am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (30)

unzufrieden und zufrieden zu gleichen teilen. fiftyfifty, wie ich selbst. vor mir liegen deutlich abgezirkelt drei mehr oder weniger gut durchdachte kapitel. das ist überschaubar, das im grunde kaum noch schiefgehen. damit stünde dann in etwa die hälfte des romans. vielleicht ein wenig mehr, das wird sich zeigen.

anders hingegen das kapitel, an dem ich gerade arbeite. alles neu, was ein zufall ist. hat sich halt so ergeben. eine neue figur, die bislang nur als tote erwähnung fand. jetzt ist sie sehr lebendig. eine lebendige figur, die bislang allerdings ziemlich übel rüberkam. ich kann nicht sagen, daß sie aktuell land gewinnt oder gar sympathie. so weit ist es (noch) nicht

aber da ist substanz, das war wohl wichtig. das war ganz sicher wichtig, ich bin froh darum. doch das geht an die substanz. und der kontrast zwischen den beiden figuren, wiewohl genau so gewollt, vereint in einem kapitel. das ist hart. das ist kaum zu ertragen. alles unfertig jetzt, und so muß ich es lassen. einstweilen.

für heute bin ich erledigt, auch wenn das kapitel noch lange nicht erledigt sein wird.

schreibzeit (11)

den ganzen tag, von zehn heute morgen bis fast jetzt. dabei nur zirka fünf seiten überarbeitet und unzufrieden geblieben. aber die schreibzeit sitzt fest im sattel, ich kann gar nicht mehr anders. und unzufriedenheit ist normal, wie auch die euphorie. alles nur phasen.

alles normal, ich erkenne es wieder. so geht schreiben, so fühlt es sich an. in mir. auch wenn es lange her ist, daß ich an solch einem batzen saß. außerdem: den ganzen tag an intensiv einer schlechten zeit arbeiten, eine miese beziehung beschrieben, bedingt und verzerrt, aussichtslos. eine grundsituation von der ich weiß, daß sie noch ein paar jahre halten wird. oder bleiben zumindest. so habe ich es entscheiden. warum mache ich das? das macht schlechte stimmung am ende, da gibt es kein entrinnen.

alles nicht neu. nur anders, jedesmal.

zufrieden?

was soll aus einem tag werden, der unvermittelt mit dem elenden herrn sarrazin beginnt, dessen neues werk heute erschienen und pompt in meinem weckradio besprochen wurde. völlig verissen zum glück, dieser abgezirkelt plazierte bestseller. aber wtf, welches gnadenlose karma hat sich denn auf dieses timing eingeschwungen.

ich arbeite vor mich hin, übersetzungszeug, bin wenig konzentriert dabei. dann frühstücke mit der  fRau ciclista zu mittag, bringe die tanzschuhe zum schuster und arbeite noch ein bißchen weiter. alles gut.

zum abend laufe ich dann allein zum hermannplatz und  mit 10.000 anderen (die polizei zählt 5000) wieder zurück. gegen nazis. besonders schön dabei. die frau mit dem kind am straßenrand. das kind mit einem pinken plakat in der hand. darauf stand: „liebe statt hass“. so einfach.

ich könnte zufrieden sein. aber naja, ich hatte schon bessere tage.

furcht und segen

ich schlafe schlecht und träume viel, von mieser arbeit und übler verwandtschaft. beides sucht man sich nicht aus. außer manche vielleicht, die sich diesbezüglich als priviligiert zu betrachten hätten. es aber womöglich nicht tun, weil sie es nicht anders kennen. ich selbst muß mich derzeit so nennen, denn seit einiger zeit bin ich mit freundlicher arbeit, guter bezahlung und bester gesellschaft, die weitgehend unverwandt mit mir ist, gesegnet.

