am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

vienna calling

einigermaßen genug entschnupft und enthumpelt, um morgen weitgehend entspannt in den zug steigen zu können. aber ich bin froh, dass es wohl tatsächlich der direktzug sein wird. kein stress diesmal, bitte. dazu reicht es vielleicht nicht. keine umständlichen umsteigereien und endlose verzögerungen. das kann ich diesmal wirklich nicht gebrauchen.

aber ich will nicht motzen, ich will mich freuen. die vorbereitungen waren leicht und überlegt, diesmal. wohl weil das kranksein mir bei aller verrotztheit ein bisschen zeit und raum geschaffen hat, eine art übersicht. das wiener nahverkehrsticket ab morgen ist bestellt und bezahlt, die bahntickets ausgedruckt, auch das für den nightjet zurück. ebenso ist die zugangsprozedur zur unterkunft bereits gesichert und notiert, und – was für eine überaschung – karfreitag ist gar kein feiertag in österreich. nur ostermontag.

damit erledigen sich meine überlegungen, wie ich doch noch irgendwie an lebensmittel kommen könnte, falls die bundesdeutsche bahnverbindung die übliche solide verspätung einfahren sollte. was sie ja im grunde immer tut, und die lebenmittelläden schließen recht früh in wien. aber egal jetzt, der freitag ist frei. jetzt nur noch den wecker, dann ist alles gut. hoffe ich.

soviel dazu, dass ich eine schechte reisende bin. und was für eine schlechte reisende!

verschnupft

rückreise aus leipzig unter erschwerten bedingungen: humpelnd und verrotzt. also rheuma im linken knie und covid, beides auf einmal. so dachte ich, aber weder das eine noch das andere scheint sich zu bestätigen. alle tests sind negativ, es ist einfach nur ein rotz. das bedeutet zwar auch einen dumpfen schädel, brennende augen, ohreninnendruck und lähmende erschöpfung. aber ich kenne es, kann es einschätzen: in drei bis vier tagen ist das vorbei.

das gehumpel hat sich auch verbessert, es scheint sich außerdem um eine rein mechanische verdrehung zu handeln. nichts entzündliches also, auch wenn es nicht entgültig abgeklärt werden konnte. die praxis meiner rheumatologin ist ab sofort dauerhaft geschlossen, habe ich per anrufbeantworter dort erfahren. damit hatte ich durchaus gerechnet, auch ärzte gehen in ruhestand. aber unpassend kommt es natürlich doch.

die ersatzweise konsultierte hausärztin konnte zumindest mit der basisversorgung aushelfen und eine vage arthrosediagnose in den raum stellen. diese hat sich dann heute irgendwie bestätigt, als es in der besagten kniekehle einen schmerzknall tat. also nicht wirklich ein geräusch, vielmehr eine art elektrische schmerzentladung von dem bruchteil einer sekunde. anschließend war das auftreten mit der ferse und anschließende abrollen des fußes nahezu sofort wieder möglich. durchaus noch mit vorsicht zu genießen und auch nicht völlig schmerzfrei, aber deutlich verbessert. ich bin gespannt, was meine physiotherapeutin morgen dazu sagt. da darf ich ja hin, mit negativem test und maske vielleicht. von der erwarte ich mir die bestmögliche aufklärung und diagnose.

einstweilen bin ich froh. ich werde nach wien reisen können. vor allem, weil auch die bahn offensichtlich nicht mehr streiken wird, ja, nicht einmal mein gebuchter direktzug wurde bislang abgesagt. kaum zu glauben.

satt und zufrieden

heute morgen also noch oberübleres wetter als ohnehin schon vorhergesagt, gefühlte minus ein grad celsius. tatsächlich satte drei grad plus, aber genau so war es dann auch. mannomann. ich bin dann auch erst gegen mittag, zwischen zwei schauern los, aber das mit der schauervermeidung hat nicht so recht geklappt. im endresultat bin ich gleich zweimal heute ein klein wenig nass geworden. aber egal.

der vorteil eines solchen wetters ist, dass die messehallen nur laut, aber nicht so sehr atemraubend stickig sind. lange bin ich dennoch nicht geblieben. ein paar leute habe ich begrüßt, ein paar auch gesehen, die mich nicht grüßen, weil sie mich nicht erkennen, einen nicht erwischt. zusätzlich zwei oder drei stände gezielt angelaufen, um zu schauen und zu schnuppern. mehr tut man nicht auf messen, denke ich, nicht als autorin.

