am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

muße

ein erstes kleines sommerloch tut sich auf. die stadt ist recht leer und ruhig, von hitze keine spur. im gegenteil, ein hauch von entspannung liegt in der luft. und irgendwo liegt auch dieser text herum, den ich seit über einem halben jahr nicht angefasst habe. geschweige denn, etwas daran gearbeitet.

ich träume immer noch, schlecht. von sowas zum beispiel: 21

diese schuldfragenklärungsgeilheit ist übrigens auch nicht so mein ding. generell nicht, dafür gibt es gerichte. falls nötig, machmal ist das ja so. obwohl das meistens auch nicht hilft, letztendlich.

mit verantwortung sieht das allerdings ein wenig anders aus. verantwortung muß sein. und da kommt dann so etwas ein klein wenig blöd:

Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht, teilte Sauerland in einem aktuellen Interview mit den Blättern der WAZ-Mediengruppe. (via newsblogger)

love & panic

die loveparade war nie mein ding. nur einmal habe ich sie am rande miterleben müssen, weil ich zufällig gerade in berlin war. fazit: zu voll, zu laut, zu viele menschen eben. nix für mich.

gestern ist die liebende masse in panik geraten, möglicherweise an einer kleinen stelle nur. eine kleine masse also, aber es hat tote gegeben. und ich habe darüber nachgedacht, mehr als mir lieb war, ich habe sogar davon geträumt.

im architekturstudium, vor langer zeit, habe ich ein wenig darüber gelernt, wie man menschenmassen leitet, wie man wege und räume schafft für die fließenden massen. schon die römer waren meister darin. das kolosseum, das immerhin 50.000 zuschauer faßt, konnte in nur 15 minuten gefüllt und in 5(!) minuten wieder geleert werden. dazu gab es 80(!) zugänge und ein ausgeklügeltes leitsystem, das meines wissens bis heute die grundlage für moderne stadien bildet.

menschenmassen, wenn sie sich in eine bestimmte richtung bewegen, verhalten sich ähnlich wie wasser. sie fließen dahin, wie auch der straßenverkehr zum beispiel, doch wenn ein hindernis auftaucht oder druck entsteht, sind die dadurch freigesetzten kräfte immens. das ist berechenbar, wie ich gerade im mathlog nachlesen konnte. teilchenphysik, wer hätte das gedacht. nix mit panik.

vielleicht hätte man aber bedenken sollen, daß auch wasserteilchen, wenn sie unter druck geraten, sich plötzlich eigenmächtig einen weg suchen und den deich an der schwächsten stelle zu durchbrechen suchen. oder anders: die kapazitätsberechnungen bezüglich von menschenmasse und tunnelenge scheinen sogar mir als mathematischer idiotin recht deutlich danebengelegen zu haben. wenn ich mir dann noch den wahnwitz eines einzigen eingangs, der gleichzeitig auch noch ausgang sein sollte, vorstelle. selbst der weg durch die stadt scheint eine art stierlauf gewesen zu sein, statt einer ausgeklügelte wegführung mit entlastungsbereichen daraus zu gestalten.

und es war noch nie eine gute idee, menschen sinnlos einzupferchen. selbst mit sinn ist das heikel. meine güte, da wurde wohl bei der planung viel gute hoffnung eingerechnet. das zumindest habe ich heute nacht geträumt.

nachtrag: ich sehe gerade, daß im fischblog schon konkret gerechnet wurde.

love & panic

die loveparade war nie mein ding. nur einmal habe ich sie am rande miterleben müssen, weil ich zufällig gerade in berlin war. fazit: zu voll, zu laut, zu viele menschen eben. nix für mich.

gestern ist die liebende masse in panik geraten, möglicherweise an einer kleinen stelle nur. eine kleine masse also, aber es hat tote gegeben. und ich habe darüber nachgedacht, mehr als mir lieb war, ich habe sogar davon geträumt.

im architekturstudium, vor langer zeit, habe ich ein wenig darüber gelernt, wie man menschenmassen leitet, wie man wege und räume schafft für die fließenden massen. schon die römer waren meister darin. das kolosseum, das immerhin 50.000 zuschauer faßt, konnte in nur 15 minuten gefüllt und in 5(!) minuten wieder geleert werden. dazu gab es 80(!) zugänge und ein ausgeklügeltes leitsystem, das meines wissens bis heute die grundlage für moderne stadien bildet.

