am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

das tier

es fehlt wieder, gerade jetzt, wo endlich der frühling sich auftut. was hätte lisa wohl von einem balkon gehalten? mit lavendel, den sie so geliebt hat. oder mehr noch, basilikum, eine art katzendroge, wie ich vermute. zumindest aber eine lisadroge. den ganzen kopf hat sie da hineingesteckt, die augen verdreht und manchmal sogar beinah fast hineingebissen. ganz und gar unkätzisch. dazu die sonne, die wärme, das licht. und die berliner spatzen; kleines, mundgerechtes geflügel. nicht immer nur die fetten wuppertaler tauben, vor denen lisa eher angst hatte, wenn sie, flatternd und laut, in die nähe der dachwohnung kamen.
ja, das wäre ein lisaleben. jetzt. gewesen.

demütig und einfach

„Einem Schriftsteller kann es gar nicht schlecht genug gehen.“
Sarah Kirsch, Man muß demütig und einfach sein, Die Zeit, Nr.16, 2005

außenarbeiten

das ist neu, das kenne ich noch nicht. bislang hatte ich niemals einen balkon. jetzt sind sie also da, die ersten tage, die wie dafür geschaffen sind, dort zu sitzen und zu arbeiten. oder was auch immer. es ist zwar laut, drüben vom fußballplatz die pfiffe. dann die autos und die menschen, draußen. später die musik aus der kneipe, die mit der musik von gegenüber konkurriert. und dazu natürlich meine musik, im hintergrund.
vor allem anderen muß ich mich noch daran gewöhnen, daß dies ein halböffentlicher raum ist, ähnlich wie der innenraum von autos. oder der innenraum eines helmes, in dem man z. b. besser nichts unflätiges sagt. zumindest nicht laut. und auch nicht singt. nicht jedes verhalten also ist auf dem balkon adäquat. nasebohren und hose zumachen, weil ich gerade vom klo komme, ist da noch das wenigste.
soweit fürs erste. (vielleicht sollte ich doch zu meinem geburtstag im nächsten monat laden, und mir lauter balkonpflanzwerk wünschen. ein blumenfest sozusagen, das ist besser als dämliche geburtstage.)

wip – buchbesprechungsergebnis

das verlagsgespräch lief vergleichsweise gut, trotz selbstzweifel und erschöpfung meinerseits. keine grundlegenden dinge kamen auf den tisch, keine tiefgehende zweifel oder ähnliches. nur handwerkliches, dazu vorwiegend mängel, die mir ohnehin schon bewußt waren, nur eben noch nicht gelöst.
ich bin froh, gute leute vor ort zu haben, die klare hinweise geben können, deutlich reflektieren. das kernproblem ist nunmehr nicht nur benannt, sondern es gibt auch erste lösungsansätze. dazu hat sich bei einem kurzen blick in den text heute morgen bereits die einzufügende struktur gezeigt.
alles in ordnung also. und viel arbeit.

zu ehren (2)

müde krieger tanzen
über die
gräber der freiwilligen
weht kaum je
ein wind
hauch
dein leben

kassandra (4)

„Erst als er auch nach meiner Seele griff, da hab ich >nein< gesagt.“
Christa Wolf, Kassandra

nun gut, so vielleicht.

kassandra (3)

„Der Krieg griff den Männern in die Brust und tötete den Vogel.“
Christa Wolf, Kassandra

nur den männern?

kassandra (2)

„Seele, schöner Vogel. Manchmal leicht wie die Berührung einer Feder, manchmal stark und schmerzhaft spüre ich seine Bewegungen in meiner Brust.“
Christa Wolf, Kassandra

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