tote zählen. 20 jetzt.
love & panic
die loveparade war nie mein ding. nur einmal habe ich sie am rande miterleben müssen, weil ich zufällig gerade in berlin war. fazit: zu voll, zu laut, zu viele menschen eben. nix für mich.
gestern ist die liebende masse in panik geraten, möglicherweise an einer kleinen stelle nur. eine kleine masse also, aber es hat tote gegeben. und ich habe darüber nachgedacht, mehr als mir lieb war, ich habe sogar davon geträumt.
im architekturstudium, vor langer zeit, habe ich ein wenig darüber gelernt, wie man menschenmassen leitet, wie man wege und räume schafft für die fließenden massen. schon die römer waren meister darin. das kolosseum, das immerhin 50.000 zuschauer faßt, konnte in nur 15 minuten gefüllt und in 5(!) minuten wieder geleert werden. dazu gab es 80(!) zugänge und ein ausgeklügeltes leitsystem, das meines wissens bis heute die grundlage für moderne stadien bildet.
menschenmassen, wenn sie sich in eine bestimmte richtung bewegen, verhalten sich ähnlich wie wasser. sie fließen dahin, wie auch der straßenverkehr zum beispiel, doch wenn ein hindernis auftaucht oder druck entsteht, sind die dadurch freigesetzten kräfte immens. das ist berechenbar, wie ich gerade im mathlog nachlesen konnte. teilchenphysik, wer hätte das gedacht. nix mit panik.
vielleicht hätte man aber bedenken sollen, daß auch wasserteilchen, wenn sie unter druck geraten, sich plötzlich eigenmächtig einen weg suchen und den deich an der schwächsten stelle zu durchbrechen suchen. oder anders: die kapazitätsberechnungen bezüglich von menschenmasse und tunnelenge scheinen sogar mir als mathematischer idiotin recht deutlich danebengelegen zu haben. wenn ich mir dann noch den wahnwitz eines einzigen eingangs, der gleichzeitig auch noch ausgang sein sollte, vorstelle. selbst der weg durch die stadt scheint eine art stierlauf gewesen zu sein, statt einer ausgeklügelte wegführung mit entlastungsbereichen daraus zu gestalten.
und es war noch nie eine gute idee, menschen sinnlos einzupferchen. selbst mit sinn ist das heikel. meine güte, da wurde wohl bei der planung viel gute hoffnung eingerechnet. das zumindest habe ich heute nacht geträumt.
nachtrag: ich sehe gerade, daß im fischblog schon konkret gerechnet wurde.
love & panic
die loveparade war nie mein ding. nur einmal habe ich sie am rande miterleben müssen, weil ich zufällig gerade in berlin war. fazit: zu voll, zu laut, zu viele menschen eben. nix für mich.
gestern ist die liebende masse in panik geraten, möglicherweise an einer kleinen stelle nur. eine kleine masse also, aber es hat tote gegeben. und ich habe darüber nachgedacht, mehr als mir lieb war, ich habe sogar davon geträumt.
im architekturstudium, vor langer zeit, habe ich ein wenig darüber gelernt, wie man menschenmassen leitet, wie man wege und räume schafft für die fließenden massen. schon die römer waren meister darin. das kolosseum, das immerhin 50.000 zuschauer faßt, konnte in nur 15 minuten gefüllt und in 5(!) minuten wieder geleert werden. dazu gab es 80(!) zugänge und ein ausgeklügeltes leitsystem, das meines wissens bis heute die grundlage für moderne stadien bildet.
menschenmassen, wenn sie sich in eine bestimmte richtung bewegen, verhalten sich ähnlich wie wasser. sie fließen dahin, wie auch der straßenverkehr zum beispiel, doch wenn ein hindernis auftaucht oder druck entsteht, sind die dadurch freigesetzten kräfte immens. das ist berechenbar, wie ich gerade im mathlog nachlesen konnte. teilchenphysik, wer hätte das gedacht. nix mit panik.
vielleicht hätte man aber bedenken sollen, daß auch wasserteilchen, wenn sie unter druck geraten, sich plötzlich eigenmächtig einen weg suchen und den deich an der schwächsten stelle zu durchbrechen suchen. oder anders: die kapazitätsberechnungen bezüglich von menschenmasse und tunnelenge scheinen sogar mir als mathematischer idiotin recht deutlich danebengelegen zu haben. wenn ich mir dann noch den wahnwitz eines einzigen eingangs, der gleichzeitig auch noch ausgang sein sollte, vorstelle. selbst der weg durch die stadt scheint eine art stierlauf gewesen zu sein, statt einer ausgeklügelte wegführung mit entlastungsbereichen daraus zu gestalten.
und es war noch nie eine gute idee, menschen sinnlos einzupferchen. selbst mit sinn ist das heikel. meine güte, da wurde wohl bei der planung viel gute hoffnung eingerechnet. das zumindest habe ich heute nacht geträumt.