das ist es wohl nicht, was meinen schlaf beherrscht und bedroht. die chemnitzer rottenbildungen, die horden grob entfesselter menschen – oder sollte es besser gleich „männer“ heißen? – ist eine wahrlich bittere sache. nicht, daß es das nicht schon immer gegeben hätte, wie in wellen schwappt die braune urbrühe seit jeher überall umher. mal hier und mal anderswo stinkt es gewaltig. das ist wirklich nicht neu. doch jetzt scheint chemnitz mir ein einschnitt zu sein. nachdem sich die zeichen seit jahren verdichten und verknoten, auf allen ebenen, wäre nun an der zeit für klarheit. doch womöglich ist es dafür längst zu spät.

alles verklärt sich, wird selbstverständlich, kaum jemand empört sich noch. im gegenteil. man teilt und genießt die widerliche gesinnung. das macht mich tief im innersten fürchten. so sehr, daß ich das schreiben heute fast ganz gelassen habe. stattdessen zeug repariert, endlich mal die zerfeddernde handytasche mit nadel und faden geflickt. es beruhigt, wenn man die dinge eigenhändig erhalten kann. (wie im krieg, denke ich in diesem moment. warum denke ich das?)

eigentlich schreibe ich gerade intensiv an einem roman. ich lebe darin, könnte man sagen. um begegnungen geht es darin, um familie und leben im weitesten sinn. es ist also niemand verheiratet, es gibt keinen familienkern, aber kinder natürlich. es gibt verbindungen über jahre hinweg, die sich bewegen, verändern und erweitern. und alles öffnet sich zum ende hin, noch weiter. es wird klar und stabil, immer in dem wissen, daß es so etwas wie sicherheit nicht geben kann.

so ist es gedacht. ja, ich betrachte das als politikum. (und als segen.)

bonding (29)

weiter, immer weiter. in den letzten tagen habe ich versehentlich ein neues kapitel eingefügt. eigentlich wollte ich das anstehende nur ergänzen, das bereits vorbereitete material ist ab jetzt recht löcherig. aber dann tat sich eben erst die notwendigkeit auf, die zusammenstellung grundsätzlich ein wenig umzuorganisieren. sonst wäre es mit z. b. dem alter (eines kindes) nicht hingekommen. und überhaupt stehen da entscheidungen an, ganz bald. wie auch immer, jetzt gibt es da also auf einmal fast acht frische seiten, ein ganzes neues kapitel. hochverdichtete story auch. und auch das bedeutet: weiter, immer weiter. auch wenn das material jetzt aus dem kopf kommen muß.

besonders beglückend ist die tatsache, dass die neue figur, die ab sofort weite teile der story abzudecken hat, wenigstens noch einmal soviel wie bisher, sich großartig macht. hätte ich nicht gedacht. bislang war mir schleierhaft, wie ich sie zum leben erwecken sollte. das kommt davon, wenn man die menschen zuallererst sterben lässt, bevor man irgendetwas anderes von ihnen erzählt. oder auch nur weiß. dann liegt die hürde hoch. mittlerweile habe ich aber etwas mehr einblick, ein ganz klein wenig zumindest. ich habe verstanden, wie die story weitergehen möchte. zum glück.

damit hat es sich für heute erschöpft. und genau so fühle ich mich auch. erschöpft.

neuerfindung eines eckregals

gestern allen mut zusammengenommen und die zum teil seit fast genau einem jahr herumlungernden einzelteile zusammengefügt und an die wand geschraubt. oder vielmehr umgekehrt: erst geschraubt und dann zusammengefügt, oben noch einmal geschraubt, fertig. alles in allem war das ganz leicht, viel leichter zumindest, als ich das ganze jahr über gedacht hatte.

anschließend sehr zufrieden gewesen, nahezu beglückt. es ist wirklich gut geworden, durch und durch gelungen. obwohl an wenigstens einer stelle überdeutlich sichtbar schief. aber es ist schön, wirklich schön. es gefällt und entspricht mir. genau! und das ist schließlich das wichtigste.

anschließend die rechte hand unverzüglich in die schiene gelegt, die ich sonst nur in der nacht trage. die anstrengende stop-an-go-motorradfahrt am donnerstag und die werkelei gestern hatte ihren preis.