menschen, alles voller menschen. aber die rückfahrt klappte gut, sogar mit sitzplatz, was nicht schlecht war, weil ich mehr und mehr zu humpeln begann. was mich gestern noch gewundert hat, buche ich heute unter rheuma, was sonst. mist, verdammt. (nur fünf tage bis wien! bis dahin muss das weg.)

noch einmal vollgefressen im grundmann, gleich hier um die ecke, aber in diesem jahr erst entdeckt. volles programm mit hauptgericht, einspänner(!) und alkohol zum abgang. wie so ein richtig erwachsener mensch, aber mehr ging nicht. alles superlecker, echt teuer und ein bisschen posh, der laden. wirklich vom feinsten. ich bin zufrieden.

jetzt ist gut, jetzt ist fertig. ich bin zurück in der unterkunft und werde diese nicht mehr verlassen. obwohl mir nach ein wneig nachtspazieren wäre. aber sowohl das wetter als auch mein linkes knie sprechen dagegen. leider.

morgen geht es zurück, gegen mittag schon. am nachmittag bin ich in dann berlin, da muss ich gleich an die übersetzungen, die ich am mittwochmorgen habe ausfallen lassen. und vielleicht das auch festplattenproblem lösen, das sich bei den letzten beiden reisen gezeigt hat. meine absolut wichtige externe festplatte will einfach nicht so recht mit dem neuen rechner kommunizieren. auch das muss bis wien weg.

das nervt. das reisen, meine ich. vielleicht meine ich das. ich weiß nicht.

keine not

plötzliches schietwetter, jetzt am abend. nicht allzu kalt, aber nass eben. am morgen gab es noch sonne, wärme und einen spaziergang auf den fockeberg. was eine art müllhaufen ist, das kennt man ja aus berlin. was der krieg so hinterlässt. die straßenbahnen fahren hier offensichtlich gar nicht, das habe ich am nachmittag an einer haltestelle ablesen können. anderswo soll es einen verminderten betrieb geben, so stand es auf der messeseite. nun ja. es gab ein bisschen platz für haushaltskram, leergut wegtragen und so, zwischen bergbesteigung mit anschließendem frühstück in netter begleitung und der vorgesehenen lesung am abend. jetzt gleich also.

man merkt, ich bin nicht raus auf das messegelände. auch nicht sonstwie in den betrieb eingetreten, wie auch. ich hab immer noch keine ahnung. und womöglich tut es auch keine not, ich bin, was ich bin. das ist ohnehin sehr eigen und anders. das ist es, was zählt.

und langsam muss ich mal los. zu fuß. ist nicht weit.

muss, muss, muss

also: hat sich heute alles ein wenig anders entwickelt, als ich mir das gestern so gedacht hatte. wobei: äußerlich betrachtet nicht unbedingt, wirklich erwischt hat mich sicher niemand dabei. wobei: gegen mittag zum beispiel schon den ersten alkohol zu mir genommen, ein klein wenig unter zwang, höchst öffentlich an einem der messestände. gut: leckersten bitter aus der schweiz, wenn mich nicht alles täuscht, das geht in ordnung. hatte ich lange nicht. und überhaupt: menschen getroffen, absichtlich auf sie zugegangen und mit ihnen gesprochen. damit hatte ich gar nicht gerechnet, das war gegen jeden plan. noch weniger: dass ich mich zu neuen ideen so halb fast ein bisschen habe hinreißen lassen.

verdammt!

jetzt ist es dunkel draußen, eher kalt, nicht mehr so stickig und heiß, wie unter den hallendächern. jetzt weiß ich nicht mehr, ob das so gut war. ich schaue in den alten text, abgestanden und mir fast schon fremd, statt mir den neuen vorzunehmen, der so unausgegoren, halbgar und verzweifelt neben mir liegt. (warum eigentlich? was soll der hier? was will ich?) der alte dagegen, der wie angeklebt ist an mir und einfach nicht weg will. oder anders natürlich: kein verlag will ihn haben, so sieht es doch aus. der alte ist lange über seine zeit, er trieft schon und stinkt. ich kann und will ihn nicht mehr sehen. ich will ihn begraben, eigentlich.

