am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

gibt es vorsätze für das kommende jahr? ich steh ja nicht so auf vorsätze und pläne, das geht sowieso immer alles daneben. dazu ist es doch genmacht. aber wenn ich mir das genau überlege, einmal nur, nur in diesem jahr. dann ja.

schreiben, regelmäßig!

heute einen kleinen, etwa halben arbeitstag eingelegt. morgen noch einmal eine halbe stunde, letzte durchsicht. dann ist das erledigt. dazu die rechnung, nicht vergessen.

außerdem zwei löcher gebohrt. in eine fette außenwand, also mit dem schlagbohrer. hat etwa fünf minuten gedauert, inklusive abmessen. anschließend saugen. war sowieso mal wieder fällig.

dann hab ich noch den dreißig jahre alten verstärker, der seit geraumer zeit bei jeder tastenbewegung oder auch nur berührung in beide boxen knisterte und knackte, aufgeschraubt und ein paarmal kräftig in den alten staub gepustet. daraufhin waren die störgeräusche so gut wie verschwunden.

so einfach ist das leben. manchmal.

rituale

lange zeit habe ich in berufen verbracht, in denen weihnachten recht früh begann. besonders schlimm war es als dekorateurin. anfang september, so zumindest habe ich es in erinnerung, trafen die ersten kartons aus dem außenlager an, in denen ich verschrumpelte und verstaubte weihnachtsdeko befand. und an uns war es dann, wochenlang, das zeug zu prüfen, auszusortieren und in form zu biegen. damit anschließend eventuelle nachbestellungen getätigt werden konnten, zur auffstockung des bestands. ab november wurde dann „gehängt“, bis in den letzten winkel des ladens, im dezember kamen schließlich die dekorationen hinzu. am 24. dann, die arbeitszeit ging bis gegen 14 uhr, soweit ich mich eriinnere, wurde alles wieder heruntergerissen und in die kisten fürs außenlager gestopft. ohne rücksicht auf verluste.

später habe ich dann in einer werbeagentur geschafft. aber nicht in einem von diesen hippen läden, in denen geile sprüche für deutschland geprägt werden. unser alltag war eher der lokale einzelhandel, also ein kostenloses anzeigenblatt. was zur folge hatte, daß ich novemner/dezember wochenlang weihnachtsgrüße tippte. und sterne und zweige mit kleinen kerzen darauf ausschnitt, um den satz dazu zu animieren, diese einigermaßen korrekt in die anzeige zu bauen.

seit ein paar jahren ist das auf einmal vorbei, keine berufliche weihnachtssaison mehr in meinem leben. statt dessen habe ich das weihnachtsbügeln entdeckt, häufigeren besuchern dieses blogs dürfte das inzwischen ein begriff sein. ein bißchen ritual muß eben doch sein. die bügeleisenbrandspur auf meiner lieblingssitzgelegenheit stammt aber nicht von mir. nein, diesen stuhl habe ich tatsächlich schon vor langer zeit so im sperrmüll gefunden. doch erst nach jahren, nachdem ich mich entschloß, ihn von sämtlichen farbschichten zu befreien, trat diese ganz persönliche markierung zutage. und wurde seither nicht mehr verborgen. ja, ich stehe zu meinen absurden ritualen.

gefühlsnorm

da hat mich die kaltmamsell ein wenig erschreckt heute.  nie im leben würde ich öffentlich bekennen, nicht gerne zu leben, statt dessen aber mit einer wie auch immer gearteten nichtexistenz zu liebäugeln. schon gar nicht hier, in meinem blog. obwohl es natürlich genau so ist, an etwas anderes erinnere ich mich zumindest nicht. und ehrlich gesagt gab es früher auch nicht besonders viel veranlassung, das leben zu lieben. allein das hier hinzuschreiben, diese harmlosen worte, leben und liebe, das erscheint mir sogar im nachhinein seltsam absurd.

