raum für notizen

untermenschen *

10. Juni 2022 - 12:07

sie ist wieder da, die re:publica. und ich auch, ich bin da. übrigens mit meinem alten ticket aus dem jahr 2020, legendär. zweimal soll es in der zwischenzeit eine digitale re:publica gegeben haben. ich hatte sogar versucht, irgendwie dahinzufinden, wenn ich mich recht erinnere. aber für mich ist das nix, mich noch ausgeschlossener zu fühlen als sowieso schon auf solchen massenveranstaltungen. das halte ich in echt schon kaum aus.

so ist es auch diesmal. der erste tag verging in panik vor den menschen, den massen. es ist wirklich voll, und trotz viel draußen, alles immer offen und maskenempfehlung bzw. maskenpflicht in den kleineren räumen, bin ich zusätzlich zu der üblichen anspannung unter menschen doch auch besorgt, weil ich ja in zirka zehn tagen verreisen will. ganz sicher verreisen, muss, ganz wichtig, nach klagenfurt nämlich. live und in echt, vor ort, kaum zu fassen eigentlich.

aber ich schweife ab. viel sehen und hören kann ich auf der re:publica diesmal nicht, noch weniger als ich sonst schaffe. zum beispiel habe ich es nicht zu carolin emcke geschafft, obwohl das fest auf dem plan stand, weil die angst vor dem engen raum und der zu erwartenden masse zu groß war. und leider war gerade keine*r anwesend, um mich fürsorglich einfach mitzunehmen.

auch heute lasse ich es langsam angehen. noch sitze ich zu hause, die tomaten sind im plötzlichen sommerwetter explodiert und wollten angebunden werden, es gab ein paar kleine übersetzungssachen zu erledigen und überhaupt. ich will es bis in den abend schaffen, vielleicht tocotronic sehen, die ich (erst) in letzter zeit ziemlich mag. wobei das vermutlich wieder nicht gehen wird, weil es derselbe enge raum mit dem einen, kleinen eingang an der schmalen seite sein wird.

ohnehin ist ja morgen erst mein tag, da findet die offensichtlich recht kurzfristig neu erfundene .txt statt. das wird gut, hoffe ich, spannend und greift hoffentlich voraus. (soll ja auch in zukunft weitergeführt werden, wie ich gehört habe. da könnte die re:publica – zumindest im umfeld – tatsächlich nochmal richtig interessant werden.)

aber jetzt muss ich schnell noch was einkaufen, man kommt ja trotz allem zu nix bei so einer konferenz.

* eigentlich natürlich übermenscht

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06. Juni 2022 - 23:42

gegen mittag den helm geputzt, die kluft entstaubt und eine kleine runde gedreht. das motorrad läuft hervorragend, ich weiß nicht, womit ich das verdient habe. dazu war es die erste fahrt mit der neuen brille. auch die funktioniert außerordenlich gut. es ist eine immense erleichterung, den navibildschirm mit einem kurzen blick lesen zu können. die straßennamen, die geschwindigkeit, 30 oder 50. alles steht glasklar da. die fernsicht ist auch etwas besser, aber das war ja nicht so das problem. zum glück.

es ist mir seltsam fremd, das hier zu schreiben. es hat keinen wert, scheint mir eher unangemessen, fast sogar unverschämt. there are no more words, hat mir gestern jemand erklärt. kann durchaus sein, denke ich. worte aber sind meine aufgabe.

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kein dreck mehr

05. Juni 2022 - 13:46

die maschine, das olle motorrad, ist wie ein alter trecker. ich kann sie stehenlassen, in dreck und regen, sie lebt doch immer noch. springt an innerhalb weniger minuten, tuckert dann vor sich hin mit den üblichen kleinen aufschlucksern. so kenn ich sie.

natürlich muss zuvor die batterie, inzwischen ja mehr ein akku, keine säure, kein geblubber, ausgebaut und geladen werden. was kein problem ist, inzwischen habe ich zwei davon, da ist ein schneller wechsel garantiert. beim check der elektrik zeigt sich jahr für jahr zunächst der immer gleiche fehler: das rücklicht will nicht. das liegt am zündschloss. ich arbeite also mit ruckeln und rütteln, puste graphit in den schlitz und verteile es mit dem schlüssel. hundertmal hin und her, so weit es geht. lange passiert da nix, und jedesmal denke, dass es das dann wohl mal war.

