am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

novella (28)

wenn eines durch ist, kommt das nächste. so soll es sein, so will ich das. und ich zwinge es nicht, es schleicht sich von allein an mich heran, schmeißt dabei alles über den haufen, von grund auf. ich werde alles verwerfen und von vorn anfangen müssen. die konstruktion neu ziehen, die ausgangsposition, die eigentlich so etwas wie eine finale starre ist, neu verorten. das ist nicht zu ändern. eine neue, verrückte linie zeichnet sich ab.

soll sie doch. mir nur recht. danke.

ich werde das vertiefen.

ekel, größenwahn und zweifel

so ist das, so schreibt das selbst. so kenne ich es, mein schreiben. ganz genau so. bis auf das mit dem nikotin vielleicht, aber sonst.

Ich schreibe, weil nichts mich so sehr überraschen kann wie das, was beim Schreiben entsteht: Weil es nichts mit mir zu tun hat. Weil es von sich aus lebt. Weil es auch da sein könnte, wenn ich nie gewesen wäre.

Matthias Nawrat bei Volltext, Der Mückenschwarm

bezeugen

gestern in der s-bahn. beim versuch, Carolin Emckes Von den Kriegen zu lesen, bleibt mir nach exakt zehn seiten schon die luft weg. das will was heißen, denn ich bin nicht zimperlich. ich sehe hin, immer. ich sehe auch dahinter. und selten lese ich dinge, die mir genau das schon sagen. in aller schlichtheit.

Eine Vielzahl von Parasiten fraß sich ungestört durch den Rest eines Menschen.

es geht übrigens ums hören, nicht ums sehen. bleiben noch dreihundert. seiten.

der arm der winkekatze hat heute, gegen abend unvermittelt aufgehört zu winken. hat pause gemacht, einfach so, die batterie war es nämlich nicht. ein stubser hat gereit, um sie wieder in ganz zu setzen. dazwischen aber war zeit, in der diele  zu stehen und die möglichkeiten zu überdenken. etwas hat zu einem ende gefunden, das verdient eine gute pause. ohne zweifel. anschließend geht es dann weiter, nahtlos, wie ich hoffe. sonst wird der absturz zu gewaltig.

kleingeld

heute eine hose gekauft, eine nagelneue. keine aus zweiter hand. jetzt ein schlechtes gewissen, weil ich einfach so viel geld ausgegeben habe. einerseits. andererseits, weil es bestimmt eine von diesen billigjeans ist, die von kindern in bangladesh zusammengetackert wurde. wie auch immer, hätte ich nicht sollen.

angesichts dieser blöden alltagsproblematik heißt das für mich jetzt wohl: back to normal.

viel tod im kopf dieser tage. viel gewalt auch und erinnerung. schlaflose nächte. sehr, sehr müde derzeit.

eisbergsurfen

als 1980 die „elterliche gewalt“ notdürftig in eine „elterliche sorge“ umgewidmet wurde, war ich schon siebzehn. das bedeutet, daß es für mich zu spät war. oder anders gesagt: ich selbst hatte es damals ohnehin schon (fast) hinter mir. so dachte ich zumindest, soweit ich mich erinnere. heute bedeutet diese tatsache etwas anderes. es bedeutet, daß nichts, was mir damals geschehen ist, rechtlich gesehen relevant ist, im grunde auch jetzt nicht. es war richtig, recht und gerecht.

berichte zum thema, wie etwa der bei StelgitzMind vor ein paar tagen, überraschen mich mitunter. nicht, weil mir nicht bekannt ist, daß es wirklich viele menschen gibt, die sich deutlich gegen gewalt wenden und insbesondere für gewaltfreie erziehung eintreten. leider vermengt sich, meiner erfahrung nach, mit diesem durchaus ehrenhaften engagement allzu häufig ein enorme unkenntnis gegenüber der materie, eine ablehnung, die mitunter an verleugnung grenzt. und damit kann ich bis heute nur denkbar schlecht umgehen. es ist, als würden meine erfahrungen und damit beinah auch ich mit verleugnet.

ein beispiel? einer der letzten sätze in besagtem artikel lautet: Zu harten Körperstrafen wie “Hinternversohlen” greifen vier Prozent. dieser bezieht sich auf heute, auf eine forsa-umfrage für die zeitschrift „eltern“ aus dem jahr 2012. und er bewirkt spontan zweierlei in mir:

  1. es berührt mich, weil mir bislang noch nie jemand gesagt hat, daß das, was mir über jahre regelmäßig geschehen ist – in die zange genommen werden, hose runter und arsch voll – tatsächlich eine „harte Körperstrafe“ war. wenn ich es für einen augenblick persönlich nehme, dann ist es fast eine art von anerkennung. und beruhigung.
  2. im nächsten moment möchte ich dann sagen: so schlimm war das aber nicht. und zwar nicht, weil es ich es zu relativieren oder gar zu rechtfertigen versuche. (vor der kollegin, die zugab, ihr kind auf die windeln zu klappsen, anders ginge es ja nicht und es täte ja auch nicht weh, stand ich innerlich zitternd vor fassungslosigkeit und wut.) auch möchte ich nicht behaupten, daß es mir nicht geschadet hätte. obwohl ich andererseits niemals sagen würde, ich sei beschädigt. das bin ich nicht, ich bin geprägt, wie alle anderen menschen auch. gewalt aber kennt andere formen, jenseits der körperlichkeit, die weitaus schrecklicher sind. (die schläge habe ich nach ein paar jahren mit ein paar worten, einem einzigen satz ein- für allemal beendet.) seelenmacht dagegen, verachtungsgewalt wird allzuleicht relativiert. das scheint niemand wahrhaben und wissen zu wollen.

was in dem oben genannten wie in anderen artikeln und beiträgen zum thema steht, ist schön und gut, ganz ehrlich. ich weiß das zu schätzen. aber es ist die spitze des eisbergs, wenn überhaupt. gewalt wurzelt tief und läßt sich kaum begreifen, geschweige denn bereden.

ich sehe sie überall, die kinder, die von erwachsenen an einem arm durch die straßen gezerrt werden, weil sie ihnen nicht schnell genug sind. ich höre das bellen der eltern, immer wieder, wie es über das schluchzen der kinder herfällt. ich verpasse sie nicht, die leise gefauchten beleidigungen in kaufhäusern und u-bahnen. die ständigen wiederholungen, die sich festsetzen und noch nach jahren, jahrzehnten in den menschen um wahrheit würgen.

verfluchte wahrheit. will ja doch keiner wissen. später.

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