forderte bekanntlich Virginia Woolfe, damit frauen zum schreiben kommen. gut, das mit dem raum ist – zumindest in meinem fall – nicht so sehr das problem. aber erinnert sich noch jemand daran, daß sie als weitere forderung noch eine bestimmte gesicherte(!) summe an pfund im jahr hinzugefügt hat?
(ist schon mal jemandem aufgefallen, daß sich innerhalb von 10 minuten gegoogle keine vernünftige, will meinen verlinkbare, page zu virginia woolfe finden läßt?)
engl
sgb ii =
arbeitslosengeld ii/sozialgeld
zwischen sozi und arbeitsamt, beschäftigt mit dem, was allgemein mit hartz iv bezeichnet ist. höchstpersönlich, wer hätte das gedacht? aber das heißt letztendlich nur listen schreiben, formulare wälzen, sonst nichts. das morgendliche frieren im zugigen warteraum nach höchstens vier stunden schlaf ist ein anderes. unangenehm, mit schal und jacke zwischen den anderen wartenden zu hocken, im mantel, im anzug, eine frau sogar mit pelz und gatten. (typ zuhälter!) alle im wissen darum, daß es draußen noch kälter ist. vermutlich.
mit der dämmerung, jetzt, setzt die erschöpfung ein. ich bin hirnmüde, wie ausgeschaltet.
dabei bin ich gerade eben noch in MEMORY abgetaucht, habe es gewagt, die späten passagen, die besser klingen, mir näher sind. ich finde sogar humor, oh wunder. vielleicht auch nur sarkasmus, aber immerhin. ich begreife die fehler, die ich beim verschicken gemacht habe. die ersten 20 seiten als auszug waren nicht die beste wahl. überhaupt, das exposé… wiedergutmachen läßt sich das kaum, die absagen sind längst da. und eine agentur, die ich noch in petto hatte, ist inzwischen anders besetzt, will nur noch die klassische romanform. das ist MEMORY nun wirklich nicht. (‚ein spiel mit fragmenten‘, heißt der untertitel, fällt mir gerade ein. ;-) also ausgemustert.
was bleibt? ist die erkenntnis, daß es schwer ist, immer wieder, ohne jegliches feedback, ohne anerkennung oder gar erfolg doch noch weiterzumachen. bis es vorbei ist, irgendwann. und keiner hats gesehen. ever!
wisch und weg
nachts, endlich, setze ich mich an den antrag, fülle den wisch vom sozi aus. das ist nicht schwer, wesentlich einfacher als der ksk-antrag beispielsweise. doch mir flattert der magen und flackert der blick. soll mir niemand jemals sagen, wie das ist, locker, leicht und flockig vom staat zu leben. schmarotzer!
wieviel dunkelheit und angst noch in mir hockt. (selbst)verachtung und verzweiflung. es ist fast wie damals, nur daß es nicht anhält. vielleicht weil ich es schon kenne. oder weil ich älter bin, weiß, daß die dinge in bewegung bleiben. trotzdem. (in welchem idiotischen moment habe ich mich eigentlich als schriftstellerin erkannt? verdammt!)
ich erinnere mich, vor fast genau zwanzig jahren. drei jahre, glaube ich, habe ich vom sozi gelebt, in der zeit u.a. mein abi gemacht. 350DM, später dann knapp über 400DM. inklusive miete, versteht sich. man verhungert nicht, essen läßt sich einschränken. nudeln mit salz und reis mit butter, immer schön im wechsel. das geht problemlos. aber man verreckt, langsam, verrottet vor sich hin. alles ist kaputt zum schluß, läßt sich nicht ersetzen. die dinge verfallen, die möbel, die kleidung, alles. keine bücher, keine musik, keine kneipe, kein gar nichts. so ist das. wenn es damals nicht noch vater und oma gegeben hätte. wer weiß?
dennoch war ich glücklich, überhaupt leben zu dürfen. nicht einmal sonderkosten habe ich geltend gemacht, z. t. weil ich einfach nichts davon wußte. einen ganzen winter lang habe ich gefroren, weil ich keine ahnung von heizkostenbeihilfe hatte. letztendlich war ich nur dankbar. leben zu können und zur schule zu gehen zu dürfen. das war ein sonderrecht, ich weiß nicht warum. ich brauchte mich nicht arbeitslos zu melden, ein ganzes jahr lang war ich frei. was will man mehr?
jetzt geht es nun also wieder so los, genau an derselben stelle. daß sich immer alles wiederholen muß. nur diesmal ohne vater und oma, in der fremden stadt, wo ich noch kaum jemanden kenne.
zwänge?
daß angst und enge immer wieder auch zur handlung zwingt. es ist eine schande.
ein stapel post liegt neben mir, drei bewerbungen aus der heutigen zeitung. das geht schnell, ist fast schon routine, der lebenslauf wird schon lange nicht mehr angepaßt, alle möglichen versionen liegen bereits vor. der rest ist MEMORYmaterial. nachfragen, ergänzungen, adressänderung undsoweiter. das war allerhöchste zeit. außerdem die selbsteinschätzung für die ksk, deren richtlinienstudium mir immerhin die erkenntnis gebracht hat, daß man bei engpässen nicht gleich rausfliegt. auch bei längeren offensichtlich nicht. das ist doch schon mal ein ansatz.
der soziwisch, ausgefüllt, fein säuberlich mit filzer. in der bleistiftversion von gestern nacht hatte ich die gräßlichste rubrik kurz entschlossen gestrichen. ungelesen offensichtlich. ahnungslos. die unterhaltspflichtigen verwandten, kinder und eltern. kinder gibt es zwar keine und eltern auch nur noch kaum. und unterhaltspflichtig ist niemand von denen. aber das weiß ja das amt nicht. auch nicht, in welche zwangslage mich das bringt.
ach so: vielleicht beantworte ich ja morgen die frage, warum ich eigentlich in berlin bin. oder übermorgen. irgendwann auf jeden fall. ich werde es in letzter zeit schließlich beinah täglich gefragt. doch die echte, tiefste erklärung schulde ich mir wohl noch selber. aber es rückt näher, und ich bin auch gespannt.
prioritäten
viel zu tun. so viel, daß ich der einfachheit halber immer ‚das falsche‘ tue. ich bastel also an write-insight rum, behebe ein paar übertragungsfehler, die sich beim eiligen serverwechsel anfang august, kurz vor dem umzug, eingeschlichen haben. dazu schleichen sich dann ein paar strukturverbesserungen ein, und schon bin ich im thema, mitten drin. MEMORY, die protokolle, mein persönlicher ursprung dieses weblogdings hier, jetzt. alles ganz anders, inzwischen, lange her.
dann zähle ich die absagen durch, die ich für MEMORY inzwischen erhalten habe. 14! von 19, wenn ich mich recht erinnere. der rest schweigt oder ist möglicherweise in wtal verloren gegangen. an den text selbst traue ich mich schon lange nicht mehr, nicht einmal in die nähe. was wohl ein fehler ist, ich weiß.
damit also beschäftige ich mich. statt den soziantrag auszufüllen, die caos3005seite zu bearbeiten und volkshochschulen und sonstige potentielle auftraggeber aufzutun. aber noch ist ja nicht aller tage abend.