am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

kiezhopping

in letzter zeit zieht es mich ja immer wieder zur geliebten rüber, über die spree und die gleise, nach drüben. und da will ich nun niemandem etwas vormachen, das ist ein kontrastprogramm. die entfernung beträgt etwa zwanzig minuten mit dem rad, egal ob motor- oder muskelbetrieben. doch der unterschied ist groß, zwischen hier und dort, zwischen neukölln und friedrichshain. auch wenn derzeit viel geschrieben wird, über dieses neukölln, das ja schwer im kommen sein soll. wo immer das auch sein mag, keine ahnung. ich habs noch nicht gefunden. (aber ich bin ja auch nicht so die ausgeherin. ich muß wohl noch warten, auf die passendes cafés und veranstaltungen.) in der aktuellen zitty allerdings wird neukölln gerade wieder mal als kommender in-kiez über alles angepriesen, schneidet sogar richtig gut gegen den endsieger charlottenburg ab.
doch ehrlich gesagt, kann ich mir das kaum vorstellen. daß in fünf bis zehn jahren im sommer die weserstraße entlang die menschenmassen durch die nacht flanieren, von kneipe zu café zur kunstperformance mit onlinebeteiligung. oder daß die menschen auf der karl-marx-straße sich nicht mehr so hektisch durch die massen schlagen müssen. zwischen ramschläden, handyschuppen und dönerbuden. durch all die anderen menschen, die es auch alle irgendwie eilig haben. sorry, aber das seh ich einfach nicht. nicht so zumindest.
neukölln wird sich entwickeln, ja. positiv vermutlich, auch das, allen gettorufen zum trotz. neukölln hat sich schon verändert, ganz sicher, in den ziemlich genau drei jahren, die ich nun hier bin. aber ein friedrichshain wird es wohl kaum. auch kein kreuzberg, schon gar kein charlottenburg. neukölln ist riesig, wenn man es mal auf den bezirk bezieht, hat ein solides hinterland, konservativ und zum teil recht spießig. der norden ist nur die wunde, die jetzt zu jucken beginnt. und was daraus wird, aus dieser kombination – das wird sich erst noch zeigen.
wie also geht es der neuköllnerin in friedrichshain? sie schlendert mit der geliebten über den flohmarkt, sicher jeden zweiten sonntag. sie sitzt in einem kino, das intimes heißt, aber gar keine solchen filme zeigt. (wie man im ersten moment glaubt.) sie findet einen friseur, der bis abends um zehn aufhat und überraschendes mit ihren haaren anstellen darf. ein paar straßen weiter erklärt ein webkünstler, daß er eine rose machen kann. und daß diese rose dann schön ist. auf einem bildschirm natürlich. daneben jubelt eine schulklasse dem nächsten drink entgegen. respektlos, aber wirklich.
heute ist die neuköllnerin zufällig in der sonntagsstraße gelandet. eine einzige baustelle derzeit, muß ich sagen. (vielleicht, weil sie zum ostkreuz führt? ;-) aber irgendwie trotzdem nett. viele läden, ein paar kellerkünstlerschuppen, eines reiht sich an das andere. das kennt man ja. doch die stimmung ist ganz anders als in der hoffnungslos überstrapazierten simon-dach-gegend. richtig weit und entspannt, heute zumindest. trotz gräben und zäunen. erdarbeiten. also so, oder irgendwie so ähnlich, das ginge ganz sicher auch in neukölln, irgendwann. vielleicht, denke ich, ein bißchen. so stelle ich mir das zumindest gerne vor. so hätte ich es am liebsten. mit so einem kleinen schauraum für kunst und text, wie wir, die geliebte und ich, ihn eben zwischen den kneipen und cafés, zäunen und gerüsten gefunden haben.

kirschsaft, vergessen. summer is over. (but we’re not yet saved.)

totes land (33)

der neulich bereits erwähnte fall madeleine und andere, ähnlich geartete geschehnisse in der vergangenheit beginnen tatsächlich, sich in die grundidee einzuflechen. mehr noch, eine struktur bildet sich heraus. etwas, das der story zu einem äußeren halt verhelfen könnte. was übrigens dringend vonnöten ist, muß ich dazu sagen. das ist ein ding, ganz sicher, an dem es bislang gehakt hat. (von zeitmangel und anderen ablenkungen ganz abgesehen. ;-)
daß die einflechtung dieser idee nun eine menge struktuelle arbeit bedeutet, umstellungen, neukonstellationen und so weiter, ist dabei vollkommen nebensächlich. um wieder hineinzufinden, muß ich ohnehin das bisher geschriebene vollkommen neu erfassen. das geht sowieso nicht anders, ist einfach zu lang her. warum also nicht auch noch alles grundlegend umdenken?

