nachts beim tango. jemand, den ich eine weile nicht gesehen habe, freut sich und fragt, wie es mir geht. gut, sage ich. sehr gut. keine ahnung, warum ich das sage. scheint wohl zu stimmen.
wir tanzen übrigens nicht. man tanzt nicht mit allen.
zirka zehn seiten wird das dritte kapitel haben. etwas mehr als zwei davon sind noch zu überarbeiten, morgen. dann geht es nahtlos ins vierte kapitel, das bereits grob vorskizziert ist. sollte erheblich kürzer werden, denke ich. aber wer könnte das sagen?
wenig bis nichts von dem, was ich gestern einfach so runtergeschrieben habe, wie vielleicht noch nie zuvor, war untauglich bislang. im gegenteil. problematisch sind allein die verbleibenden gut zwei seiten. eine kurze dialoglastige episode, die vorwiegend information zu befördern hat, darüber hinaus lediglich ein eher weniger wichtiges familienfeierstimmungsbild zeichnen soll.
schwierig. es ist die pflichtarbeit, die mitunter am meisten beißt. morgen, wie gesagt.
dagegen steht die reine schreibfreude. heute war fast alles kür!
in sachen „messer schärfen“. schleifstein gefunden und damit ein wenig ahnungs- und erfolglos herumgeschliffen. nur die billigmesser wollten gelingen, nicht die schicken japanischen klingen, mit denen früher papier gespalten werden konnte. die machten zwischenzeitlich eher den eindruck, als würden sie von mir heute vollständig ruiniert werden. also ins internet und mich informiert, vor allem über schleifwinkel. hatte ich noch nie gehört, auch daß man schleifsteine wässern sollte.
ab da ging es aufwärts, jetzt sind alle klingen scharf. so einigermaßen zumindest. erstklassig ausgeführt ist das ganz sicher nicht, dazu ist mein material, besonders der billigschleifstein, den ich vor jahrzehnten für eine axt gekauft habe, viel zu miserabel. aber fürs erste. außerdem, mal wieder was gelernt, soll man im fortgeschrittenen alter nicht vernachlässigen.
kopfschmerzen am morgen nach einer nicht allzulangen tangonacht. zu müde war ich, beinah wie ausgeschaltet, vielleicht von den fünf seiten in drei stunden. die auch jetzt, bei nachträglicher durchsicht ziemlich solide aussehen. ich weiß es nicht. ich weiß so vieles nicht.
an die arbeit. weiter im text.
mit der arbeit schon gegen zwölf gegonnen. drei stunden geschrieben, wie von selbst. gestern zwei seiten, heute fünf, damit ist das dritte kapitel durch. nicht fertig natürlich, da ist noch viel zu überarbeiten. aber eben durch, in drei tagen. ich weiß echt nicht, was los ist, gerade.
meine arbeitsweise hat sich ziemlich verändert, soweit ich das bislang beurteilen kann. nach der jahrelangen schreibenden internetexistenz denke und arbeite ich offensichtlich viel weniger linear. ich knüpfe ein loses netz aus verschiedenen zeiten, lasse viele löcher dabei, absichtlich oder zufällig. ob es letztendlich paßt, das wird sich noch zeigen.
auch das hat sich womöglich geändert. das wissen darum, daß nichts fix ist, selbst wenn ich es einstweilen so festschreibe. ändern oder ganz löschen geht schließlich immer, also erstmal losmachen und sehen, was passiert.
letzteres könnte aber auch am alter liegen. vertrauen auf den flug.
jetzt: tango!
spät angefangen, sehr spät. mutlos gewesen, gezweifelt an der tiefe, an der weite des stoffs. mein kleines ich, was kann es schon tun? dann strecke gemacht, den erzählpfad mit groben brettern ausgelegt, dialogfetzen und raumbeschreibungen notiert. etwas mehr als eine seite voller seile und ösen zum daran entlanghangeln. das war viel leichter als gedacht, das ist es immer in letzter zeit. das überrascht mich. noch bin ich unsicher, ob ich darauf vertrauen darf.
in diesem vorsichtigen voranschreiten eine idee gehabt, wuchtig und zündend. wenn es so ist, bin ich überwältigt, jedesmal. wenn aus dem nichts sich etwas findet. schnell notiert in dem neuen, leuchtendhellgrünen notizbuch, extra für die schreibarbeit angeschafft. ebenfalls heute. das alte, in dem ich über die letzten jahre alle versuche zu notieren, zu begleiten versucht und doch nur das immer wieder neuerliche scheitern dokumentiert habe, hat ausgedient und ist unvollendet in den müll gewandert.
es muß nicht alles vollendet sein, im gegenteil. es kann nicht einmal auch nur irgendetwas jemals vollendet werden.
freitag ist es, ein sturer vollmond obendrein und die dreizehn schlägt es, unverkennbar. hormonelle spielereien geben das letzte, vielleicht, weiß frau ja nie in meinem alter. den ganzen tag war mein hirn träge und schwammig, wie es sich unter dieser kombination gehört.
zu tun gab es zunächst nur das, was auf den fleißlisten steht. emails schreiben, backups und updates fahren, einkaufen gehen, die hälfte vergessen dabei, den langjährigen einkaufsrucksack kaputt machen und dann auch nochklatschnaß werden vom regen. anschließend blieb nur bügeln zur beschwichtigung.
gegen sieben dann doch noch an die arbeit. erst ein kleiner auftrag, mit dem ich schnell durch war. dann ans schreiben, die datei öffnen und in den text springen. hätte ich nicht gedacht, nach dem traum heute morgen, der mich doch sehr an meiner größe zweifeln ließ. mir ein haus kreieren in meinem zimmer? in meinem kinderzimmer, wie es mir beinah schien? eine pappschachtel?
aber warum nicht?
ein haus gebaut, ganz allein. eines aus papier, an dem ich lange konzipiert habe, damit es in mein zimmer paßt. während der fertigstellung dann leider festgestellt, daß mir das alles zu eng wurde. nur ein paar zentimeter zwischen matratze und zimmerdecke, gerade so viel, daß ich mich zum schlafen hätte hineinquetschen können. wie soll ich so leben, wie konnte ich, denke ich. noch vor dem aufwachen.