kurz nach acht, wieder schritte auf den brettern vor den fenstern. die arbeiter kratzen an den fensterbänken herum, säubern offensichtlich die fenster. ich hasse das, immer schon. und heute besonders.
they’re way too near! hat L vor ein paar tagen noch am telefon gesagt. und genau so ist es.
living in a box (21)
da war jemand in meinem schlafzimmer, während ich drei oder vier meter weiter, mit einer dünnen mauer dazwischen, im wohnbüro saß. genau da, wo ich jetzt auch sitze.
ich mag hier nicht sitzen. wer weiß, was da hinter meinem rücken passiert? ich mag aber auch nicht ins schlafzimmer. jetzt da schlafen oder was? wie denn?
da war jemand in diesem zimmer, einfach so, während ich hier saß. und ich weiß nicht wer. ich weiß nur, warum.
denkfehler
kleine überraschung bei der zusammenstellung ‚meiner‘ pressestimmen. da war doch tatsächlich einmal jemand der meinung, ich sei „… Frei von Pathos und mit schwebender Leichtigkeit…“ ausgestattet. nein, entschuldigung, es ging natürlich um den text. ach ja, immer wieder derselbe fehler, verdammt.
living in a box (18)
kommen die jungs, sagt der eine maler, der ältere, als er sieht, daß ich anfange, an den farbklecksen herumzukratzen. machen sauber, morgen. aber morgen ist mir zu lange, und ich greife eine knappe stunde später schon zur drahtbürste. es wird zeit. die tomaten wollen nicht länger in der badewanne wohnen und tag für tag wenigstens dreimal durch die gegend geschleppt werden, wenn ich die wanne mal selber brauche. kommt ja auch vor. also, ran an den dreck. ich will meinen balkon wieder. sowieso.
folgerichtig ist dann heute auch niemand hier erschienen, weder der alte, noch die jungs. und natürlich hat auch niemand saubergemacht. naja, ist ja auch schon. und als ich den gestern geerbten ca. 1/4vollen farbeimer auf die seite kippe, um den dreck vom deckel zu fegen, bin ich auch ganz froh, daß niemand da ist. der deckel ist nämlich nicht dicht, und ich verteile auf die art schnell mal eben einen guten schluck originalbalkonfarbton auf den bodenfliesen. eilig matsche ich mit einem alten küchenhandtuch darin herum. sowas sieht überhaupt nicht gut aus, und das muß auch wirklich niemand sehen.
ansonsten öle ich sämtliche bretter, klötzchen, regale und die kleine bank nach. das ganze zeug ist derart oft versifft und geputzt worden, daß es völlig stumpf geworden ist. ein brett muß ich sogar nachbeizen. das dauert, bis das alles eingezogen ist. inzwischen sind aber die vielen schönen sachen wieder fest verschraubt oder sonstwie an ihren platz verbracht. es wird also, besser. nach und nach.
die dachdecker sind ebenfalls voll im einsatz. es hämmert und klopft da oben, der fahrstuhl schräg neben meinem balkon hievt schubkarrenweise dachpfannen in die höhe. den ganzen tag sägen sie unten auf der straße mit einer kreissäge. was kann ich nicht sehen. kann man denn dachpfannen mit einer säge sägen?
punkt sieben schwanke ich durch die wohnung, um alle fenster zu schließen. die bauarbeiter sind da, und ich habe keine ahnung, welche sauereien die heute wieder anstellen mögen. besser ist besser. danach falle ich wieder ins bett, um noch ein bißchen zu schlafen, wenn es geht. es war spät gestern, ich bin noch schlaflos durch die zimmer geschlichen, da war es schon halb vier.
während ich meinen nacken arsch ins schlafzimmer recke, dringen die arbeiter in meine wohnung ein. ich weiß es genau, ich spüre es. ich versuche, mich bemerkbar zu machen. ich versuche, zu reagieren. ich schreie, ich tobe, ich werfe sie hinaus. nein, ich tue nichts. ich bleibe regungslos, hilflos, nackt. um mich herum wird das zimmer reorganisiert, möbel abgebaut und zusammengeräumt. alles im sinne der arbeiter, die es offensichtlich renovieren wollen. ich kann dem nicht zustimmen, nicht auf diese art. aber niemand hört mich, sieht mich, toben und schreien. wie meine mutter. denke ich.
dann biete ich ihr einen moment ruhe. kein vergessen, keine absolution, nur ein kopfkissen. sie hält es nicht lange aus, sie glaubt mir nicht. aber sie bleibt ruhig. auch als sie sieht, daß ich in ihren büchern gelesen habe. es ist ihr egal, vielleicht sogar recht. ich habe nicht viel gelesen, sage ich. nur ein paar bilder. viel muß ich nicht mehr wissen.