das kann ja spannend werden beim grand prix (eurovision song contest) heute abend in moskau. nach der zunächst verbotenen und de facto von der polizei attackierten homosexuellendemo heute, gibt es jetzt möglicherweise den einen oder anderen boykott. wobei ich mehr für viele klare statements auf der bühne wäre. abwarten.
Monat: Mai 2009
zensursula – der moralkreisel dreht auf
bedenken hatte ich ja bereits, und diese vorsichtig, ganz vorsichtig auch formuliert. eher vage, weil ja im grunde einfach nicht sein kann, was doch schon auf den ersten blick so dermaßen blöde erscheint. dennoch lag es natürlich – und liegt nach wie vor – schwer in der luft. daß mit oberflächlicher rhetorik tief unter das angedachte argumentationsniveau geschossen werden würde, irgendwann. spätestens in wahlklampf.
aber, daß es so schnell gehen würde. (ach so, es ist ja wahlkampf. sorry.) hier ist sie also, angeschoben von der deutschen kinderhilfe e.v., die erste (?) aktion gegen die allseits bekannte epetition gegen die sinnlose sperrung von internetseiten. (mehr dazu bei don und netzpolitik.)
bücherschwemme
ich könnte den bücherstapel, der darauf wartet, gelesen zu werden, leicher messen als zählen. nach themen sortiert: englisches, lyrik, wien, fachliches und sachliches zum thema tagebuch, außerdem die gnazen romane. heute ist noch agota kristof hinzugekommen, die trilogie, weil eine freundin davon erzählt hatte. und weil mek in letzter zeit oft davon schreibt, daß er es liest. oder sogar vorliest.
anfragen und bedenken
es ist so eine sache mit den petitionen, das ist klar. oder? irgendwie bewirken sie nichts, machen nur ein paar menschen einen haufen arbeit. so war/ist es ja auch bei der mit dem bedingungslosen grundeinkommen, das ist ja inzwischen bekannt. wird vermutlich nicht einmal angehört, soweit ich weiß.
aktuell ist übrigens gerade das thema kinderpornografie und das gleich zweimal. zum einen ist da diese anfrage, die ich auch gezeichnet habe, logisch. (meine gründe dafür sind so ungefähr dieselben wie bei don ausgeführt, das muß ich also hier nicht noch einmal notieren.)
ein paar tage vorher gab es allerdings schon eine weitere, genau gegenläufige petition in der sache, die in der begründung aufführt, daß das recht auf körperliche und seelische unversehrtheit vorrang vor der freiheit des internets habe. das klingt gut und lobenswert, keine frage.
und doch ist es schon ein bißchen absurd, wenn man das so nebeneinander liest. zumal, wenn man das moralische drehmoment bedenkt, das sicher noch einiges an zündstoff liefern wird.
1. mai 2009, nachschau

die nachberichterstattung will kein ende nehmen und artet hier und da ein wenig aus. mehr dazu habe ich im modersohn-magazin angedeutet. und mehr als andeuten, das wage ich nicht. irgendwie bin ich schon auf wahlkampf gebürstet und glaube so recht gar nichts mehr, was ich lese. wo auch immer lese.
nur soviel vielleicht: am rand der straßenschlacht, keine hundert meter entfernt, von der feuerwache/wiener straße zum beispiel, saßen die menschen draußen in der warmen frühsommernacht und schnabulierten sich was. oder sie spielten gitarre und sangen dazu, revolutionäre reggaesounds. fotografiert haben auch viele, schaulustige, so wie ich im grunde. digicamspanner. die geschäfte machen den umsatz des jahres an diesem tag, in dieser nacht. das erklärte eine frau ihrem begleiter auf englisch während sie für ein deeskalationsbier anstanden. das ist ein zweischneidiges schwert. eine eisdiele am lausitzplatz hatte alle rolläden heruntergelassen, auch das eisenrollgitter vor dem großen fenster. aber die tür stand weit offen und drinnen stand die revolution schlange in zwei reihen. im hintergrund sammelte sich unauffällig eine hundertschaft der bundespolizei. im zuge des gerangels wurde dann die eine oder andere bierbankgarnitur eilig abgebaut. und gleich anschließend wieder auf.
und eines ist wohl bei jeder massenversammlung dasselbe. pissende männer. in jeden hauseingang, hinter jedem noch so kleinen busch oder an mickrigen blumenkübeln stehen wenigstens drei und lassen es laufen. sie klettern sogar über die gitterumzäunungen einiger kreuzberger wohnblockhöfe, um sich dort zu erleichtern. die bierflaschen reichen sie sich dafür sorgfältig gegenseitig über den zaun. das nenne ich solidarität. für jeden pisser, den ich sehe, rotze ich einmal auf den boden. auch für die, die mir entgegenkommen und noch an der sortierung hose basteln. einen von ihnen treffe ich von hinten ans hosenbein. ja!
1. mai 2009, abends