mein körper dagegen scheint mein glück zu sein. womit auch immer ich belastet wurde, und das war wahrlich nicht wenig, er trägt es. immer. unter wie vielen bleiplatten, eine sorgsam auf die andere geschichtet, ich auch begraben zu sein schien. er hörte nicht auf zu atmen, zu hören, zu sehen, zu sein. das tut er einfach nicht, und ich weiß nicht, warum.

ich bin keine kämpferin, ich bin einfach nur stark.

unfallscheu ist mein körper auch, zum glück. nennenswertes ist ihm in dieser hinsicht noch nie passiert. natürlich ist er ein wenig abgenutzt inzwischen, seine gelenke waren noch nie besonders stabil. von den zähnen ganz zu schweigen. schmerzen gehören zum alltag, aber die migräne habe ich im grunde nie als etwas körperliches empfunden. ganz im gegenteil. sonst ist alles noch ganz, denke ich.

sogar das wortpaar bindegewebe und schwach ist ihm gänzlich unbekannt, das war schon immer so und wird ohne zweifel auch (fast) so bleiben. in den letzten zwanzig jahren habe ich höchstens zehn kilo zugelegt, damit liegt mein blöder bmi, wie ich gerade blöderweise überprüft habe, im optimalen bereich. im unteren bereich für mein alter. und wenn ich die mir optisch ungefähr zustehenden zehn jahre abziehe, dann sprenge ich die grenze immer noch nicht. obwohl ich liebend gern wieder einmal eine 5 vorne sehen würde, wenn ich auf die waage steige.

was irgendwie lächerlich ist. der gedanke allein. ich drifte ab.

mein körper ist weder schön, noch auffällig. (wenn ich allerdings alte fotos sehe, zwanzig, fünfundzwanzig jahre zurückliegend vielleicht. dann erschrecke ich vor der zarten kraft, die ich da sehe. und von der ich damals nichts wußte, nicht das geringste.) daher ist es völlig egal, was ich ihm anziehe oder welche frisur ich trage. oder ob ich eine frisur trage. in diesem jahr hatte ich keine, das ganze jahr nicht. das wiederum ist natürlich irgendwie auffällig, das gebe ich zu. wenn ich dann noch etwas sage, ich weiß auch nicht. ist die stimme ein teil des körpers? oder ein teil von mir?

dennoch bin auch ich mir meistens fremd, wie die kaltmamsell es schreibt. vermutlich geht es einem großteil der menschen so, denen zumindest, auf die es ankommt. nur selten steht meine stimme mitten in meinem körper und mein humor oben auf der traurigkeit, dem druck, weil er nur davon lebt. der rest ist show.

doch ich weiß, ich wäre nichts ohne das. und es ist ein spiel, wenn die katze ihren schwanz jagt, im frühling, im licht. das ist alles.

rauh

letzter arbeitstermin heute und damit für dieses jahr wurde gerade abgesagt. dafür geht es dann eine woche früher langsam wieder los. von mir aus okay. zwei wochen ruhe, rauhnächtekompatibel.

außerdem hat mir jemand einen plastikbeutel voll hundescheiße ans zugeschneite motorrad gehängt. (jedenfalls denke ich, daß es hundescheiße war. ich hab dann lieber doch nicht näher reingesehen.)

i am love

als ich klein war war ich musik. nicht sänger und auch nicht pianistin, kein reales instrument. nur musik. heute kehre ich dahin zurück. manchmal, immer öfter eigentlich. schweigend, nur dort und nirgends sonst. dazwischen liegen über vierzig jahre. krieg. der hat nichts verändert im grunde. und doch alles. ich bin musik.

schleichende migräne, hockt ungebeten irgendwo im hintergrund. regt sich nicht, sagt kein wort. unangenehm, wie ein schweigend schmunzelner gast. der wartet, vielleicht. 36 stunden lang. ein lächelnder tyrann. alles ist möglich. morgen ist ein neuer tag. dann bin ich vielleicht wieder tot.

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