am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

virales zur nacht

sehr überarbeitet und schlecht nur gearbeitet, in folge jetzt ziemlich verzweifelt. vor allem darüber, dass ich keinen guten punkt gefunden habe, um durch die nächste woche zu kommen. da hilft auch kein whisky und keine musik zur nacht. im gegenteil, es zerreißt nur noch mehr.

darüber hinaus, ich kann es nicht oft genug sagen: der kommende winter, der zweite unter corona. ich weiß nicht, wie ich das noch einmal machen soll.

branding/2

im januar hatte ich zum ersten mal hier darüber gesprochen. seither habe ich nicht davon gelassen, auch wenn ich erstmal nicht weiter davon berichten konnte. vieles an der schreibarbeit, vor allem ganz zu beginn, ist heikel. denn da ist es noch gar kein schreiben, da ist es ein suchen und versuchen, das zunächst einmal im kopf stattfindet. im kopf aber ist alles gefährdet, zu jeder zeit. es ist ein vielfältiges chaos, ständig in bewegung, und lange ist es keinesfalls klar, ob sich eine form finden lassen wird.

und genau darum ging es, den ganzen sommer über bis jetzt in den herbst. um die form. und um die ersten versuche mit der form, dieser oder einer anderen. auch das ist eine heikle phase, denn die möglicherwesie gefundene form beginnt, sich unmittelbar zu bewegen, sich zu sperren oder zu schwingen, manchmal beides auf einmal. die form verformt sich, und das ist ein durchaus nicht zu verachtendes textrisiko.

beim schreiben, und allem, was dazu gehört, ist das eines meiner größten ängste. dass ich beim abtauchen in das kopfchaos, kopfüber sozusagen, die fassung verliere. und somit nicht finden, nichts halten, nicht schreiben kann. letzendlich.

diese gefahr scheint nun einstweilen gebannt. ich komme voran, und die dinge, also die ideen, die inspiration, beginnen, sich ie von selbst in die form zu fügen. nicht sich zu fügen, aber sich einzufügen in den raum, in dem sie sich entfalten können. das ist gut, so gut.

und es ist auch anstrengend, sehr, denn damit beginnt die zeit der konkreten arbeit, dem schreiben. was nicht nur in sich schon alles fordert, zeit, energie und konzentration. es mischt auch die lebensplanung auf, die balance zwischen brotarbeit und schreibarbeit sowie das planen einer immer wieder glatten zeit, ohne dabei gestört zu werden. meine zeit.

und das inmitten einer schon wieder zunehmenden erschöpfung, aufgrund von pandemie und isolation. denn es ist nicht so, dass das so zwingend notwendige alleinsein für ein intensives schreiben, sich leichter herstellen ließe, wenn sich das leben ohnhin quasi bis ins letzte ausgeleert hat. nein!

das moderna netz

in letzter zeit passiert es mir immer wieder mal, dass ich im netz zu plaudern beginne. oder anders: dass ich so zeug hintippe, auf facebook oder twitter, das dahergeredet ist, wie ich auch mit menschen sprechen würde. mit fremden menschen zum beispiel, die  ich auf einer party treffe. nicht banal, aber plauderton. nicht konzentriert, eher auf ein wechselspiel gerichtet.

dann stelle ich fest, dass andere das nicht so verstehen. sie plauern nicht mit, antworten stattdessen mit info-links. das ist frustrierend. oder ich lande unversehens in einem massigen diskurs, werde auf threads und artikel verwiesen, in denen ich die positioniereungen meiner gegenspieler (*innen meistens nicht) nachlesen könnte.

was ich aber nicht will. ich nur reden, mich auch erklären, vielleicht. ich möchte erfahren und erfahren werden. ich möchte kennen lernen und lernen dabei. nicht belehrt werden über das gewesene. und ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. mein gewese ist ein anderes.

wenn mir das also passiert, wenn ich versehentlich in einen solches fahrwasser gerate, dann merke ich das meist zu spät. dann bin ich verwundert, manchmal sogar verletzt. manchmal ist es auch amüsant. aber nach einer weile lösche ich es dann, alles. soweit ich die möglichkeit habe. vor allem, weil ich es nicht erklären kann. weil es ein versehen war. und weil ich mich nicht fangen lassen will, in so einem diskurs.

debatten haben keine magie. für mich, sollte ich sagen. für mich. das ist nicht wirklich neu, so versteh ich mich von anfang an. dass ich mich jetzt aber mitunter so verhalte, als wäre ausgerechnet in diesem modernen social-media-netz, nicht in den altmodischen blogs, wie sie früher waren, das war speziell, etwas anderes zu finden. und ausgerechnet jetzt.

ich fürchte, diese pandemie beginnt damit, mich völlig zu entstellen.

ziellos

ein tag, der trunken macht, dass es in den ohren rauscht. wie so oft im leben, und besonders in den letzten beiden jahren, verstehe ich die welt nicht. wie sie so schnell, so anders sich dreht. dennoch ist mir wohl, denn auf einmal kann ich den kopf heben. und den weg sehen.

es gibt einen weg.

kein ziel, das wäre illusorisch. alles findet innen statt, nur für mich, und es führt mich nirgendwo hin. als nur zu mir, wo ich ohnehin schon bin. ich bin ein mensch, der dorthin wächst, nach innen. immer schon, einer dieser minderleister. (das sind die, die welt halten, indem sie sie ertragen.)

