am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

lebenskäse

diese privaten internetlogbücher, tag für tag, über die jahre hinweg,  sind ja entlarvend  mitunter. auch wenn man sie noch so vorsichtig verfasst, wie ich das hier tue. jawohl, das ist so, auch wenn man das vielleicht nicht glauben mag. der kern meines geschreibes hier ist und bleibt das schreiben selbst. nicht ich. doch das eine geht in das andere über, immer wieder. das läßt sich nicht vermeiden. das ist wie käse, der im ofen schmilzt. zwangsläufig.

und peinlich natürlich, weil es all die zwischenzustände und unzulänglichkeiten offenbart, die besser im verborgenen aufgehoben wären. in beziehungen, in den familien und all den anderen alltagskatastrophen. da sind sie zuhause. doch eben da leben und wachsen auch die geschichten, die es zu erzählen lohnt. deshalb muß er eben sein, dieser fädenziehende schmelzkäse, der mich selbst oft genug mit selbstekel erfüllt.

langsam mal vorsicht vielleicht

seit letztem freitag bis eben gerade war ich zeugin von genau drei verkehrsunfällen. zunächst ein ganz mächtiger zusammenprall von zwei superschicken schlitten direkt vor meiner bushaltestelle. zum glück war ich da nicht wirklich zeugin, sondern kam erst deutlich später dazu, als hinter der großräumigen absperrung lediglich noch mehrere feuerwehren damit beschäftigt waren, diverse flüssigkeiten zu binden. die menschen waren also alle schon in sicherheit, hoffentlich.

gestern dann, erst ein kurzes hupen und anschließend ein satter rumms. blech- bzw. plastikschaden direkt vor meinem wohnbürofenster. nix passiert, nur stundenlanges warten auf die beamten im regen. das hätten die sich auch sparen können, denke ich. die tun doch da eh nix.

gerade eben, ich war nur kurz um die ecke, nimmt doch glatt ein auto den nächstbesten fußgänger kurz auf die haube, um ihn daraufhin in den straßengraben zu werfen. ich hab das ganze mehr gehört als gesehen, ein gnaz eigenartiger klang, deshalb mußte ich dann auch nicht bleiben. zum glück. waren auch gleich ausreichend helfer zur stelle und wimmelten emsig herum. dazu jede menge zuschauer. logisch.

langsam frage ich mich, was wohl morgen passiert. oder jetzt gleich, wenn ich wieder zu meiner bushalte muß. kommen die einschläge näher? sollte ich die einweghandschuhe einpacken?

heute nur ein wenig die zeitstruktur durchdacht und sortiert. war fast alles in ordnung, nur hier und da ein unsinniger schlenker. das kommt davon, wenn man einfach so losschreibt. dann noch zwei drei stellen überarbeitet, die anders werden mußten. inhaltlich, nicht formal. des zusammenhalts wegen.

mehr war nicht drin. der tag war kurz und mehr noch die nacht. und unter der schädeldecke pocht es schon seit stunden. als wollte da wer in die freiheit fliegen.

damit ist wohl klar, daß eines schon mal nicht geklappt hat: die erste fassung noch 2011 fertigzustellen. naja…

ende 2011

was für ein verlustreiches jahr, als hätte ich letztendlich alle unschuld verloren. die gewißheit vor allem, wenn schon nicht das wirklich richtige, so doch immerhin immer irgendetwas tun zu können. irgendeinen schritt zumindest, in irgend einerichtung. auch das ist schließlich ein anfang. 2011 hat mir das endgültig ausgebrannt.

statt dessen weiß ich nun (wieder) um die tiefe lüge mir. wie das falsche in einer art und weise falsch sein kann, daß es über jahren unerkannt bleibt. ich. bin diese lüge. 2011 bin ich meiner eigentlichen armut (wieder) begegnet. nicht der äußeren, was ja nun wirklich nichts besonders neues wäre. statt dessen der inneren, meiner armseligen herkunft.

das ist unausweichlich. ende!

ein befreundetes paar wird von einem fremden mit worten und waffen in die enge getrieben. daß ich als vierte dabei bin, ist zufall. alle schweigen, nur der bewaffnete redet, schreit und wütet. es ist kaum zu ertragen. wegen der waffen, wegen der wut. es gibt kein entkommen, der raum ist geschlossen, nur nach oben offen. irgendwann ertrage ich es nicht mehr, fange meinerseits an zu reden. irgendetwas, darauf kommt es nicht an. ab dem zeitpunkt hat der fremde mich im visier. natürlich, was auch sonst. ich kenne das doch. ich versuche aufzuwachen, aber das ist nicht so einfach. (schließlich finde ich mich diagonal im bett liegend, auf dem rücken, atemlos, wie gerade geprügelt. draußen wird es hell, und es knallt.)

