am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

es ist winter, kurz vor weihnachten, ich bin in kurzen hosen unterwegs. igendwo in der schweiz, wir wollen zum see, das boot testen. das soll gemietet werden, am nächsten tag, für eine rundfahrt. ich verstehe das nicht, kenne auch nicht den weg. ich bin aber dabei, das scheint mir eindeutig, und ich freue mich. ich bin die letzte. das boot treibt ab, ehe ich den schritt darauf machen kann. dann ist es weg, ohne rücksicht, ohne mich. den weg weiß ich immer noch nicht, steige einfach in irgendeinen zug. der noch nicht abgefahren ist.

richtung: egal.

frage mich, ob ich dieses mißglückte zahnarztdings irgendwann mal wieder aus dem kopf kriege. nach tagen noch, und das ist lächerlich, erwische ich mich irritiert und verzeifelt argumentierend. an schreiben ist nicht zu denken, die räume sind dicht. selbst der anstehende artikel will nicht, wie er soll. schnell mal flutschen.

was sagt das über mich? verdammt.

1,2,3 usw.

es ist falsch, grundfalsch, arzttermine auf diesen tagen liegen zu haben, die ohnehin mehr als durchlässig sind, ungeschützt und absturzbereit, vor den aufwachen schon. tage, die mit dem aufstehen bereits zusammenschrecken und in folge ebenso zuverlässig wie nachhaltig leicht vor sich hin zittern. es ist grundfalsch, sich an solchen tagen in die hände von ärzten, insbesondere von zahnärzten zu begeben. und ganz besonders sollte man die art arzt meiden, die erst nach zustimmung fragt und es dann nicht mitbekommt, wenn diese nicht erteilt wird.

naja, immerhin hat meiner, den ich heute zum ersten (und wohl letzten) mal sah, mich mit einem blick auf die uhr, einer wegwerfenden geste gleich, quasi aus der praxis geschmissen, ohne daß ich auch nur in die nähe einer behandlung gekommen wäre. dabei habe ich sogar – mehrfach – danach gefragt, fast wäre ich zum betteln übergegangen. ich hätte gern ein paar reparaturarbeiten erledigt gehabt, konnte aber nicht einmal in die nähe der gewünschten information darüber kommen.

sehr seltsame erfahrung. hatte ich so auch noch nicht.

manche tage sind für solche dinge nicht geeignet, für fremde menschen, mit fremder denke, die man an höchstpersönlichen dingen rühren lassen muß. ich wußte es vorher, definitiv. das ist nicht der tag, heute. überhaupt gar nicht. aber wie soll man das regeln, wenn man die termine wochen, manchmal monate im voraus zu planen hat?

ich bin keine maschine, ich weigere mich, auf die art zu funktionieren. ich sperre weder meine angst, noch meine sensibilität einfach irgendwohin weg. nein. nicht mehr.

und was die reparaturen angeht? was solls, verschoben auf nächstes jahr.

going (27)

das mit dem namen habe ich gelassen. der, der da steht, ist der richtige für diese person. ein wahnsinn, das jetzt ändern zu wollen. später vielleicht, einstweilen geht es so weiter.

gestern eine halbe seite, heute weiter bis zur fünften, es geht also voran im achten kapitel. das ist gut, kommt mir aber mickrig vor. andererseits überwältigend, de facto verwirrend. sehr. zum wiedereinstieg in den text habe ich tief gerührt in dem instrument, das ich bin. zu wild vielleicht, zu tief in den urgrund gestoßen. ich bin überrascht, plötzlich, wie trunken.

mich also wiedergefunden, aus dem text gerissen, im letzten moment, umgeben von einem zustand, der jahrzehnte zurückliegt. kein unbekanntes sein, ende zwanzig, anfang dreißig, irgendwo zwischen wuppertal und england. so war das, damals, so fühlte es sich an. aber was?

das ist eine neue art der erinnerung, die nicht aus mir zu wachsen scheint, sondern mich umgibt, für eine weile nur, eine gewisse zeit. dann verfliegt er wieder, ich weiß es noch während ich mich daran berausche. wie ein duft oder ein hauch, der dennoch tief eindringt. ohne spuren zu hinterlassen.

jetzt ist es wieder weg. (und läßt sich kaum mit worten fassen, daß es das noch gibt.)