ich will nur noch weg.

ich hätte gar nicht erst herkommen sollen, ganz grundsätzlich. immer wieder lande ich bei der einen frage, was ich falsch gemacht haben könnte. und wann, vielleicht vor jahren schon, jahrzenten, eine grundsätzlich falsche entscheidung getroffen. schreiben statt leben. wenn das so ist, dann ist das lange her, über vier jahrzehnte. das ist nicht mehr zu ändern, zu retten.

also: ich muss mich sortieren, ich muss es ertragen. ich hab das so gewollt. ich muss, ich muss, ich muss. das ist alles nicht mehr schön.

kein allerlei

schon wieder unterwegs, ich weiß auch nicht warum. vor allem, weil ich ebenso nicht mehr weiß, was ich auf der buchmesse soll. lange habe ich es geliebt, hier zu sein, habe es mir vom mund abgespart, wie dramatisch. ein tagesticket nur, zu anfang, ein einziger tag, dazu die busfahrt und die nerven. jetzt habe ich ein dauerticket, eine kleine einzimmerwohnung für vier tage und eben war ich zum essen aus. wiener schnitzel, das wollte ich schon lange mal wieder. aber in wien traue ich mich das irgendwie nicht. da habe angst davor, einfach nur so ein blöder tourist zu sein, der seine liste abhakt. das bin ich nicht, nicht dort.

hier in leipzig bin ich das, so sieht es aus. es gibt keinen anderen grund. ich freue mich gerade einfach nur, hier zu sein und nicht in berlin. obwohl ich heute morgen noch die last des reisens deutlich gespürt habe. ich habe sogar die eingeplanten zwei, drei übersetztungsarbeitsstunden ausfallen lassen, hötte mich sowieso nicht konzentrieren können. dafür ist jetzt eine pause im hirn, fast ein bisschen urlaub. ich mag diese stadt, sehr sogar, alles ist gut.

die anreise verlief reibungslos, keine fünf minuten verspätung, das ist quasi nichts. die bahn tut gerade alles, mich zu besänftigen. sollte ich nächste woche tatsächlich in den direktzug nach wien steigen können, werde ich vermutlich auf die knie sinken vor dankbarkeit. nach dem bahnfahrtstündchen heute habe ich auch die richtige straßenbahn auf anhieb gefunden. so ist das, wenn man die fremden städte langsam kennt, wiedererkennt auch, und mag. außerdem ist es dieselbe wohnung, wie im letzten jahr, der exakt gleiche weg. da ist es leicht.

das wetter ist wunderbar warm, heute ist frühlingsanfang. die sonne ist zurück, und sie hat kraft. es wird heiß sein, wie immer, unter dem glasdach auf dem messegelände. mal sehen, ob ich es schaffe, morgen recht früh hinauszufahren. und nicht allzu spät zurück, sonst wird es auf der rückfahrt zu menschenvoll. am freitag dann sieht es schlecht aus: es mag keinen bahnstreik geben, derzeit, aber der hiesige öffentliche nahverkehr macht da einen tag pause, habe ich gerade zufällig erfahren.

mals sehen, wie es morgen so läuft. es gibt kein gedrucktes programm mehr, und die app hat wohl ähnliche macken, wie die der re:publica auch immer, jedes jahr aufs neue. das kommt mir nicht besonders entgegegen, ich verliere ja schon auf papier komplett die übersicht. obwohl ich da rücksichtslos mit eselsohren arbeite. möglicherweise bleibe ich also am freitag einfach in der stadt, setze mich doch noch an anstehenden übersetzungen, an andere schreibarbeiten oder ich laufe ein bisschen durch leipzig.

keine ahnung. diesen geflügelten begriff verwende ich auffallend häufig in letzter zeit.

was ich will

am morgen, beim aufwachen halte ich mir beide hände vors gesicht, als wollte ich nun wirklich nichts mehr. sehen, hören, leben. nicht einmal im traum, denn so habe ich wohl auch geschlafen. gesichtslos, hinter meinen händen versteckt.

dabei ist heute eine art freier tag, an dem ich arbeiten kann, wie ich will. oder eben auch nicht, wenn ich nicht will. so ähnlich mache ich das dann auch, ein bisschen was übersetzen, dann in den baumart und die schuhe vom schuster holen, anschließend wieder was arbeiten und dabei auf den paketboten warten, dessen digital angekündigtse ankunftszeit sich nach und nach um über zwei stunden nach hinten verschiebt.

