raum für notizen

#insight

12. März 2021 - 00:42

heute als erstes zum friseur. komisch, als würde ich alles tun, was möglich ist. wie ein idiot, nur weil es wieder möglich ist. aber es war schon auch schön, in einem dieser shabby-schicken neuköllner läden sitzen zu dürfen, wo musik läuft und auch andere menschen sich befinden. fremde menschen, einfach so. alle mit nassen haaren, alle freuen sich und alle reden darüber. ich lache viel, obwohl ich kontaklinsen trage, wegen der notwendigkeit von masken. ich besitze keine brille, die nicht beschlägt, und kein trick, von dem ich gelesen habe, funktioniert. wegen der kontaklinsen also sehe ich mich im spiegel. ich sehe mich überdeutich, das vermeide ich normalerweise, indem ich die brille weglege. aber sogar das geht in ordnung diesmal, ich lache auch darüber. ich lache über mich, wie ich an diesem ort sitze und mich freue darüber.

heimlich denke ich an die schönheit menschlicher gesellschaft, ohne dass es eine verstrickung gibt. nur sein und tun, ein jedes für sich und dabei ganz einfach zusammen. und ich denke auch, dass jetzt jemand meinen kopf anfasst, sicher über dreißig minuten lang. dass mich jemand anfasst.

das leben, wie es jetzt ist, schon so lange: es ist wirklich viel verlangt, denn es ist nicht menschlich. das habe ich gleich gewusst, vor etwa einem jahr bereits habe ich es hier notiert. und ich habe es nicht vergessen, die ganze zeit nicht, das unmenschliche, dem ich auszuweichen versuche. weil ich nicht leben, nicht werden möchte wie früher.

hat das irgendwer mal gesagt, offiziell meine ich? hat jemand auch nur nebenbei erwähnt, dass unmenschlichkeit verlangt ist? weltweit und aus gutem grund, aber das menschsein. was ist mit dem menschsein?

niemals die lüge, heißt es da, im april 2020. ich tue es, weil ich es will, heißt es da. und dass es mich etwas kosten wird, in die notwendige isolation zu gehen, um nicht ständig mit der unmenschlichkeit konfrontiert zu sein. so steht es da.

so ist es jetzt, immer noch. es gibt kein nah.

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#insight

11. März 2021 - 01:17

seit ein paar tagen ist es brutal. ich träume davon, menschen zu berühren, körperlich, mit ihnen zu liegen, sie zu lieben. ich träume auch die panik, die das auslöst, die angst.

ich möchte reisen oder wenigstens in die kleine stadt fahren, dort in dem café sitzen, in dem ich beschlossen habe, damals, es doch noch einmal zu versuchen. ein buch zu schreiben, dieses buch, das tatsächlich ein buch sein wird. ohne jeden zweifel.

wenn ich tangomusik höre, möchte ich weinen. selbst die traditionelle musik, die ich mitunter so verachte, weil ich sie nicht so wirklich gut tanze. gerade die. ich vermisse meine welt, so sehr. ich vermisse mein leben, das sich verlebt seit einem jahr.

das allein ist echt und wahr, und ich gebe es nicht auf, mein leben. ich löse mich nur von allem, was falsch ist, was immer schon falsch war, mir nicht entspricht und es niemals wird. ich vergesse es, denn es ist nicht echt, das war es nie. und es ist nur noch mehr verschwendung in dieser zeit.

ich bin, wie ich jetzt bin. so wie damals, als kind. es war gut, dieses kind, schön und stark. ganz egal, was es gesehen, erlebt, gelernt und erlitten hat. es hat mich verdient, dieses kind. (hoffentlich!)

nur deshalb lebe ich noch.

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10. März 2021 - 07:19

ich reise. ich fahre in einem bus oder zug mit einem jungen mann. es ist wichtig, ich weiß nicht warum. ich zweifle nicht, aber es ist voller menschen. überall. auch in dem zimmer, das wir gebucht haben, sind fünf betten. drei davon schon belegt. ich will das nicht. ich werde wach.

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endlich

09. März 2021 - 23:46

für hoffnung bin ich zu alt. was bleibt, ist das wollen und das wünschen. das wissen um leben und leichtigkeit, das ich immer schon. das lachen auch.

es ist zeit.

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09. März 2021 - 07:43

ich reise. ich fahre weg, irgendwo hin. ich komme an. ich lande in einem bett, in inniger umarmung mit einer alten bekannten. mit der ich aber nie in inniger umarmung in einem bett. überhaupt: innige umarmung! ich wache auf. geschockt.

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natural tongue

08. März 2021 - 00:49

vor gut einer woche unvermittelt viel englisch gesprochen, sicher drei stunden am stück. alltagsenglisch, geplänkel und plauderei. menschenzeug. und jetzt schwingt es wieder in mir, die zunge hat sich ebenso gelöst, wie auch die grundlegende grammatik dazu. und es geht noch, es geht gut. was für eine freude.

noch größer die freude über das wiederfinden, über dreißig jahre später. das wiedererkennen auch und das verstehen, ohne große umschweife, quasi auf den ersten blick.

das habe ich nicht verdient, aber: egal, es ist gut, so gut.

