am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

mein großer vogel

schon lange denke ich mir meine migräne nicht mehr als etwas, das in meinem körper geschieht. es handelt sich vielmehr um einen vogel, einen greif, der mir im nacken sitzt. tag für tag. ein paarmal im monat greift er zu, er kann nicht anders. dann starren wir uns an, ein paar stunden, ein paar tage. ich sehe ihn, er kann nicht von mir lassen.

dennoch sagt er es, immer und immer wieder: ich laß dich. ganz leise, wie zu sich selbst. das ist sein mantra, das ist sein ziel. ich laß dich, ich laß dich, ich laß dich.

und das tut er dann auch, jedesmal. er hält wort und läßt mich frei. läßt mich leben. bis zuletzt.

so entschwinden die tage in entsetzen. untauglich bin ich, für beinah alles. besonders für menschen.

tanzen lernen

heute hat eine zweijährige beim treppenabstieg skupellos nach meiner hand gegriffen, ohne auch nur eine sekunde zu zweifeln. später habe ich ihr gezeigt, wie man im sandkasten kleine polizeiautos beerdigt. das hat sie sofort begriffen und umgesetzt. die mutter dagegen war davon nicht so begeistert. demnächst mache ich der kleinen ein mixtape mit einer auswahl zeitloser rock- und popklassiker. viel beatles natürlich, ein bißchen abba vielleicht und police als einstieg in den punk. das kriegt sie sonst womöglich nie zu hören, das ist ja inzwischen uralt. zum schluß noch ein schuß latin und afro für den rhythmus. (wenn ich etwas von klassik verstünde, dann würde ich auch noch klassik dazutun. aber da bin ich leider überfragt.)

das geht doch einfach nicht, daß man die musikprägung der kleinen diesen unsäglichen kinderliedermachern überläßt. unmöglich! niemand muß immer mitsingen können oder einen sinn in allem erfahren. man muß auch zuhören lernen, eintauchen in die struktur der klänge. und tanzen.

die abwesenheit von migräne

zu früh aufwachen, mich noch einmal umdrehen dürfen, eigentlich mag ich das. mir dann aber eine migräne träumen, das ist mir bislang noch nie passiert. heute morgen war es aber so. eines nach dem anderen, so wie es ist. wie ich wegzulaufen versuche oder darunter herzukriechen, irgendwie. wie ich anschließend gefangen genommen werde und festsitze, nur noch warte, warte und warte. bis es aufhört. daß es aufhört. zuletzt das schreien und heulen, das betteln. als wäre da wer. als hörte mich jemand. dieses bitten um ein einsehen, ein ende. was in echt zum glück ziemlich selten vorkommt, in letzter zeit zumindest.

aufzuwachen war ein segen, eine erleichterung festzustellen, daß tatsächlich gar keine migräne anstand. auch heute nicht, obwohl die zeit mehr als reif wäre. trotzdem, so kann doch der tag nichts werden.

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