am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

realistisches in den täglichen nachrichten (65)

Andreas Köhn, der bei der Gewerkschaft Verdi freiberufliche Journalisten betreut: „Ich erlebe eine sehr große Nachfrage bei den Seminaren für Hartz-IV-Aufstocker“, sagt er. Interessierten sich vor zwei Jahren zwischen 80 und 100 Freiberufler für diese Seminare, so sind es mittlerweile 350.

traumjob? naja, job halt. oder, wie es am ende sinngemäß heißt: wenn sich denn was anderes fände …

ein abschied nach dem anderen. kein anderes ende möglich. kein anderes leben.

obacht

polizeiwagen ohne blaulicht schleicht die weserstraße hinunter. zweiter polizeiwagen, ebenfalls ohne blaulicht, kommt ihm entgegen. nebeneinander bleiben die beiden stehen. konferenz von fahrzeug zu fahrzeug, exakt achtundvierzig sekunden. anschließend: schleichfahrt durch die weserstraße wird fortgesetzt. in entgegengesetzter richtung.

so

hier ist jetzt feierabend. die sonne lacht, und ich arbeite einfach heute abend weiter. im dunkeln. jetzt gehts erstmal raus, zum spocht. das sind so die kleinen freuden der freiberuflichkeit. wenn es schon sonst nix gibt im leben.

herbst, zeitlos

ich tue meine pflicht. ich bestelle meinen garten. das kleine stück, das mir geblieben ist. ich pflücke die zarten pflänzchen, die in den letzten zwei, drei jahren – tatsächlich – hier und da gewachsen sind. mitten im staub, im leben. jetzt ziehe ich sie einzeln mit der hand aus dem boden. samt wurzeln, wenn es nur irgend geht. ich lasse nichts zurück. sorgsam lege ich das schlaffe, dünne grün beiseite. dahin, wo ich es nicht mehr sehen muß. wo ich es vergessen kann, bis es nicht mehr ist.

bald schon fange ich an zu graben, anfang dezember vielleicht. ein großes loch, das scheint mir angemessen. für die letzten reste.

morgen noch, dann ist tatsächlich so etwas wie wochenende. was soll ich dann tun, schlafen etwa? und träumen? auf gar keinen fall. nein!

es gibt so viel. am besten, ich mache eine liste. vielleicht hilft es ja.

sinnvolles im wochenblatt (64)

marko doringer hat ein problem. er ist über dreißig, kann nicht so recht aus seinen augen gucken und ist außerdem österreicher. letzteres sei ihm aus persönlichen gründen verziehen. graue haare scheint er darüber hinaus aber auch noch zu haben.

ich gebe zu, als ich zum ersten mal das dreißigste jahr von ingeborg bachmann gelesen habe, war ich selbst schon weit über diese grenze hinaus. und das erste graue haar – das ohnehin von vornherein gleich schlohweiß war – ist mir im alter von siebzehn gewachsen. von daher zähle ich vermutlich einfach nicht.

aber das vermutlich ironische und womöglich latent aggressive interview im letzten freitag hat mich dennoch köstlich amüsiert. und nicht nur deshalb:

Darf man als 30-Jähriger eigentlich nostalgisch sein oder macht man sich damit total lächerlich?

Na ja, das passiert mir schon auch. Mit 30 blickt man halt zum ersten Mal zurück, man spürt, dass man nicht alles im Leben erreichen wird, dass nichts ewig ist, dass viele Träume platzen. Man beginnt sich an die eigene Jugend zu erinnern, und wenn das passiert, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass deine Jugend vorbei ist.

nacht für nacht für nacht.

ich tue meine arbeit. ich erledige einen termin nach dem anderen, zuhause oder vor ort. ich denke nicht nach dabei. ich bin nicht mehr wichtig. endlich.

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