menschenmassen, wenn sie sich in eine bestimmte richtung bewegen, verhalten sich ähnlich wie wasser. sie fließen dahin, wie auch der straßenverkehr zum beispiel, doch wenn ein hindernis auftaucht oder druck entsteht, sind die dadurch freigesetzten kräfte immens. das ist berechenbar, wie ich gerade im mathlog nachlesen konnte. teilchenphysik, wer hätte das gedacht. nix mit panik.

vielleicht hätte man aber bedenken sollen, daß auch wasserteilchen, wenn sie unter druck geraten, sich plötzlich eigenmächtig einen weg suchen und den deich an der schwächsten stelle zu durchbrechen suchen. oder anders: die kapazitätsberechnungen bezüglich von menschenmasse und tunnelenge scheinen sogar mir als mathematischer idiotin recht deutlich danebengelegen zu haben. wenn ich mir dann noch den wahnwitz eines einzigen eingangs, der gleichzeitig auch noch ausgang sein sollte, vorstelle. selbst der weg durch die stadt scheint eine art stierlauf gewesen zu sein, statt einer ausgeklügelte wegführung mit entlastungsbereichen daraus zu gestalten.

und es war noch nie eine gute idee, menschen sinnlos einzupferchen. selbst mit sinn ist das heikel. meine güte, da wurde wohl bei der planung viel gute hoffnung eingerechnet. das zumindest habe ich heute nacht geträumt.

nachtrag: ich sehe gerade, daß im fischblog schon konkret gerechnet wurde.

memory

das alte spiel, eine karte auf die andere. erinnerungspaare finden oder erfinden. das gedächtnis scheint beständig damit beschäftigt. so entsteht ordnung im hirngestrüpp. so entstehen geschichten, so entsteht auch geschichte. oder aber beides.

eine ard-dokumentation zum thema integration in deutschen schulen erinnert mich an karnap, den nördlichsten zipfel essens. eigentlich heißt der ort natürlich „kannapp“, ich weiß das, denn als kind war ich dort regelmäßig bei meinen großeltern zu besuch. als alte-leute-gegend habe ich den bezirk in erinnerung, als invalidensiedlung voller „reicher“ bergmannswitwen. es gab aber auch viele polnische namen.

als die ersten türken in die straße zogen war meine oma entsetzt. die frau trug hosen und röcke darüber, dazu ein kopftuch, das dem meiner oma allerdings nicht unähnlich war. der rest war klischee. der mann ging immer drei schritte vor der frau die straße entlang, niemals trug er ihr die einkäufe. der sohn drehte einsam seine runden, niemand sprach mit ihm, obwohl er es versuchte. viele kinder gab es in der straße nicht. eschek, schrien die wenigen ihm hinterher. weil sie gehört hatten, daß das esel heißt, auf türkisch. keine ahnung, ob das stimmt. ich habe es nie wieder gehört, aber es scheint sich eingebürgert zu haben.

heute ist karnap also voller türken, so sehe ich es im tv. vor zirka zwei jahren war ich mal kurz in der altbekannten straße und habe sie kaum wiedererkannt. auch die häuser nicht, die damals schmutzig grau waren, kohlegeheizt und verrußt. jetzt sehen sie aus wie schicke, kleine eigenheime mit garten.

ich google ich ein bißchen, wie das heute so geht aus der ferne. es gibt eine schicke karnaper infoseite und einen super super8-film (youtube, 3 min.) aus den 70ern. meine zeit! außerdem finde ich einen zeitungsartikel über den emscherbruch im winter 1946, bei dem karnap, der am tiefsten liegender teil essens, unter meeresspiegel, schlichtweg geflutet wurde. und genau darüber hatte ich zuletzt in den bones geschrieben.

eine karte auf die andere, der memoryeffekt. geschichten und geschichte.

nach einer erneuten allergischen nies- und heulattacke sauschlecht geschlafen. heute dann halsschmerzen und kopfbrummen. und dieser rüttelstampfer der straßenbauer unter meinem schlafzimmerfenster klingt morgens um kurz nach sieben wie ein helikopter.

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