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sonntag

07. März 2021 - 21:43

gestern abend hat sich der blutdruck einigermaßen erholt, aus den absoluten niederungen zumindest ist er wieder auferstanden, hat sich in den normalbereich begeben. wie es sich gehört, mal sehen, wie lange das hält.

es ist sonntag, ich arbeite nicht. ich höre musik, ich schaue kluge beiträge über haut und berühung in der arte mediathek. das ist schmerzhaft, aber nicht neu, alles nicht. dann lese ich etwas im guardian, nichts über corona, nur das nicht. etwas über die musik, die ich gehört habe.

ich putze das klo, immerhin, die pflanzen gieße ich nicht. seit tagen schon, immer vergesse ich das, sobald der frühling, das licht. das ist dumm. aber ich stelle die infos zusammen, die es zur überarbeitung meiner webseiten braucht. endlich, denn das steht an, das kann nicht mehr ewig warten.

ich esse, ich trinke, keinen alkohol, noch nicht. später vielleicht, erstmal tatort. oder auch nicht, vielleicht schreiben. vielleicht bloggen. keine ahnung.

morgen ist feiertag, das ist gut.

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07. März 2021 - 12:56

erst geht der bildschirm aus, dann das licht und alles andere in der wohnung auch. nichts geht mehr, ich gerate in panik. alles ist dunkel, aber das kriege ich in den griff, ziemlich schnell sogar. ich wache auf und schlüpfe in eine andere welt.

ich lande in wien und wundere mich: es ist voll, viele menschen, und niemand trägt eine maske. das freut mich auch, angst habe ich nicht. leben ist sterben, denke ich. ich bin einverstanden.

ich suche anschluss, züge, busse, irgendetwas, das mich weiterbringt. das aber scheint es nicht zu geben. ich finde nur den flug zurück, nichts führt mich hinein in die stadt, in die welt. ich weiß nicht mehr, was dort sein könnte, in diesem zurück. doch ich gehe den weg, wie alle, unschlüssig. jemand ist dicht hinter mir. alles gut, sagt es, alles richtig. ich glaube das, es scheint richtig, doch zweifle auch.

neben dem flieger steht mein motorrad, ich weiß nicht, wie es da hingekommen sein könnte. und ob ich es dort lassen sollte, einfach so. immer noch unschlüssig wache ich auf.

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bonding (151)

06. März 2021 - 23:46

gin pur, nur mit eis und mit limetten. ich sitze im bett. es war ein leichter tag mit ein wenig sonne, etwas arbeit und viel gelassenheit. es wird schon, alles, weil es bereits ist. wie musik.

die art, wie ich schreibe, fordert viel. bis tief in die spitzen greift sie, und ich wehre mich nicht, im gegenteil: ich gebe mich auf. jetzt, nach jahren der aufreibenden arbeit, tag für tag, nachts auch und alle freie zeit, die ganz besonders. jetzt ist es an der zeit, zu mir zurückzukehren, was nicht einfach ist. weil es nicht geht, grundsätzlich nicht, denn ich bin nicht mehr da, wo ich vorher war. oder auch nicht. selbst das ist mir nicht mehr erreichbar, das sind welten, die sich bewegen.

was sich aber langsam wieder durchsetzt, ist die offenheit und durchlässigkeit der zeit. meiner zeit. die bilder und geschichten, die ich sehe, sind wieder meine bilder und meine geschichten. der raum ist weiter geworden, vielleicht in den letzten tagen erst. die musik. auch wenn in der ferne bereits etwas zu erkennen ist, auf das ich zugehen werde, ganz ohne zweifel. jetzt bin nur ich, alles ist noch frei, es schwingt und vergeht, und ich lasse es. nichts geht verloren in dieser welt. was ich nicht brauche oder halten kann, das geht, um sich anderwo zu entfalten.

musik, so ist mein schreiben, im grunde vergänglich. ich bin der klang, das material, das stelle ich zur verfügung. am ende bin ich ausgespielt, vernichtet fast, muss mich meiner selbst wieder vergewissern. das könnte ein risiko sein, auch wenn ich das noch nicht erlebt habe. vermutlich gibt es andere wege, leichtere. aber wohl nicht für mich.

als nächstes sollte ich den text vielleicht einfach mal lesen oder wenigstens hineinlesen, soweit das eben möglich ist. ein bisschen habe ich das schon getan, immer wieder mal, aber wie neu wird mir das wohl nie gelingen. immer wieder komme ich an den punkt, wo ich etwas verändern möchte oder muss, das ist irgendwie schade.

ich werde dieses tolle buch nie wirklich lesen können.

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spagat

05. März 2021 - 00:16

die idee, den unter der dauerbelastung zunehmend rasenden blutdruck mittels mittelchen zu mindern, erweist sich seit ein paar tagen als überaus durchschlagend. alles im zweistelligen bereich, dazu schwindel, atemnot, vor allem unter der maske, und gelegentlich schlägt mich mein herz recht heftig. keine ahnung, ob das jetzt gesünder ist als rund 150/90 spät in der nacht noch.

am ende ist es rein psychisch, das behaupten ja ohnehin alle derzeit. ich bin also einfach nur kurz vor durch alles durch und irgendwie am ende. kann durchaus sein.

derweil wird in einer anderen welt mein manuskript gelesen, tatsächlich, darüber verhandelt und entschieden. vier absagen gibt es bislang, dumme und exquisite absagen, soweit ich das verstanden habe. an einer stelle wird konkret überlegt, geschoben und plaziert womöglich. dabei ist die rede von großer begeisterung, auch eine mögliche breite leserschaft wurde offensichtich erwähnt. kaum zu fassen im grunde.

mehr weiß ich noch nicht. mehr will ich auch nicht wissen, aber das wird. und ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. das alles ist eine art emotionaler spagat. hochleistungssport der psyche.

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