so werde ich verschwinden, eines tages.

rot sehen

seit mittag leuchtet die corona-warn-app in rot. das kommt davon, dass ich am wochenende die erste, größere kulturelle veranstaltung seit fast zwei jahren besucht habe, den open mike. sorgen mache ich mir deswegen nicht. ich bin geimpft, und alle dort haben quasi die ganze zeit masken getragen. der heimathafen ist groß und hoch, es wurde gelüftet, und es waren längst nicht so viele leute da, wie es stühle gab. die meiste zeit saß ich also allein und war still. wie es mir immer ist, unter menschen.

das war sehr schön. das war es wert.

das rot in der app zeigt, was zu erwarten gewesen war: es ist nirgends sicher. auch das schreckt mich nicht. das wusste ich schon vorher, lange vorher. das habe ich als kind von grund auf gelernt. was eine exponentiale dynamik ist, bzw. wie es sich anfühlt, kurz bevor es losgeht. die ständige gewissheit, sich selbst nicht retten zu können. zu klein zu sein, zu hilflos. das ist alltag, das ist harmlos. die dynamik der überwältigung hingegen.

auf den heutigen alltag bezogen ist dieses rot nur eines: ärgerlich. weil es so derart vermeidbar gewesen wäre. so einfach, so schnell. vielleicht nicht alles, aber wohl doch vieles. und weil ich jetzt eine woche oder so zu hause sitze, weitgehend zumindest. das nervt!

aber naja, im großen und ganzen tue ich das ja sowieso, seit jahren jetzt. oder wie lange geht das alles schon?

#insight

es ist nicht die desolate infektionslage, die mir derzeit die nächte raubt und das gemüt. ich bin zweimal geimpft, die dritte impfung folgt in drei wochen. um mich sorge ich mich nicht. (nur durchdrehen könnte ich irgendwann, wenn ich noch einmal einen winter allein bei mir eingesperrt sein soll, zum beispiel. aber das interessiert nicht, das war all die letzten monate lang nicht von bedeutung.)

viel mehr noch schmerzt die desolate informationslage, an der selbst ich, des lesen und schreibens mehr als mächtig, mehr und mehr scheitere. keine ahnung, was stimmt und was gilt. alles ist nur noch ein rausch und ein rauschen, ohne sinn. was letztendlich vielleicht auch nicht so wichtig wäre, nicht für mich. ich weiß ja eh, was zu tun ist. alleinsein und ruhig bleiben. nicht verlernen, was das leben sein kann. oder könnte. oder war, vielleicht.

ganz besonders aber verzweifle ich an der gegenwärtig vermehrt um sich greifenden suche nach schuld, als gäbe es sonst keinen halt. und wenn sich keine schuld finden lässt, die sich irgendwem anhaften ließe. oder immer nur dieselbe, die sich noch dazu unmittelbar mithilfe von kleinen argumentationskreisen ins leere verläuft. dann bleibt zuletzt noch das erfinden von erklärungsmustern, die sich ebenfalls am besten in anderen verankern lassen. ohne differenzierung, eine scheinbar einfache gleichung.

es ist immer der schrecklichste aller entwicklungen, wenn das denken und erleben an diesen punkt kommt. die einfachheit von schwarz und weiß, die es doch nie gibt. nirgends. alles scheint so leicht, wenn es nach diesem muster geht. gehen könnte. aber es rettet nichts, niemals. es ist nur zeitvertreib, als gäbe es die zeit dazu. jetzt.

jetzt ist die zeit, den kopf zu heben, und über das virus hinauszusehen. was werden wir sein, danach. was werde ich.

party mit abstand

als ich ins bett gehen will, stelle ich fest, dass genau gegenüber eine party stattfindet. so mit fremden leuten in der wohnung, buntem licht und lauter musik. alle fenster und türen stehen auf, immerhin. so kann ich jetzt erstmal gut an dem geschehen teilhaben, für eine ganze weile noch, vermutlich. ist ja noch früh.

das alles mit zirka dreißig meter abstand, immerhin. das sollte sicher sein.

durchblick

jetzt ist sie da, die neue brille. angekommen, bei mir im gesicht. es ist ein wahnsinn. wie die welt scharf gestellt ist, brillant und transparent, alles klar erkennbar. auf einmal.

und erschreckend, wie ich es nicht gemerkt habe, dass ich längst nicht mehr so richtig sehen konnte. das kommt schleichend, ich weiß. besonders diese rückentwicklung, wenn die neuen gläser schwächer bemessen sein müssen. und eigentlich habe ich es ja auch gemerkt. immer wieder stand ich beim bäcker und konnte die schilder nicht lesen. oder im supermarkt, mit erhobenem kopf, um irgendwie die leseabteilung der brille mit ins spiel bringen zu können. und zwar bei durchaus gut dimensionierten schriften. außerdem hab ich die brille immer wieder abnehmen müssen, dann das zu inspizerende objekt ganz nah ans gesicht geholt. in den bereich, in dem ich halt ohne kann. sah sicher ziemlich dämlich aus, alte-leute-scheiß eben.

egal: das ist jetzt vorbei.

ich bin sehr zufrieden mit der neuen. vor allem auch mit dem blick durch jetzt mal wirklich hochwertige gläser. das ist fast wie richtiges sehen, bis ganz in die ränder, ohne farbverschiebungen oder doppelbilder. ich wusste gar nicht mehr, dass das geht. sehen!

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