am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

memory

das alte spiel, eine karte auf die andere. erinnerungspaare finden oder erfinden. das gedächtnis scheint beständig damit beschäftigt. so entsteht ordnung im hirngestrüpp. so entstehen geschichten, so entsteht auch geschichte. oder aber beides.

eine ard-dokumentation zum thema integration in deutschen schulen erinnert mich an karnap, den nördlichsten zipfel essens. eigentlich heißt der ort natürlich „kannapp“, ich weiß das, denn als kind war ich dort regelmäßig bei meinen großeltern zu besuch. als alte-leute-gegend habe ich den bezirk in erinnerung, als invalidensiedlung voller „reicher“ bergmannswitwen. es gab aber auch viele polnische namen.

als die ersten türken in die straße zogen war meine oma entsetzt. die frau trug hosen und röcke darüber, dazu ein kopftuch, das dem meiner oma allerdings nicht unähnlich war. der rest war klischee. der mann ging immer drei schritte vor der frau die straße entlang, niemals trug er ihr die einkäufe. der sohn drehte einsam seine runden, niemand sprach mit ihm, obwohl er es versuchte. viele kinder gab es in der straße nicht. eschek, schrien die wenigen ihm hinterher. weil sie gehört hatten, daß das esel heißt, auf türkisch. keine ahnung, ob das stimmt. ich habe es nie wieder gehört, aber es scheint sich eingebürgert zu haben.

heute ist karnap also voller türken, so sehe ich es im tv. vor zirka zwei jahren war ich mal kurz in der altbekannten straße und habe sie kaum wiedererkannt. auch die häuser nicht, die damals schmutzig grau waren, kohlegeheizt und verrußt. jetzt sehen sie aus wie schicke, kleine eigenheime mit garten.

ich google ich ein bißchen, wie das heute so geht aus der ferne. es gibt eine schicke karnaper infoseite und einen super super8-film (youtube, 3 min.) aus den 70ern. meine zeit! außerdem finde ich einen zeitungsartikel über den emscherbruch im winter 1946, bei dem karnap, der am tiefsten liegender teil essens, unter meeresspiegel, schlichtweg geflutet wurde. und genau darüber hatte ich zuletzt in den bones geschrieben.

eine karte auf die andere, der memoryeffekt. geschichten und geschichte.

nach einer erneuten allergischen nies- und heulattacke sauschlecht geschlafen. heute dann halsschmerzen und kopfbrummen. und dieser rüttelstampfer der straßenbauer unter meinem schlafzimmerfenster klingt morgens um kurz nach sieben wie ein helikopter.

kein spaß

14 tage lang, seit dem frankfurtbesuch eigentlich, nicht mehr richtig beieinander gewesen. diverse übelkeiten, die übliche sommerallergie (ambrosia?), rückenschmerzen und mehrfache migräne unterschiedlichster qualität, zwischen die arbeitseinheiten geschoben, paßt schon. irgendwie. dazu die zwischenzeitliche hitze, 37°. menschenwärme, innen wie außen. unerträglich.

die krönung gestern nacht. nach einem grundlos grunderschöpften tag eine dieser höllennächte. migräne im endstadium, mit diesem schmerz also, der mich wie ein rostiger stacheldraht durchwächst. entgültiger auftakt war gegen 2 uhr, nach zirka 24 stunden vorglühen.

eine art segen, daß auch die zweite volle dröhnung innerhalb einer woche tatsächlich geholfen hat. so nach zwei stunden ungefähr. aber kaum zu beschreiben, wie schwer bis unmöglich es in diesem zustand erscheint, halbwegs aufrecht bis zum badregal zu kommen und die nötigen maßnahmen zu ergreifen. wassergläser füllen, tropfen abzählen und tabletten aus der aluminiumumhüllung drücken, alles ohne licht, weil licht einfach nicht geht.