nachtrag: ich sehe gerade, daß im fischblog schon konkret gerechnet wurde.
memory
das alte spiel, eine karte auf die andere. erinnerungspaare finden oder erfinden. das gedächtnis scheint beständig damit beschäftigt. so entsteht ordnung im hirngestrüpp. so entstehen geschichten, so entsteht auch geschichte. oder aber beides.
eine ard-dokumentation zum thema integration in deutschen schulen erinnert mich an karnap, den nördlichsten zipfel essens. eigentlich heißt der ort natürlich „kannapp“, ich weiß das, denn als kind war ich dort regelmäßig bei meinen großeltern zu besuch. als alte-leute-gegend habe ich den bezirk in erinnerung, als invalidensiedlung voller „reicher“ bergmannswitwen. es gab aber auch viele polnische namen.
als die ersten türken in die straße zogen war meine oma entsetzt. die frau trug hosen und röcke darüber, dazu ein kopftuch, das dem meiner oma allerdings nicht unähnlich war. der rest war klischee. der mann ging immer drei schritte vor der frau die straße entlang, niemals trug er ihr die einkäufe. der sohn drehte einsam seine runden, niemand sprach mit ihm, obwohl er es versuchte. viele kinder gab es in der straße nicht. eschek, schrien die wenigen ihm hinterher. weil sie gehört hatten, daß das esel heißt, auf türkisch. keine ahnung, ob das stimmt. ich habe es nie wieder gehört, aber es scheint sich eingebürgert zu haben.
heute ist karnap also voller türken, so sehe ich es im tv. vor zirka zwei jahren war ich mal kurz in der altbekannten straße und habe sie kaum wiedererkannt. auch die häuser nicht, die damals schmutzig grau waren, kohlegeheizt und verrußt. jetzt sehen sie aus wie schicke, kleine eigenheime mit garten.
ich google ich ein bißchen, wie das heute so geht aus der ferne. es gibt eine schicke karnaper infoseite und einen super super8-film (youtube, 3 min.) aus den 70ern. meine zeit! außerdem finde ich einen zeitungsartikel über den emscherbruch im winter 1946, bei dem karnap, der am tiefsten liegender teil essens, unter meeresspiegel, schlichtweg geflutet wurde. und genau darüber hatte ich zuletzt in den bones geschrieben.
eine karte auf die andere, der memoryeffekt. geschichten und geschichte.
kein spaß
14 tage lang, seit dem frankfurtbesuch eigentlich, nicht mehr richtig beieinander gewesen. diverse übelkeiten, die übliche sommerallergie (ambrosia?), rückenschmerzen und mehrfache migräne unterschiedlichster qualität, zwischen die arbeitseinheiten geschoben, paßt schon. irgendwie. dazu die zwischenzeitliche hitze, 37°. menschenwärme, innen wie außen. unerträglich.
die krönung gestern nacht. nach einem grundlos grunderschöpften tag eine dieser höllennächte. migräne im endstadium, mit diesem schmerz also, der mich wie ein rostiger stacheldraht durchwächst. entgültiger auftakt war gegen 2 uhr, nach zirka 24 stunden vorglühen.
eine art segen, daß auch die zweite volle dröhnung innerhalb einer woche tatsächlich geholfen hat. so nach zwei stunden ungefähr. aber kaum zu beschreiben, wie schwer bis unmöglich es in diesem zustand erscheint, halbwegs aufrecht bis zum badregal zu kommen und die nötigen maßnahmen zu ergreifen. wassergläser füllen, tropfen abzählen und tabletten aus der aluminiumumhüllung drücken, alles ohne licht, weil licht einfach nicht geht.
wobei ich mich immer frage, was angestellt beschäftigte in so einem fall machen. also all die leute, die beim ersten krankheitstag bereits einen gelben schein zu liefern haben, wie das heute so üblich ist. da bleibt wohl nur die hoffnung auf einen verständnisvollen, zuverlässigen arzt. ein wahres glück, daß ich damals im job in wuppertal kluge kolleginnen und eine kluge chefin hatte, die einfach nur genickt haben, weil sie wußten und verstanden. kaum zu glauben. und nienie, nicht ein einziges mal habe ich das ausgenutzt.
migräne ist kein spaß, keine unpäßlichkeit, über die man (vielleicht besser frau an dieser stelle, ist das nicht das passende klischee?) leicht leidend hinweglächelt. nein!
zwischendurch zusätzlich ein wenig nach klimakterium gegoogelt. wird ja auch mal zeit. wobei ich mir manchmal mit schrecken vorstelle, daß diese ganze hormonmaschine einfach an irgendeiner stelle zum stehen kommt und das dann womöglich die migränestelle sein könnte. ist sicher lächerlich, diese vorstellung. aber so denkt er eben, der migräneschädel. alles ist angst.