neulich morgens festgestellt, daß mir jemand über nacht das lenkradschloß der kawasaki geknackt haben muß. sonst weiter nichts, einfach nur zerbrochen das ding. soll ja ganz einfach sein. aber keinen meter gefahren, oder auch nur geschoben. nix.
seitdem denke ich darüber nach, ob es nicht vielleicht gefährlich ist, mit dem demolierten innenleben des einen gabelholms einfach so weiterzufahren. keine ahnung, wie es drinnen aussieht. ob sich da nicht was verklemmen kann. und dann? außerdem denke ich darüber nach, ob nicht ein bremscheibenschloß wesentlich effektiver ist.
weiter denke ich aber offensichtlich nicht. als ich heute mittag mit dem rad loswill und mit dem ersten schlenker nur zufällig kurz rüber zum motorrad sehe, hängt hinten am koffer weithin sichtbar mein schlüssel. den ganzen abend und die ganze nacht lang. der koffer ist offen, aber drinnen fehlt nichts. das bißchen werkzeug, die schmierfette und die allgemeine betriebserlaubnis für die neue bremsleitung. alles da. wie die maschine selbst. unversehrt und anwesend.
ich gebe zu, daß mir das schon des öferen passiert ist, damals in wtal. aber da schien es mir vergleichsweise harmlos, dort habe ich in einer art schlafstraße gewohnt. da war nach acht so gut wie niemand mehr unterwegs, den man nicht vom sehen kannte. aber hier? im üblen norden neuköllns. plötzlich habe ich so meine zweifel an der sprichwörtlichen härte des kiezes. wenn nicht einmal gelegenheitdiebstähle noch wahrgenommen werden. wo kommen wir da hin?
andererseits könnte es natürlich auch an meiner über zwanzig jahre alten, verdreckten und verbeulten maschine gelegen haben. wer klaut schon sowas?

gestern oder vorgestern, irgendwann am nachmittag, kurz vor einem termin. mit der geliebten für eine weile auf dem sofa sitzen, die hände verschränken, die köpfe aneinanderlegen. und einschlafen, tatsächlich. im sitzen sogar. für eine halbe stunde nur, mehr nicht. so gerade eben am rand der träume entlang. daß es das geben kann. eine art wunder, fast.

gute nachrichten

congo.jpg

das Café du Congo in wuppertal, das sich bei meinem letzten besuch 2006 ganz und gar unpassenderweise als goldene 118 darstellte – hier im bild leider nur undeutlich zu sehen, der kleine originalschriftzug im fenster ganz rechts – soll, wie aus insiderkreisen verlautbar wurde, mittlerweile wieder in seinen ursprünglichen zustand zurückgekehrt sein. (herrn kid, der von dem ganz anderen café, wirds dennoch freuen, denke ich. – klicken und runterscollen.)

literarisierung, nachtrag

nein, ich habe nichts gegen fakeblogs. aber gut gemacht sein müssen sie. am übelsten sind nämlich nicht die verlogenheiten (im netz), sondern viel eher die geschichten, über die im nachhinein gesagt werden muß, daß es aber doch ganz genau so gewesen sei.

literarisierung II

jene frage, die gerade an der blogbar verhandelt wird, zielt ja – platt ausgedrückt – auf das thema wahrheit. also, schreibe ich die wahrheit ins netz? oder verfälsche ich die gegebenheiten, um des lieben friedens willen? (auch wieder platt ausgedrückt.) mit literarisierung hat das allerdings wenig zu tun, denke ich.
literarisiert ist alles, was geschrieben steht, und das nicht nur wegen der verschriftlichung. in jedem fall hat doch eine gestaltung stattgefunden, ob es dabei nun um die wahrheit geht oder nicht. ohnehin hat authentizität oft recht wenig mit wahrheit zu tun, viel eher mit wahrhaftigkeit. sprache dient dabei beiden herrn, ist also ebenso wahrheitsliebend wie auch ein ding der lüge. je nachdem.
so gesehen ist hier natürlich nichts wahr. andererseits ist aber auch nichts wirklich gelogen. die grenzen sind fließend, von hier rüber zu den bones, die ja erklärtermaßen fiktiv sind. ganz ehrlich geht es aber gerade da manchmal persönlicher zu, als es zunächst den anschein haben mag. was zu behaupten natürlich ebenfalls ein literarischer trick ist. ;-)

literarisierung I

an der blogbar ist eine interessante frage aufgeworfen. wie gehe ich in der (blog)öffentlichkeit mit meinem privatleben und dem privatleben anderer um? sage ich die wahrheit, ohne rücksicht auf verluste? oder lüge ich lieber?
die antwort ist eigentlich ganz einfach. ich tue das, was ich immer tue. ich entscheide im einzelfall, ich nehme rücksicht, und ich tratsche nicht blöd in der gegend herum. das ist eh langweilig. mir selbst gegenüber bin ich grundsätzlich rücksichtsloser als mit anderen, aber auch ich habe klar gezogene grenzen. hin und wieder geht natürlich trotzdem was daneben, dann komme ich mir blöd vor. wenn es sich nich tum ein mißverständnis handelt, was ja bei der interpretation von worten an der tagesordnung ist. einmal habe ich einen beitrag ‚überarbeitet‘, weil sich jemand ‚beschwert‘ hat. so ist es korrekt, meiner meinung nach. sowohl das ansprechen, als auch das ändern.

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