am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

heiter

was denkt sich dieser körper dabei, dass mich am ersten reisetag mit einem schmerzhaft pochendem linken handgelenk aufwachen lässt? bis in die schulter bin ich unbelastbar. die rechte seite behagt mir auch nicht recht. gestern saß ich noch den ganzen tag im büro am pc, danach auf der kawa. das kann ja heiter werden, unterwegs.

was denkt er sich, dieser körper!

zum glück ist der koffer recht leer, aufgrund meiner packkonsequenz, der rucksack auch. kaum papier, das kommt dann eh, in klagenfurt.

gleich stolpere ich also zum südkreuz, in den zug nach münchen, in dem ich mich so oft mit der exfrau getroffen habe, auf dem weg nach leipzig, dresden oder eben münchen. allein.

aber erst höre ich noch im radio über das sterben vor der zeit und den umgang damit. passt.

keine klagen (68)

morgen mittag gehts los. gut 25 stunden anfahrt diesmal, inklusive übernachtung in münchen und zugfahrt durch die berge am mittwoch früh. ankunft überpünktlich zur 1. lesung, der literaturkurslesung, die sonst kaum jemand besucht, den ich kenne. grundsätzlich ist da sowieso mehr so der betrieb, also menschen, die ich nur vom sehen kenne. und sie mich überhaupt nicht. aber ich bin gerne dort, immer wieder. inkognito, sozusagen. und diesmal erst recht.

die verlassenheit wird mich auf auch reisen begleiten, mehr noch vielleicht als hier. davon gehe ich im moment aus. so viele, die nicht dort sein werden in diesem jahr. es wird also einsam sein in klagenfurt. ich werde still sein inmitten des betriebs um mich herum, ich werde viel schweigen. vermutlich.

oder schreiben? das sterbekapitel in klagenfurt schreiben?

pack

immer dasselbe. ich versuche ein wenig ordung und struktur in die zusammenstellung von sachen zu bringen, die ich in den koffer packen sollte. weniger ist mehr, besonders diesmal, wo ich einige stationen zusätzlich zu bewältigen habe.

schlechte reisende, die ich bin. aber wien! nach klagenfurt geht es nach wien! das ist es doch wert.

und dann fange ich auf einmal an zu sortieren und aufzuräumen und auszumisten. hier in meiner wohnung, nicht in meinem koffer. weil das kleine desaster ja doch immer nur das abbild des großen desasters ist.

lindenblues

alles voller linden in berlin, ich reagiere darauf. eindeutig. ich atme schlecht, nachts werde ich wach von meinem röcheln. am morgen sind alle höhlen meines schädels voll, verlebt mit irgendwas. irgendein hno meinte ja vor nicht allzulanger zeit, es wären pilzsporen, die mir so zusetzten. also schimmel, denke ich mal.

aber ich weiß nicht recht. schimmel verbinde ich mit feuchtigkeit, nicht mit trockenheit und hitze. andererseits: die sich zersetzenden blätter, die staubige erde, der wind, der das alles aufbläht? sollte ich etwa sämtliche pflanzen aus meinem radius entfernen? vorsichtshalber. ich weiß es nicht. keine tomaten?

ach, vielleicht überlebe ich ja auch mit verklebten schädelhöhlen und atemlast. darüber hinaus bin ich ja sehr bei mir, derzeit.

hinter den tomaten, ich

eine schöne kühle nacht ist das. in diesem sommer lerne ich das draußen sitzen und draußen arbeiten. das draußen schreiben auch, das vor allem. das ist ein gewinn.

ich kann nicht sagen, warum ich das bislang so selten getan habe. aber es ist jetzt wieder ein frei beweglicher rechner mit solider akkukapazität und ausreichend schnelligkeit bei mir eingezogen. manchmal machen dinge ja den weg frei.

den weg frei machen sollte dieses ding zwar anderswo, deshalb hat es an die drei jahre bei der exfrau gewohnt und gelebt. hat aber dort nicht funktioniert, nicht so schnell zumindest. und mehr zeit war dann ja nicht, keine weite, keine geduld.

und kein vertrauen.

so kommt es, dass ich jetzt geschützt hinter den tomaten sitze. nun auch selbst ohne weite, ohne geduld und ohne vertrauen. nur mit einem alten rechner.

gute nacht.