der schlüssel, obwohl es egal ist, wie herum er eingesteckt wird, will wegen der rücklichtproblematik nur auf eine weise eingesteckt sein. das bleibt das ganze jahr so, immerzu muss ich vor dem losfahren schauen, ob das licht auch wirklich an ist. besonders nachts, und ständig bleibt da die angst, dass es irgendwann einfach gar nicht mehr geht. dann stehe ich da, es gibt ja nur eins. ein rücklicht. (gut, ich bin auch schon zwei stunden autobahn gefahren, nachts ohne rücklicht, indem ich den bremslichtschalter der fußbremse hochgedreht habe, sodass einfach dauerhaft das bremslicht an war. das hat funktioniert, war aber nicht angenehm.)

natürlich geht das rücklicht jetzt, aber es hat länger gedauert als das erste anspringen. nach monaten, vielleicht ein halbes jahr. so spät war ich lange dran nicht mit diesem alljährlichen erweckungsprozess. zum teil liegt das wohl daran, dass ich nicht mehr zur arbeit fahre, sondern jeden morgen einfach ins wohnbüro gehe. und es liegt an dem neuen e-bike, dass auf dne kleinen alltagswegenso mächtig spass macht. und den radradius ziemlich erweitert hat. es hat es tatsächlich geschafft und die motorradliebe ein klein wenig verdrängt. erst gestern war da plötzlich dieser impuls.

nach einer weile habe ich also herausgefunden, welche schlüsselseite die richtige ist und ein paar wiederholungen haben gezeigt, dass weiterhin eine grundsätzlich verlässliche lichtsicherheit besteht. wenn ich die bedingungen berücksichtige, so wie jedes jahr. zusätzlich habe ich mir eine kerbe in den schlüssel geritzt, damit ich ab sofort nicht mehr probieren muss. das hätte mir auch mal eher einfallen können.

am längsten ging das putzen. die sitzbank, der tank, die koffer und die griffe. kurz: alles, was regelmäßig angefasst wird. die spiegel blank waschen, alle lichter und das schild. (immer auch schauen, ob es nicht inzwischen auseinanderfällt.) putzen ist ein dreck, so ein maschinendreck. der geht schwer ab, das schmiere und öl im zweifel. das bleibt an den händen, den fingern, in den hautritzen, überall. schön ist das nicht, aber egal.

du willst dir doch später mal nicht die hände schmutzig machen müssen. das hab ich als kind oft gehört, wenn es darum ging, dass ich mich in der schule anstrengen soll. und nun? da arbeite ich alles, was ich arbeite, am pc oder im netz, alles mit worten und so. kein dreck. und mache mir immer noch die finger schmutzig. so schmutzig, dass es sich nicht so einfach wegwaschen lässt. dass ich warten muss, dass es rauswächst. das hat mein vater behauptet, dessen hände nie sauber waren. ich denke nicht, dass das stimmt. er hat sich einfach nicht gekümmert, es war ihm egal.

man kommt nicht an gegen den dreck, die eigene herkunft. da lässt sich nichts wegwaschen, das muss sich verwachsen.

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bergfrei

24. Mai 2022 - 22:48

seit über einer woche schon ist du küche so gut wie fertig, besonders seit der neue kühlschrank endlich da ist. der freude darüber steht allerdings der erneute wasserschaden entgegen, den mir der nachbar von oben beschert hat. alles wieder nass, küche und bad, wie schon einmal, etwas über ein jahr ist das her. (so kam das, ursprünglich, mit dem renovierungswahn von bad und küche.) da kommt einfach keine freude auf. auch keine wut, immerhin. nur dieses dumpfe gefühl, dass es nie gut sein wird. nichts, so sehr ich mich auch bemühe.

inzwischen sind die dunklen flecken auf der gerade frisch gestrichenen küchendecke einigermaßen getrocknet, jetzt sieht es nur noch so aus als hätte da wer hingepisst. das werde ich bald überstreichen können, vielleicht wenn ich aus wien zurückkomme. vielleicht auch schon zu pfingsten, mal sehen. weiße farbe fürs bad habe ich schon besorgt, das ist kein probem. aber ob das bisschen restgrau für die küche reicht? das wird sich zeigen. im grunde ist es mir egal, dann bleibt halt die pisse. (so gehört das.)

nein, es ist kein guter tag. es ist keine gute zeit. es gibt keinen boden mehr, die letzten zwei, drei jahre haben mir viel genommen. illusionen! das ist gut, ich muss und ich kann ohne.

problematisch ist nur das mit dem schreiben. damit verliere ich anderes und mehr, und es fehlt genau das. dabei weiß ich, dass ich schreiben könnte, ohne probleme vermutlich. es gibt keine blockade. es gibt nur die leere, die alltägliche lebensleere, die alles andere schwer bis unmöglich macht. bis zur erschöpfung, tag für tag.

da ist eben keinen boden, nicht mehr. und es gab ihn wohl nie, ich erinnere mich genau. wie ich als kind bei jedem schritt dachte, ins leere zu treten. (und ins bergfreie zu fallen, wie die kumpel sagen. allein.) in das mich umgebende nichts. so sollen kinder nicht sein, ich weiß.

aber wen kümmert das schon.