wobei ich mich immer frage, was angestellt beschäftigte in so einem fall machen. also all die leute, die beim ersten krankheitstag bereits einen gelben schein zu liefern haben, wie das heute so üblich ist. da bleibt wohl nur die hoffnung auf einen verständnisvollen, zuverlässigen arzt. ein wahres glück, daß ich damals im job in wuppertal kluge kolleginnen und eine kluge chefin hatte, die einfach nur genickt haben, weil sie wußten und verstanden. kaum zu glauben. und nienie, nicht ein einziges mal habe ich das ausgenutzt.

migräne ist kein spaß, keine unpäßlichkeit, über die man (vielleicht besser frau an dieser stelle, ist das nicht das passende klischee?) leicht leidend hinweglächelt. nein!

zwischendurch zusätzlich ein wenig nach klimakterium gegoogelt. wird ja auch mal zeit. wobei ich mir manchmal mit schrecken vorstelle, daß diese ganze hormonmaschine einfach an irgendeiner stelle zum stehen kommt und das dann womöglich die migränestelle sein könnte. ist sicher lächerlich, diese vorstellung. aber so denkt er eben, der migräneschädel. alles ist angst.

gestern geträumt, daß ich sterben werde. nicht sofort, aber doch in ein paar monaten oder so. der druck war enorm, wie eine sehr große aufregung, kurz vor einem auftritt. also lampenfieber vielleicht. und während um mich herum alle anfingen, von kampf zu reden, war ich mit dem grundgedanken eher einverstanden.

dann aufgewacht und festgestellt: in dieser nacht vor 17 jahren starb mein vater. ich saß dabei und sah ihn glücklich wie nie zuvor. in dem moment.

sommermüll in dem wochenblättern (86)

es gibt ja so phasen da möchte ich mal pause, mal sommer machen, einfach so. aber dann kann ich das lesen wieder nicht lassen und rege ich mich doch wieder über diesen müll auf, den frau köhler oder jetzt schröder so verzapft:

Minijobber und Harz-IV-Aufstocker sollten sich, bevor sie ihren Kinderwunsch wahr machen, gefälligst um einen anständig bezahlten Job kümmern, um ein paar Monate später in den Genuss des Elterngeldes kommen zu dürfen. So wird eine Maßnahme, die ursprünglich geschaffen wurde, um die Entscheidung für Kinder zu erleichtern, zu einer arbeitsmarktpolitischen Strafaktion. Das ist absurd.

Denn damit würden gerade diejenigen bestraft, die sich – zusätzlich zu Hartz IV – um Arbeit bemühen. Gerade diejenigen, die für sehr wenig Geld oft sehr harte Arbeit verrichten, die zusätzlich zu einem schlecht bezahlten Hauptjob einen noch schlechter bezahlten Nebenjob annehmen, diejenigen also, die sich aller Widrigkeiten zum Trotz nicht aufgegeben haben.

erst werden also löhne gedrückt, von wem auch immer, bis tief in die untergeschosse. dann wird der minijobmarkt erfunden, der sich großer beliebtheit erfreut, vor allem bei den dadurch weitgehend aus der verantwortung entlassenen arbeitgebern. und zum guten schluß, ja, da wird dann druck ausgeübt auf die menschen, die sich in diesem zwischenarbeitsmarkt verfangen. gute alte erziehungsmethoden: strafen und ausgrenzen. brandmarken vielleicht noch.

fordern statt fördern, so muß man das wohl nennen.

8 männer & 1 loch

ein kleiner bagger ist gekommen und hat ein großes loch in die erde geworfen. jetzt hocken sie da und stehen sie rum und wundern sich.

das ist übrigens ein panoramabild – ja, vielleicht auch dieses hier – wie ich bei meinem ersten versuch drüben im HSB im kommentarverlauf lernen durfte. ein freigestelltes panorama, möglicherweise sogar gestitcht. (wobei ich keine ahnung habe, was das sein könnte. irgendwas mit nähen?)

diesmal hab ich aber den hübschen zaun weggelassen und mich mehr auf das loch konzentriert. das loch ist schließlich wichtig. das loch und die männer. gerne hätte ich noch ein bißchen himmel angeboten, aber da war leider keiner auf meinem knipsbild.

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