der helikopter, der am kottbusser tor in der luft steht, ist bis hierher zu hören, aber sonst ist alles still in neukölln. die autonomen-demo ist auch gar nicht bis hier gekommen. sie ist einmal durch mayfest durch und war dann am lausitzer platz schon derart zersplittert, daß beschlossen wurde, gleich zurück auf anfang zu gehen. zum kottbusser tor. irgendwie war ich schon skeptisch, als ich die route gedruckt gesehen habe. mitten durchs fest? war das in den letzten jahren auch so? blöd angelegt?
die polizei ist quasi von anfang an in die demo hineingegangen, um sie zu stören. das sagt der mann am mikro im lautsprecherwagen. deshalb wird der weg radikal verkürzt, damit wir nicht zerschlagen werden. haltet zusammen, bildet ketten. sagt auch der mikromann. die polizei sagt, ihr sollt aufhören, euch zu vermummen und straftaten zu begehen.
erfahrungsgemäß stecken hinter solchen aussagen eilige absprachen zwischen demo- und einsatzleitung, um die masse so schnell wie möglich wieder auflösen zu können. viel hilft es nicht. nachdem endlich abgebogen werden kann, geht das steineschmeißen und gasknallen gleich wieder los. ungefähr an der stelle, an der der stöbele kurz zuvor noch mit seinem rad gestanden und telefoniert hat. zuvor ist eine reihe schwarzgekleideter bundespolizisten in reih und glied an mir vorbei. auch die wissen, wie das geht, das kettenbilden. ich sehe ihnen ins gesicht, jedem einzelnen. unter dem panzer haben sie ein gesicht. keiner von ihnen lacht oder lächelt auch nur. sie sind geschickt worden, gerade eben. ein scheißjob. fußvolk zu sein, ein zinnsoldat aus gummi.
menschenmassen bewegen sich wie wasser, das weiß man und nutzt dieses wissen, bei der planung von stadien und bahnhöfen zum beispiel. wenn man mitten in eine demo hineinschießt oder dazu noch vorstößt mit einer gruppe solide ausgebildeten und bewaffneten leuten, dann passiert dasselbe. die masse schwappt zu den rändern und fließt eilig in die seitenstraßen. auch ich sehe mich plötzlich genötig, zwei oder drei, vielleicht auch fünf schritte schneller zu gehen. ohne daß mir irgendetwas hätte passieren können, nur der schwung, ganz am rand, hat mich erfasst. ich bewege mich nach außen, hinter einen blumenbottich. das wasser umfließt solche hinternisse. andere hingegen rennen und kichern dabei. eine hat angst, überrollt zu werden. zwei haben jemanden verloren und stellen fest, daß sie dahin, wo sie ihn zuletzt gesehen haben, nun aber nicht zurückkönnen. zwei typen bleiben nebeneinander stehen, drehen sich um und finden es spannend. das ist das adrenalin vermutlich. oder das bier. ein anderer pißt unbeeindruckt an die nächste hausecke.

ein stück weiter lande ich – versehentlich – mitten im „schwarzen block“. naja, beinah. eigentlich wollte ich rüber zum myfest, von da kommt immer noch musik. ich gehe aber lieber wieder zurück, und kurz darauf fließt die masse wieder erschrocken in die seitenstraßen. am kottbusser tor sammelt sich bereits eine grüne horde in reih und glied, und eine weitere hundertschaft kommt bereits angetrabt. die einsatzwagen sammeln sich in den seitenstraßen, mit laufendem motor und licht. oder sie fahren hübsche schleifen und kreise, um ihre leute in position zu bringen.
mir reichts, ich fahre nach hause. die nacht überlasse ich anderen. denen, die krieg spielen wollen oder müssen. ich lese dann morgen darüber. und glaube etwa die hälfte, vielleicht.