ich bin nicht die, über die ich schreibe, in deren namen ich spreche. ich bin etwas anderes, zum teil etwas sehr anders. ich habe keine kinder, diese verantwortlichkeit ist mir fremd. meine sehnsucht nach familiärem zusammenhalt oder auch nur nach erklärungen diesbezüglich ist gering, im grunde nicht mehr existent. ich suche nicht nach verbindlichkeiten, die sich über jahre erstrecken, vertiefen. oder irre ich da?

nein, ich bin anders, weil ich es will. meistens jedenfalls, das ist mein recht, mein verdienst. doch wir teilen eine traurigkeit, soviel habe ich verstanden. wir teilen diese verlassenheit. das verbindet uns.

jetzt: lassen. es lassen.

grace

kein mensch liegt ohne schicksal in der sonne. denke ich heute, wo mein eigenes mir auf einmal so nachhaltig leicht erscheint. nach all den jahren, so wunderbar passend und gnädig fast.

going (26)

pause gemacht, viel zu lange. doch da war arbeit plötzlich, schöne und gute arbeit, sauber bezahlt. das muß dann eben sein. dazwischen wachsen die zweifel, an mir und am text vor allem. dieser text, so grob noch, so roh, der mir dennoch mehr und mehr entgleiten mag. ich greife nach den letzten fetzen, nach der figur zum beispiel, deren namen ich leider unbedingt ändern muß. nicht weil ich das so gerne will, im gegenteil, der jetzige name ist mehr als gelungen. aber weil ich jemanden kenne, der so heißt. eigentlich kein problem, so dachte ich die ganze zeit. und konnte nicht aufhören, das zu denken. es ist also doch ein problem, es beißt mich einfach, das ist blöd.

ich suche also einen kurzen, möglichst nur zweisilbigen namen, der nicht auf a endet und nicht besonders modern ist. ich finde zwei, einen der formal paßt, sich gut spricht und auch eine bedeutung hat, wenn man nachschlägt. einen anderen, der mir paßt, der sich auf verschiedene weise kürzen läßt, facettenreich also, der aber in der grundform nicht klingt. was nun? über nacht sollte ich das klären, wenn ich morgen weiterschreiben will.

das achte kapitel, da spielt dieser name eine rolle. es geht um den mond, vielleicht. und die liebe.

reparieren

fahrradflicken, der klassiker. das, was ich als kind zuerst allein zu erledigen gelernt habe. so dachte ich eben, bin aber nicht sicher, ob das stimmen kann. vermutlich habe ich schon vorher sachen zusammengeklebt oder festgenäht, irgendwie. trotzdem. ich erinnere das erlernen eines komplexen vorgangs, verbunden mit diversen kraftanstrengungen. ich erinnere so manchen fehler, den ich damals einmal oder mehrfach gemacht habe, aber jetzt nicht mehr. jetzt kann ich es.

ich kann nicht nur das loch finden und flicken, ich kann auch den fehler im system aufspüren und damit die ursache beseitigen. grünes glas diesmal, ein feiner splitter, steckte tief im mantel fest. hat sich somit erledigt. ich lasse ihn heute nicht mehr drin und lasse damit zu, daß er weitere löcher sticht, eines neben dem anderen, die dann neuer pflege bedürfen. ich suche auch nicht mehr ungeschützt, mit bloßen händen danach und reiße mir so die haut auf. ich suche mit den augen, der lesebrille neuerdings, wie ich das loch meist mit den ohren finde, mit der haut auch, gar nicht unbedingt im wasser.

wasser kommt oft ganz zuletzt, nur zur sicherheit. vielleicht. wasser ist unklar, im wasser verliert sich jede strategie. wasser ist das ende der reparatur.

im wasser beginnt die heilung.

zum ersten mal tango in der strandbar mitte, leider ziemlich verregnet. ein recht kleiner, recht grober holzboden, umgeben von ein paar tischen, ein paar treppen und einem weg am wasser. viele zuschauer überall und ein paar könnerpaare auf der tanzfläche. dazwischen irgendwo ich, darunter eher, keine besondere könnerin, traue ich mich trotzdem, ein wenig zumindest. den rest der zeit schaue auch ich.

ein tänzer ist da, der seine tänzerin anschaut, wie ein stierkämpfer seinen stier. ich weiß ja nicht.

auf dem rückweg, voll verregnet, denke ich mehrfach: was, wenn ich jetzt einen platten habe? auf dieser strecke? bei diesem regen? da möchte ich nicht gern laufen und schieben. dann habe ich plötzlich einen hinterradplatten, zum glück erst kurz vor neukölln. und zum glück nur am fahrrad, da hab ich dann morgen wieder was zum reparieren. da freue ich mich doch.

und es regnet immer noch.

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