erfolgsbilanz heute

schon wieder den halben tag verdaddelt. mit: ausschlafen, reiseorga, einkaufen, netsurfing (inklusive facebookchat zum thema beziehungen und deren verwirrkmächtige enden), noch mehr netsurfen, tomatenpflege und so weiter.

ich genieße das, auch wenn es unmittelbar und kontraproduktiv meine finanzen beeinträchtigen wird. das steht außer zweifel, das lässt sich ganz einfach berechnen.

nun gut, was die geldeinbringende arbeit angeht, so hoffe ich auf heute abend, bis in die nacht, und auf morgen. und auf die unterstützng durch ein wenig disziplin. vielleicht.

die tomatenpflege hingegen war überaus befriedigend, wenn nicht glückbringend. sie machen sich großartig in diesem jahr, was womöglich am wetter liegt. der wenig sonnige und auch nicht so heiße mai hat die pflanzen weder in die höhe schießen lassen, noch die ersten blüten und früchte vor der zeit produziert. jetzt sind die dinger also stämmig und stark und reichen bis fast schon an die letzte stufe ihres klettergerüsts, das in jedem jahr gleich ist.

keine ahnung also, wo das hinführen soll. es ist noch zirka siebzig zentimeter platz bis zur balkondecke, und es ist doch erst mitte juni oder so. dabei ist bislang noch keine einzige frucht errötet, was allerdings morgen schon anders aussehen kann. ich hoffe doch sehr, dann kann ich selbst die allererste verspeisen. und nicht meine diversen gießgäste.

wie auch immer, das hätte ich nicht gedacht. die letzten drei jahre waren in bezug auf tomaten ja eher ein bisschen mau. und in diesem jahr sah es zunächst auch nicht wirklich so gut aus.

let’s call it SUCCESS!

keine klagen (67)

gestern dann doch noch schnell in panik geraten und zwei züge und einen flug gebucht. bleibt noch die fahrt von klagenfurt nach wien am sonntag, da weiß ich noch nicht. aber zeit wars, allerhöchste, schließlich geht es am kommenden dienstag schon los. sonst habe ich die ganze planung immer schon spätestens im januar im sack gehabt. puh! immerhin, hotel und fahrrad sind schon länger sicher. aber nach dem hotel sollte ich vielleicht mal sehen. oder? wär ja blöd, wenn die zwischenzeitlich abgesagt hätten. oder abgebrannt wären.

der eine flug, jaja, ich weiß! aber sonst waren es immer vier flüge, und mehr geld habe ich einfach nicht. der nachtzug wien – berlin hätte meine gesamtfahrkosten gegenüber den vier billigfliegern quasi verdoppelt. das ist sowas von unglaublich.

und ich bin eine so schlechte reisende.

bonding (63)


ein tag in literatur. erst sprechen darüber, dann schreiben, schreiben, schreiben. nicht viel erledigt dabei, knapp zwei seiten mehr, mehr nicht. dann war es plötzlich abend, dunkel draßen, nacht.

dem letzten kapitel musste der letzte schliff verpasst werden, dann doch noch. ein paar schrauben festgezogen und ein paar pinselstriche gesetzt. jetzt erst sitzt es.

dazu musste ich zwei folgen six feet under sehen, hab ich ja alles hier. ganz altmodisch, alle staffeln auf dvd. (also zum ersten mal im original, wo sich mal die gelegenheit ergab. ein hinreißendes hoch auf frances conroy an dieser stelle, die gleich in der pilotfolge ihre figur von grund auf aufreißt. und damit auf einen boden stellt, der sie bis in die letzte staffel trägt.) um dann drei bis fünf sätze dazu schreiben zu können. vielleicht auch sieben, und ein bißchen dialog. (und die restliche zigtaused folgen werde ich nun wohl auch noch sehen müssen, soviel steht fest. alle im original. um bei der letzten wieder endlos heulen zu müssen, ohne jeden zweifel.)

es geht weiter, immer weiter. draußen singt jemand, es ist nicht der regen. es ist eine frau. und sie hört auf in dem moment, in dem ich hier darüber schreibe. ist das ein zufall?

sind worte nur zufall? oder ist es leben, was ich hier tue.

das wahre leben

so viel im kopf. so wenig zeit. wenn alles erledigt ist, dann geht es los, das wirkliche leben. das schaffen.

im alltag sieht das so aus: keine zeit zum schreiben gehabt, nur ein paar ideen. und zweifel über zweifel, die sich aber beheben lassen. alle. durch schreiben.

irgendwann, anderntags.

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