ich wundere mich ein wenig, ärgere mich aber nicht. ich weiß durchaus, was diese menschen schaffen. am ende stellt sich heraus, das es ein ganz neuer bote ist, der noch dazu mit sechs zum teil riesigen und schweren kisten ins haus kommt. ich höre, wie er versucht, alles im erdgeschoss abzuladen, doch da wimmelt man ihn ab. ich gehe hinunter, weil ich mein paket haben will. damit habe ich die heutige paketsammstelle des hauses gewonnen.

dabei verstehe ich den paketmann kaum und er mich nicht. wir finden auch keine gemeinsame sprache. er bietet spanisch und französisch an, beides ist bei mir kaum vorhanden. englisch dagegen kann er nicht. ich frage mich, von wo er wohl kommt, aber das kann ich ihn nicht fragen. ohnehin arbeitet er angestrengt, kommuniziert mit blicken und gesten, legt vor allem immer wieder die hände zusammen. zum dank, dass ich ihm seine last abnehme und in meine wohnung staple. dabei sollte ich ihm geld dafür zahlen. mein flur ist am ende so voll, dass ich kaum noch durchkomme.

anschließend setze ich mich für eine kleine runde auf die maschine. im grunde muss ich sie nur umparken, auf die andere straßenseite stellen, weil in der neuen kita, dem café, der kneipe oder wasweißichwas gegenüber wohl gerade endspurt herrscht. es wird gearbeitet bis in die nacht, ständig kommen lieferungen: bretter, eimer, möbel, herde. dazu menschen, die das zeug verwenden oder einbauen, vermutlich. jetzt ist draußen für zehn tage ein großzügiges parkverbot eingerichtet, da bin ich mal gespannt. ob es so lange dauert, ein schild hinzuhängen? ob sie die fassade bemalen? oder was?

keine ahnung, aber egal. wie überhaupt alles irgendwie egal ist. was macht es schon, was ich will oder nicht will. das war ein so schlechter tag dann doch nicht heute.

strecke machen

am morgen scheint die sonne in dresden. es wird ein schöner tag, das steht fest. so hätte es gestern sein sollen, aber das war es nicht. ich würde gerne noch bleiben, etwas fehlt noch, das spüre ich. das, was ich will in dieser stadt, etwas, das mir gehören würde. doch die planung ist anders. ich wünschte, ich wäre eine bessere reisende, würde vor allem die wegstrecke nicht so ernst nehmen. so ängstlich und latent wirr, wie oft schon wurde mir das vorgeworfen. aber es hilft ja nichts.

mich heute nicht in das nachstreikbahnchaos zu stürzen, war eine gute wahl. allein die vorstellung, in überfüllten zügen stehen zu müssen, regungslos über stunden, auf einem bein womöglich. da steht dann doch mein vergleichsweise harmloses rheuma dagegen. die abwicklung der rückfahrt via autobahn verläuft reibungslos. der bus ist pünklich, fährt die strecke glatt durch und kommt pünktlich an. die bahnen in berlin fahren wieder. gut.

unterwegs lese ich ein halbes buch. kein dickes, keine zweihundert seiten, aber immerhin. nur dass ich dazu immer fahren muss, bzw. gefahren werden muss, das muss ich überdenken. dass meine lese- und denkräume nur noch auf strecke stattfinden, auch in der u-bahn, auf dem weg in die arbeit zum beispiel. zu hause findet das kaum noch statt, keinen ahnung. warum?

denkräume und schreibzeiten, denken und dann schreiben also. ins leere greifen und wissen. wie ich das vermisse!

dass ich den neuen, anzugehenden text mit nach dresden genommen habe, war ein unsinn. das hätte ich wissen müssen, dass dafür die zeit zu wenig sein würde. dazu hätte ich länger bleiben, länger planen müssen, vor monaten schon. aber was weiß man schon so weit im voraus. besonders, wenn man eine so schlechte reisende ist, wie ich es eben bin.

jetzt ist es dunkel draußen. und ich verstehe überhaupt nicht mehr, warum ich diese reise von grund auf so schräg angelegt habe. es hätte schön sein können.

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