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endlich

22. Mai 2022 - 23:52

ich sollte schreiben, wenigstens in dieses blog. jeden tag einen satz oder so, wenigstens. (nee, das wird ganz sicher nichts.) aber für heute vielleicht den, den ich schon so in etwa getwittert habe.

was ich habe, was mich hält im leben: dieses tiefe vertrauen in meine sterblichkeit.

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früher war alles

06. Mai 2022 - 00:44

nach der österlichen küchenrenovierraserei, mit zwei wochen pause also, bedingt durch die zeitweilige nichtnutzbarkeit der rechten hand, heute mit der noch unvollendeten küchenarbeit weitergemacht. und ich bin dumm, ich reiße die letzten tapetenreste ab, das dauert, und verspachtel anschließend auch noch (nicht nur meine) meine bohrlöcher. obwohl ich an genau der stelle in den nächsten tagen oder so eine vertäfelung anbringen werde. ich hätte es also einfach so lassen können, ist doch egal, sieht ja keine*r. aber ich bin so, ich kann nicht anders. ich will es schön, auch darunter. gerade darunter.

immerhin streiche ich nicht auch noch darunter, das habe ich mir gegenüber durchsetzen können. auch, weil ich nicht mehr genug farbe habe, das hat mir die entscheidung ein wenig erleichtert. bei der arbeit einen antiken dübel gefunden, einen kleinen holzblock, der in die mauer geschlagen wurde. saß noch noch stabil und fest, wird wohl auch so bleiben. gleich darunter zwei moderne plastikdübel von mir, zufällig dort gesetzt, durch die zuvor angebrachte tapete. darum herum ein großes bröselndes loch, das sich kaum verspachteln lassen wollte. ich weiß nicht recht, welche methode in den fall das bessere bild abgegeben hat. rein optisch das holz, aber da war ja mein regalbrett nicht angeschraubt. vielleicht nur ein bild, irgendwann.

was anderes: wien. nachdem mir bereits drei buchungen geplatzt sind, tatsächlich, war ich nicht mehr sicher, ob ich den für 2020 bereits gebuchten besuch wirklich nachholen wollen würde. oder sollen vielleicht. dann hat es aber gleich auf anhieb geklappt, eine ziemlich kleine, dafür aber superzentrale hütte für einen fantastischen preis. jetzt also doch, alles wird gut.

die euphorie wollte es, dass ich mich gleich danach auf die seite der österreichischen botschaft in berlin begeben und einen termin gebucht habe. ging ganz leicht und war schon für anfang august möglich. einen deutschen pass zu beantragen dagegen scheint in berlin gerade so gut wie unmöglich, die termine in den bürgerämtern ab juli sind offensichtlich noch nicht einmal freigeschaltet.

jetzt bin ich gespannt, ob ich im konsulat einen pass kriege. ich habe nichts gefunden, was dagegen späche, abr wer weiß. dennoch: dann könnte ich nach so ungefährt 45 jahren, was ich damals mit 13 schon wollte. beides haben und sein.

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aktiviren

02. Mai 2022 - 00:28

ich könnte mich zwingen, darin bin ich gut. ich könnte nach der uhr arbeiten, schreiben. so wie man auf konzerte geht, ins kino oder theater. einen platz buchen und anwesend sein, egal wie. so machen es doch alle. nur ich, sturkopf, will, wenn es wichtig ist, immer noch das eigene leben. so sehr es mir auch ausgetrieben wurde, von anfang an. wozu gibt es das sonst, das eigene.

schreiben ist wichtig. vielleicht sollte ich mir das groß an eine wand schreiben, oder als mantra jeden morgen meditieren. besser noch jeden freien, unbedachten moment. doch ich kann das nicht oft und viel zu oft nicht leiden, dieses sitzen und atmen. nichts tun, nur lassen.

am allerbesten wäre wohl eine art aktive meditation: das schreiben.

