am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

hysterie

geiles wetter. das motorrad macht noch keine anstalten, etwa nicht mehr anspringen zu wollen. ich also los, zum kunden. nach dreißig meter fängt die schon seit ein paar tagen leise singende tachowelle an zu schreien, nach zwei kilometern kreischt sie. so laut, daß ich sie noch mit tempo 100 auf der bahn höre.

später, auf dem weg durch steglitz, gucken mir die leute nach, alle. nein, ich stehe nicht gern im mittelpunkt.

zum glück ist alles still, wenn das motorrad steht, selbst wenn der motor noch läuft. dann dreht sich ja auch die welle nicht. graphitspray habe ich leider keines dabei, also geht es genauso auch wieder zurück. auf der sonnenalle wird das kreischen dann hysterisch, die menschen winken mir freundlich zu. sie spenden sogar applaus, das macht man hier so. wenn jemand offensichtlich einen miesen auftritt hinlegt.

auch zu hause, kein graphit! ob ich mich morgen so zum baumarkt traue? ob es überhaupt die welle ist? und nicht vielleicht der tacho selbst? die verdammte maschine versucht echt, mich fertigzumachen dieses jahr.

net society

während im netz über kontrollverlust, post privacy und andere schöne neue denkansätze reflektiert wird, habe ich diese woche gleich mehrere kunden, die mir als antwort auf meine email unbedingt ein fax schicken wollen. sodaß ich am nachmittag schleunigst eine dieser sauteuren originalen faxfolien mit chip kaufen gehen muß, über 20 euro, weil ich die nummer meines onlinefaxes nicht mehr finde. so lange habe ich die nicht mehr gebraucht.

die netzgesellschaft ist eben kleiner als man von hier aus gemeinhin denkt. sehr viel kleiner. für die meisten menschen mit netzanschluß bedeutet internet vermutlich eine emailadresse bei aol oder hotmail, ebay und noch die startseite der telekom vielleicht. that’s it.

frisches in den gazetten der welt (96)

ausnahmsweise mal ein bißchen gar nicht so trübes mitten im trübsinn hierzulande. peter glaser, ein kulturatmender mensch, in der berliner gazette:

Inzwischen erwecken die immer vielfältigeren Zugänge zu Wissen und inspirierenden Informationen durch das Internet die Ruinen an humanistischem Bildungsgut, über die ich aus der Schulzeit und aus meiner Biografie als Leser und kulturatmender Mensch verfüge, immer wieder zu neuem Leben.

briefe im netz, veröffentlicht (95)

wenn alice schwarzer einen offenen brief schreibt, dann hab ich ja immer gleich bauchschmerzen. dabei weiß ich gar nicht so genau, warum. an sich ist frau schwarzer ja eine hervorragende disputantin, besonders bei live-events. die gute alte sollte viel häufiger in talk-shows sitzen, finde ich. aber bei ihren briefen krieg ich, wie gesagt, da weiß ich nie so recht.

diesmal ist das natürlich ganz anders. diesmal liegt alice schwarzer ziemlich richtig, wenn sie sich an frau köhlerschröder wendet. unter anderem mit diesem coolen satz:

Inzwischen schreiben wir nämlich das Jahr 2010.

nachtrag: im mädchenblog wird das allerdings etwas anders gewertet. ich sag ja, bauchschmerzen.

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