schreibzeit (10)

und zwar den ganzen tag. morgens früh (und tatsächlich pünktlich diesmal) zum vorerst letzten schreibguppentermin. im anschluß daran spontan den navi auf meinen bevorzugten schreibort geeicht und dorthin gefahren statt nach hause. um zu sehen, ob es ihn ohne mich überhaupt gibt. vielleicht. oder weil facebook seit gestern mit erinnerungsbildern von vor einem jahr nervt.

genau ein jahr ist es also her, daß ich mich aufgemacht habe, einen alten, längst stillgelegten text aufzugreifen und zu beleben womöglich. tagelang habe ich gebraucht, um überhaupt einen konsequenten blick, seite für seite, wort für wort, in das rohmanuskipt zu werfen. im kellermann war das, einem café am bahnhof, das ich danach nicht mehr besucht habe. ich weiß gar nicht warum, der kaffee ist ausgezeichnet. das ambiente auch nicht zu verachten, unaufgregt vor allem. viel licht und steckdosen. wäre es zu hause um die ecke, es würde mich öfter mal sehen. heute war ich wieder also einfach mal wieder einmal da, und habe dem zuletzt bearbeiteten kapitel den feinschliff gegeben. papierarbeit, ausnahmsweise. auch mal wieder fein.

inzwischen bin ich fast bei der stelle im text, die mich vor einem jahr wieder von meiner alten arbeit überzeugt hat. vieles war ungenau und unklar, aber diese stelle. ich freue mich darauf, sie aufzugreifen, zu verfeinert, zu vertiefen. das wird ein leuchten. ich bin also fast durch, und es ist gut geworden. und ich weiß, wie es weitergehen muß. es wird.

am wasser war ich nicht. gäbe es mehr zeit im leben oder mehr raum im wetter, hätte ich auch noch das boot mitgenommen und wäre aufs wasser. bei der affenhitze. das wäre perfekt gewesen.

stattdessen das motorrad, bei der affenhitze. über drei stunden glut, nicht nur in der luft, auch der motor natürlich. über drei stunden in hose, jacke und handschuhen. den helm nicht zu vergessen, den integralen. über drei stunden kupplung, bremse und gas fest im griff. das freut den karpaltunnen und die zwei oder drei geschwollenen fingergelenke, die jetzt gar nichts mehr greifen mögen. außerdem überall stau und gehupe, berlin ist aus den ferien zurück. und bis auf die letzten paar kilometer, zehlendorf und so, ist es keine gute strecke. aber egal.

genau mit den ersten regentropfen wieder in neukölln gewesen. alle fenster aufgerissen und gleich an den pc, die papierarbeit in die datei einarbeiten, solange alles noch frisch ist. jetzt ist es nacht, oder?

bonding (28)

heute nicht lange gefackelt und einfach weitergeschrieben. also angefangen, die story voranzutreiben, über das bisherigen rohmaterial hinaus. der griff ins nichts, genau an dem punkt bin ich jetzt. die angel auswerfen, so in etwa in dem gebiet, wo ich glaube, daß ich fündig werden zu können. und anschließend den fang betrachten, möglichst unvoreingenommen. dabei alle absicht und das selbst vergessen.

es läuft, aber es ist beängstigend. es gibt keine möglichkleit zu wissen, wohin es letztendlich laufen wird. nicht wirklich, auch wenn ich eine idee habe, einen plan sogar und ein vages ziel. was passieren wird, bleibt eine überraschung. der weg führt immer nur von wort zu wort. und es kann jederzeit alles auch gründlich schiefgehen, darauf muß ich gefasst sein. viel lieber erledige ich den feinschliff, die sprachlichen finessen und kleinteiligen wendungen. das ist meine wahre stärke. aber die kommen später, wenn das fundament steht. das ist eben so.

spaß macht es dennoch. irgendwie, ein bißchen zumindest. oder zufrieden, das auf jeden fall.

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