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erzählen können

28. April 2022 - 21:51

über vier wochen schweigen.  ich hätte erzählen können, wie ich das e-bike kaputtgefahren, dann teure ersatzteile in england bestellen habe und fast zwei wochen auf die reparatur warten musste. oder wie mir ein verklemmter nerv im nacken über wochen zwei finger der rechten hand taub gemacht hat. immer noch, und das ist wirklich übel. ich hätte erwähnen können, wie schön ich diesen frühling finde. ein wirklicher frühling in berlin, kühl und gemächlich, das ist so selten hier. am liebsten hätte ich ganz groß davon geschwärmt, wie ich entdeckt habe, dass vor meinem schlafzimmerfenster in nicht allzu langer zeit die längste fahrradstraße berlins befinden wird. sie bauarbeiten rücken näher, und ich schäme mich ein wenig, dass ich dieser tage erst begriffen habe, was da passiert. aber es passiert, im laufe eines jahres oder so. alles wird verkehrsberuhigt und asphaltiert, das ist schön.

ich hätte erzählen können, wie ich das rennrad verkauft habe. das war ein bisschen schwer, aber das ist eben vorbei. ich brauche es nicht mehr. ich hätte erzählen können, wie ich angefangen habe, die küche zu renovieren. also den scheißteil von renovierung, tapeten runter und neue farbe drauf. ich hasse das. und es zieht sich, es wird einfach nicht fertig, auch wegen der tauben finger. aber es wird, und es wird gut. in einer wohnung die küche zu machen, das bewegt etwas. küchen sind so etwas wie das emotionale zentrum des lebensraums, wie auch das bad. das bad hab ich ja auch schon gemacht. erst kaputtgemacht, dann war es fertig, irgendwie. also fast fertig, da muss noch der boden, aber später.

ich hätte auch erzählen können, dass ich nicht mehr schreibe. nicht an dem neuen text, auch nicht an dem alten, der überarbeitung. mitten in einem kapitel bin ich ausgestiegen, vor wochen war das. so war es schon einmal, ganz zu anfang. jahre ist das her, jetzt ist der text so gut wie fertig, alles nur noch bereinigung, bei der kaum noch etwas schiefgehen kann. und ich tue es nicht. wozu? es ist keine welt mehr, in die das passen würde.

es ist krieg. ich denke, es gibt nichts mehr zu erzählen.

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21. März 2022 - 23:55

ich sage nichts, weil ich nichts zu sagen weiß. es bleibt ein elend, alles. das sage ich, obwohl ich weiß, dass das immanente wachstum immer gewinnt. am ende bleibt der mensch doch mensch. und strebt ins freie, um den raum zu erfahren. nicht um ihn zu besetzen, zu besitzen gar. aber doch, um nach möglichkeiten zu suchen, nach gemeinsamkeit.

und die gewalt, die fügung verlangt, anpassung in die vorgegebenen winkel und ecken, kennt es nicht, dieses prinzip des wachstums. oder sie kennt es nur zu gut, weiß ganz genau, was wie von selbst geschieht. nach dem eigenen sieg, der vermeindlichen völligen vernichtung des anderen. dann, wenn die nächste phase beginnt.

enge lässt sich nur halten, immerzu, mit großer kraftanstrengung. das immense innere wachsen dagegen, der wille in die weite, das ist die wahre natur des menschen.

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ich weiß nicht

12. März 2022 - 00:29

nach der physio liege ich eingewickelt auf den fangopackungen und verabschiede mich von der welt. ganz langsam, durch die bekannten phasen der zerfaserung, darunter auch eine episode des glücks und der klarheit, verliere ich den verstand. ich sitze auf der kellertreppe in dem alten zechenhaus und schaue auf eine werkbank, ein schraubstock oder etwas in der richtungh. dahinter ein regal, doch das ist kaum zu erkennen, was darin sein könnte. es gibt kein fenster, kein licht. alles ist staub, kohlenstaub, der überall eindringt. in die ritzen und spalten, in die poren der haut. alles ist erinnerung.

ich sehe hin, ich halte es aus. ich weiß, es ist ein traum, aber ich will mehr, will es wissen. ich echt war ich dort nie oder selten zumindest. da gab es kohlen und kartoffeln, einweckgläser vielleicht. der boden war erde, war dreck. so stehen häuser, ohne esstrich oder beton. nicht einmal ziegel. wo leben die mäuse und ratten, finden ihren weg.

mehr weiß ich nicht von diesem ort. ist es der krieg? ist es die art von angst, die sich nicht vermeiden lässt, nicht beherrschen.

was ist dort geschehen?

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