denke darüber nach, in der silvesternacht, pünklich um zwölf, auf dem motorrad in die schlacht zu reiten, wie ein bote im krieg. sollen sie mich doch abschießen, sollen sie es doch versuchen. ich komme doch immer ans ziel, am ende. wetten!

singen. und fertig.

über schule reden ist irgendwie nett, nach so langer zeit. heute ist schließlich alles besser, und ich weiß es auch. rechnen werde ich nie können, aber das macht eigentlich nichts. es gibt taschenrechner und excel, und logisch bin ich gar nicht so schlecht beieinander. noch nie gewesen. chemie ist übrigens noch weniger mein ding, auch wenn es damals eine meiner lieblingslehrerinnen unterrichtet hat. sie muß ziemlich schlecht gewesen sein, das ist mir heute klar.

musikunterricht gab es auch, manchmal. so ein jahr übers andere, zu mehr reichte es nicht. lehrermangel. wenn, dann wurden noten an die tafel gemalt und blockflöten angeschafft. musikbücher gab es auch, mit mir unbekanntem liedgut darin. irgendwie hatte ich ausgerechnet im musikuntericht immer das gefühl, daß der rest mir überlassen war, in einer klasse aus über dreißig schülerinnen. (ja, eine reine mädchenklasse.) da gab es eigentlich keinen unterricht, nur vorgaben. bücher zum selberlesen und vorspielen natürlich. das mußte reichen.

im hintergrund in dem osteuropäischen restaurant wird auch gesungen. meistens im eurovisionsstil, ab und zu aber erklingen diese harten, gerade herausgezwungenen frauenstimmen mit polyphonischer tendenz. (laienhaft ausgedrückt.) ich liebe das.

besonders absurd fand ich es immer, wenn ich im musikunterricht allein vorsingen sollte. das heißt, eigentlich war ich zunächst davon ausgegangen, daß ich das selbstverständlich natürlich nie würde tun müssen. das war etwas für die anderen, die in chören sangen oder es sonstwo lernten. davon war ich überzeugt. nie wäre ich darauf gekommen, daß in der schule etwas von mir verlangt werden würde, einfach so, das ich noch nie zuvor gemacht hatte. ich dachte tatsächlich, ich würde dort nur das zu tun bekommen, was man mir zuvor auch dort beigebracht hatte. rechnen zum beispiel. etwas, worin ich auch nicht gern vorgeführt wurde, aber immerhin war das etwas, was ich durchaus schon häufiger getan hatte. und auch gelernt, bei allem rechnerischen handicap.

aber singen? das hatte mir noch niemand jemals gezeigt. oder von mir verlangt. das konnte einfach nicht sein.

das erste mal war eine katastrophe. beschämend. besonders, weil ich anschließend für dinge korrigiert wurde, die ich nicht verstand. und ich bekam eine nicht besonders gute note dafür aufgeschrieben. fertig. die nächste. singen. dabei hatte ich mich ganz gut gefunden, vor allem, weil ich mich überhaupt getraut hatte.

danach war der musikunterricht eine ständige angstkatastrophe. singen, ich? nie wieder. das erste mal war auch das letzte mal. fertig.

eine schöne, handfeste geschichte, finde ich eigentlich. so aus heutiger sicht. zeigt sehr deutlich, wie schule eben nicht funktioniert. nicht funktionieren kann.

habt ihr nie zuhause gesungen, werde ich daraufhin gefragt. das nimmt mir die letzte fassung, um die es dieser tage ohnehin nicht besonders gut gestellt ist. nein, natürlich nicht. wir haben kaum miteinander geredet. das war gefährlich, jedes wort hätte das falsche sein können. und dann gab es für nichts mehr garantie. da kann man doch nicht singen.

und doch habe ich es getan, dieses eine mal. damals. wenn auch nur, weil ich dazu gezwungen wurde. außerdem muß es ziemlich scheiße gewesen sein.  und es war demütigend. aber egal. es wußte und weiß ja niemand, wo ich damals gelebt habe. und wie.

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