensichtlich nur, damit sie regelmäßig jemanden so richtig von herzen beleidigen und anbrüllen können, sich dafür aber nicht schämen müssen. denn hunde wehren sich lange überhaupt nicht. sie sitzen nur da, ganz ruhig und verliebt. und sie warten, worauf auch immer.

womöglich muß man es den hunden hoch anrechnen, daß sie das auf sich nehmen. das geschrei und die dahinter nur notdürftig verborgene (selbst)verachtung. ich weiß das nicht so genau, ich bin nicht so recht für hunde gemacht. doch ich weiß, wie es ist, regelmäßig angebrüllt zu werden. und verachtet. und benutzt. und auch ich höre nicht auf, niemals.

zu lieben und zu warten.

tomatenspatz

heute gegen mittag hat ein spatz in den tomaten platz genommen, der war von dem gerade niedergehenden gewitter spatznaß. meine prachtstücke haben sein gewicht sicher zwanzig minuten lang sicher getragen. dann ging plötzlich ein gezeter und geflatter los da draußen. gleich drei artgenossen wollten ihm seinen sitz streitig machen. oder was auch immer, und kurz darauf waren auf einmal alle verschwunden. irgendwo im baum gegenüber. ende der geschichte.

weserstraßenblues, neukölln

nachts scheppern fahrräder und poltern skateboards die neuköllner weserstraße entlang, an der ich wohne.  außerdem schwirren seit jeher ziemlich viele stimmen an meinem schlafzimmerfenster vorüber. die sprachvielfalt hat sich in den letzten erheblich erweitert, viel spanisch dabei, immer mehr amerikanisches englisch. (was ich, britisch geprägt, nicht sonderlich zu schätzen weiß, wie man womöglich weiß.) vorgestern waren es zweidrei jungs, die hundebellen und katzenmaunzen ausprobierten, bevor sie in paar meter weiter in heftigen streit und schreierei verfielen. manchmal singen oder pfeifen die vorübergehenden auch. und sie lachen. sie lachen viel.

gestern nacht, kurz vor dem einschlafen näherten sich zwei frauenstimmen, zweistimmig singend. dann lachten sie, tief und entspannt. das war kurz bevor sie bei mir vorbeigingen. sommernächte verfügen über einen großen resonanzraum. lachen ist eine lust. direkt unter meinem fenster sangen die beiden dann wieder, immer noch lachend. das war der moment, in dem mir das herz brach.

tomaten anbauen in der stadt (8)

nee, stimmt gar nicht. sieht man doch. nachdem die tomaten sich in diesem jahr irgendwie von selbst wie wahnsinn entwickeln, hab ich nebenan ein kleines paprikaprojekt gestartet. so richtig glaube ich ja nicht daran. aber wer weiß, vielleicht muß ich bald noch so ein klettergestell bauen. von mir aus, überhaupt kein problem.

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