am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

keine klagen (2)

schlafen geht problemfrei nur bis gegen sechs, danach wird es zu laut. was machen die menschen da nur, um diese uhrzeit? ich schließe alle fenster und träume weiter bis acht. (ich! schließe! alle! fenster! ich, die sogar im winter bei offenem fenster schläft.) die wohnsituation könnte also besser sein. aber egal.

beim gewohnt liebevoll gestalteten frühstück weiß ich dann auch wieder, was die menschen so früh machen. sie machen mir frühstück, unter anderem.

das weitere studium des literaturprogramms befördert vor allem ein lustiges abendprogramm im lendhafen zutage. also neben dem öffentlichen 3sat-gucken tagsüber, am abend dann und mit musike.

oh klagenfurt, deine räder. was wärest du ohne sie? nachdem ich im letzten jahr die wichtigkeit eines fahrrads zu den tagen der deutschsprachigen literatur schnell zu schätzen gelernt habe, war ich in diesem jahr schlau und hab mir gleich eines zum zimmer mitbestellt.

und das ist es, was ich bekommen habe: ein steirisches waffenrad. ganz ehrlich, das heißt wirklich so. und ich liebe es. es ist zwar ein bißchen platt hinten und die vorderradachse eiert beim bremsen auch ein wenig. aber würde es am liebsten mit nach berlin nehmen. sofort.

also, wenn wir uns treffen, irgendwo unterwegs. ich bin die mit dem waffenrad.

keine klagen (1)

via wien nach klagenfurt, also zweimal starten und zweimal landen. im zubringerbus in schwechat steht burkhard spinnen und liest ein buch. er trägt jacket, mütze und schal, während mir der schweiß läuft. liebe berliner, hier ist sommer. es ist ziemlich heiß. zusammen steigen wir dann in ein flugzeug, das so klein ist, daß es über eine ausklappbare treppe betreten wird. außerdem hat es propeller oder wie die dinger heißen. für mich ist das das erste mal.

von berlin nach wien gab es übrigens nur einen apfel zu essen, von wien nach klagenfurt überhaupt nichts. scheißökonomie, um alles muß man sich selber kümmern. in der propellermaschine fliegt übrigens eine fliege im flieger mit. ich lasse sie leben.

in dem kleinen hotel, dasselbe wie im letzten jahr, gibt es für mich diesmal nur ein zimmer zur straße hin, statt eines in den wunderbaren innenhof. drei baustellen kann sich sehen und hören, ebenso wie eine gut befahrene straße. gleich gegenüber plätschert ein brunnen, dauernd denke ich, daß es regnet. egal: das wlan ist perfekt, ich habe zwei betten und der fernseher kann bibel-tv.

das literaturprogramm habe ich schon in berlin eingesackt, das rächt sich nun. morgen um 14 uhr lesen die stipendiatInnen, da werd ich dann wohl sehen müssen. ob mir womöglich eine literaturinstitutkrise hochkommt.

ach: es geht übrigens um die tage der deutschsprachigen literatur. den bachmannpreis.

wie immer, unterwegs

ich bin eine schlechte reisende. das internet hilft, ein wenig. ich studiere stadtkarten an und drucke busfahrpläne aus. und das, obwohl ich doch im letzten jahr schon dort war. ich kenne das, kenne mich aus. aber sicher ist sicher.

das alles hilft nicht, die angst bleibt. die kommt von woanders. oder sie wohnt in mir, sie schläft, normalerweise. meistens eigentlich, zum glück. aber immer ist sie da und stellt fragen in meinen raum: was, wenn ich mich plötzlich nicht mehr finde. wenn ich dann für immer unterwegs sein muß. irgendwo.

so wie immer.

tiefe, ohne abgrund

wenn erinnerung transparent wird und hinter der wand keine leere zutage tritt, statt dessen leichtigkeit. und leben. es war einmal.

so ein tag heute, an dem mir alle in die karre fahren wollten. erst der eine radfahrer, als ich mit dem motorrad die fast leere kleiststraße entlangfuhr. guck mich an, guckt mir direkt ins gesicht und fährt trotzdem auf die straße, mir in den weg. gut, dem wär eher ich reingefahren, hätte ich nicht einen schnellen schlenker um ihn gemacht. dann der andere radfahrer, mitten auf der kreuzung elsenstraße, kiefholzstraße, ich selbst auch auf dem rad. überholt mich rechts, der kerl, was ich im letzten moment an seinem laut scheppernden schutzblech bemerke, kurz bevor die kreuzung zuende ist. daß ich ihm mit bremsen und einem kleinen schlenker zur fahrbahnmitte platz mache, damit er nicht in mich oder wahlweise auf den nahenden bordstein kracht, bemerkt er gar nicht. er trägt fette kopfhörer und scheppert fröhlich pfeifend weiter.

was ist den los in berlin, sind doch jetzt ferien. wo ist den die übliche sommerliche verkehrgelassenheit hin?

everlasting

noch vor acht von einem pochen im nacken und unter der schädeldecke wachwerden. keine möglichkeit, dem zu entkommen. diese ganz andere art von migräne, ohne auge, ohne dieses umschlichen werden, stundenlang. danach übelkeit, müdigkeit, diverse medikamente. herumliegen auf dem sofa, in der wanne, im bett. wie ein kadaver.

kurzschlaf gegen vier. anschließend wach werden und überraschend wieder frei sein. versehentlich gesungen, ich gebe es zu, ohne erkennbaren zusammenhang: open up your eyes, everlasting love.

doch immer wieder erschreckend, wenn das glück der anderen mich ganz plötzlich tieftraurig macht, beinah entmenschlicht. das gehört sich einfach nicht. (in meinem alter. ;)

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