am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

gegen mittag bereits ans schlafen denken, nur kurz, wegen des versäumnisses in der vergangenen nacht. den tag dann doch einfach weitermachen, die dinge tun, die eben getan werden müssen. immer weiter, sogar im bad, die fugen, trotz bleierner schwere. mir beinah selbst schon sorgen machen aufgrund der übermäßigen physischen erschöpfung.

gegen neun dann, kurz nach dem essen, in den text schauen und ihn scheiße finden, platt und ungelenk. daraufhin ins arbeiten geraten, und sechs stunden später fast fertig sein. fertig und fertig, fix und. aber zufrieden.

zirka sieben seiten in knapp zehn tagen, fast aus dem nichts. geschöpft. zwei weitere ansätze gefunden und notiert, außderdem ein genialer titel, der nicht verschenkt werden sollte. (und das bad, das nicht zu vergessen, daneben die laufenden geldverdiengeschäfte, auch nicht ohne.)

ich weiß, jetzt kriecht mir das blei zurück in den körper. und morgen werde ich diesen tag und diese nacht schwer bereuen.

schreiben ist ein ebenso göttliches wie tödliches handwerk.

kaum geschlafen und von da aus direkt in die klassische massage. die hände der frau drücken tief in meinen panzer, dann soll ich sagen, ob es zuviel ist und wann der schmerz nachläßt. ich weiß nicht, wie ich das machen soll. seit jeher (er)trägt mein rücken alles, was ihm aufgeladen wird, und schmerzen sind nicht der rede wert. im gegenteil, die rede von den schmerzen ist gefährlich, man wird bewertet, beschimpft und zusätzlich beworfen, wenigstens. (nur hier mitunter nicht.)

anschließend weiß ich nicht mehr, wie ich mich aufrecht halten soll, ob das die müdigkeit ist? aber das gesicht ist frei, wie selten. für eine oder zwei stunden vielleicht, während ich durch ein paar straßen ein wenig im kreis schleiche, durch die sonne. dann bin ich zurück.

es müßte doch möglich sein, den käfig zu weiten, wenigstens ein wenig. von auflösung oder freiheit träume ich nicht einmal mehr.

es ist die kälte, die kälte macht mich fertig, nicht der krieg. ich hocke am straßenrand und betaste die wenigen dinge, die mir geblieben sind. die alte uhr zum beispiel, die schon lange nicht mehr läuft. als ich aufstehen will, falle ich stattdessen und bleibe auf der straße liegen. dann finde ich ein offenes haus, unverriegelt, nicht verbarrikadiert. keine ahnung, wie ich hineingelange, aber innen ist es warm. an die großen heizungen komme ich zwar nicht heran, die sind umringt von menschenmassen, etwas abseits finde ich aber ein warmes stück rohr an einer wand. dort hocke ich mich hin und strecke die hände aus, das ist genug. bis ich wach werde, denke ich. vorher kommt aber noch der mann und sagt, ich könne auch bei den tieren schlafen.

viel arbeit heute, also für meine verhältnisse, vor allem über den ganzen tag bis in den abend verteilt. fertig jetzt. richtig fertig, aber hell und wach und bereit. nur wofür?

es kaum zu fassen, nur etwas über vier jahre nach dem beginn der badrenovierung steht diese nun kurz vor der vollendung. wobei ich im grunde, wenn ich genau hinsehe, schon sehr genau erkennen kann, daß ein erneuter frischern anstrich nicht mehr allzulange, aber lassen wir das. sonst hört es nie wieder auf, das kenne ich doch.

nachteil der exzessiven herumkriecherei auf dem badboden sind außerdem die schmerzenden knie, der muskelkater überhaupt und überall, die vielen kleinen kratzer und wunden an den händen und armen, hämatome auch,  sowie eine körperliche erschöpfung, die sich auf die ohnehin bestehende allgemeine erschöpfung oben aufsetzt.

aber egal. ich bin sehr glücklich mit dem neuen badboden, der es endlich überflüssig macht, überall auf den häßlichen kalten weißen fliesen ebenso häßliche stoffetzen zu verteilen, wie es wegen der bisherigen fußkälte unvermeidlich war. soll der winter doch kommen, mir doch egal, diesmal.

zwingen & schmiegen

nach monaten endlich doch mit dem badboden angefangen, gestern bereits, und heute fast schon fertig geworden. nur noch die ränder, die nötige abdichtung, damit möglichst kein wasser von der seite her darunterkriechen kann. das wäre das fatal. also silikon und los, wie das in berlin so üblich ist. hier werden sogar fußleisten mit silikon angeklebt, hab ich schon oft gesehen. da mach ich das doch ganz einfach auch mal.

egal. alles grandios gelaufen, kaum verschnitt, winzkleinkram, nur das absolut notwendige. zu guter letzt noch gut gedacht und schlau gesägt, damit das schmale schwellenstück auch noch drin ist. hat ebenfalls geklappt. das heißt, daß ich ein komplettes paket zurückbringen kann, weil ungeöffnet, und dafür silikon und fußleisten kriege.

und die arbeit eine pracht. selbst die rundungen, vor denen es mir gegraust hat. kein problem, ich kann es einfach. manche menschen mögen zwei linke hände haben, ich habe – warum auch immer – vier rechte. (wobei links und rechts, naja.) ich arbeite mit händen und füßen, mit knien und schultern, alles muß helfen. die stichsäge in der rechten hand einen längstschnitt ansetzen, ziemlich am rand, mit der linken das brett auf der werkbank halten und dann, als das material zu flattern beginnt, es mit dem linken knie halten und auf einem bein weitersägen. gut, das ist nicht zur nachahmung empfohlen, das sollte auch ich besser nicht noch einmal versuchen. so etwas geht nur an wirklich guten tagen. oder es kommt vom tangotanzen, die achse und so.

eine zwinge zu benutzen wäre sicherer gewesen, ja, und tatsächlich habe ich danach doch noch eine zwinge vorgekramt. zwingen sind gut und wichtig, als unempfindlicher festhaltehandersatz, aber ich liebe sie nicht. allein schon das wort. dazu dehnen sie die arbeit mitunter lästig in die länge. die schmiege dagegen, wie ich die schmiege liebe. dieses wort! und ich brauche sie so selten, heute nur dreimal. ach.

die beiden allerdings, zwinge & schmiege, wohnen, wenn sie nicht im einsatz sind, einträchtig auf demselben regalbrett. das ist es wohl, worauf es ankommt.

nach derart schlaflosen nächten wie der vergangenen sehe ich mich an und sehe mich alt, wirklich alt. da hilft nichts mehr, auch kein lachen oder auslachen.

die intimität von gewalt, die es zu bewältigen gilt.

und meer brauche ich, dringend, ein kleines bißchen meer. vielleicht fahre ich für einen tag, einen einzigen tag nur, kurze vierundzwanzig stunden, nächste woche oder die woche danach. vermutlich aber eher nicht.

ich lebe wie eine gefangene. wann hat das eigentlich angefangen?

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