am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

erst als ich im wasser bin, sehe ich all das blut. ich schwimme inmitten von toten tieren, toten menschen, in fetzen und brocken von fleisch und von blut. ich schwimme weit hinaus, wie die anderen, die auch noch leben. wir sind viele, es ist eng. es gibt nur den einen weg. nach einer weile wird das wasser klar, ich schwimme gleichmäßig und ruhig, wie noch nie zuvor. an einer stelle bleibe ich. ich habe keine angst mehr, zu ertrinken, nicht in wasser, nicht in blut, in diesem lebendtoten rot. auf einmal bin ich allein, da ist niemand mehr. kein mensch, kein tier, kein leben. dann will ich zurück an land, nachsehen. will alles wissen.

ich stelle fest, daß das ufer mir kilometerweit entgegengekommen ist. kein blut mehr, das land ist vertrocknet, nur aufgerissene, harte erde, auf der ich laufe. immer weiter, immer noch allein, als hätte niemand überlebt. das kann nicht sein, denke ich, als ich mich im bett wiederfinde. ein neuer tag wartet, ich muß weiter.

langsam wird mir klar, daß das, was mich in den letzten tagen und insbesondere heute derart gebeutelt hat, eine seltsam ausgeprägte migräne gewesen sein muß. sehr seltsam ausgeprägt, besonders die nahezu brachialen nackenschmerzen seit gestern nacht. als wäre ich gegriffen worden, von hinten gepackt und niedergerungen, daß selt abklatschen nicht möglich ist. das plötzliche verschwinden dieses zustands bringt mich auf die idee. auch der verbleibende leichte torkelzustand und die hormonelle grundstimmung. wann es damit wohl endlich mal gut ist. i wonder.

going (14)

bewußt zügig über das dritte kapitel gelesen, das ich vorgestern für einstweilen erledigt erklärt und ausgedruckt habe. sicher war ich nicht, geht aber, wie ich eben festgestellt habe. ist zumindest nicht mißlungen, ganz okay sogar. kann so liegen bleiben oder abhängen oder was auch immer. da geht wohl nichts mehr schief. die letzte sequenz war wohl auch deshalb so schwer, weil sie oberflächlichkeit darstellt, mißverständnisse und unerreichbarkeit. zwischenmenschliche zeitverschwendung.

damit erstmal genug und ab ins nächste kapitel. klein und fein und sehr intim, so der plan.

jetzt: erstmal raus hier, atmen, den weg finden.

monster

immer wieder gegen morgen, dicht unter der oberfläche des schafens, häßliche träume über familienzusammentreffen. nicht über die vergangenheit allerdings, vielmehr über die verlassenheit inmitten von blutsverwandtschaft, dieser wahllosen ansammlung von fremden menschen, unter denen ich, die ich bin, wie ich bin, mir selbst wie ein verzweifeltes monster erscheine. was ich nicht bin, ich bin nur verloren unter den regeln und gesetzen der verpflichtung. oder was ist das? familie? was anders als sinnlose pflichterfüllung und verfügbarkeit?

aber ich verrenne mich. wohin das führt, da ist kein weg. kein körper, keine seele.

und es ist ja auch nur, weil ich über familie schreibe, schreiben will, für die nächsten zirka 150 seiten noch. für das nächste jahr also, so in etwa, werde ich monster betrachten und gelegentlich beschreiben. müssen.

nicht aber beleben. versprochen.

auf der messe erfahre ich von der unmittelbar bevorstehenden veröffentlichung meines neuen buches. angst und freude mischen sich, bis ich das cover sehe. mein name über einem nicht mit mir abgesprochenen titel, irgendetwas mit SCHULD. in das buch hineinzusehen wage ich nicht. mir ist klar, daß es nicht erkennen werde, daß es nicht von mir sein kann. so gehe ich in die präsentation und lesung. so werde ich wach.

nachts auf dem motorrad nach hause fahren, immer auf diesen riesigen, unvollständigen mond zu.

voller tag. unglaublich voller tag, nicht nur von schreiben. arbeit über arbeit.

going (13)

und es kam genau so, wie ich es angekündigt hatte. das pflichtstück strengt an und will einfach nicht richtig werden. zweimal bin ich durch, mußte viel sortieren und ergänzen, damit es überhaupt ein kleines bißchen in fluß geraten konnte. fast verdopptel hat der umfang der sequenz dabei. nicht schlecht, aber trotzdem auch nicht gut. es stimmt einfach nicht, es geht nicht zusammen, der ablauf vor allem, die logik, ebenso der ton und der stil. verdammt!

noch nicht. morgen weiter.

außerdem sollte ich nicht motzen. wenn es morgen auch nur halbweg läuft, dann wäre das das erste mal, daß ich eine solide erstfassung eines kapitels knapp einer woche geschrieben hätte. was höchst verwunderlich ist.

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