am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (148)

heute wollte ich pause machen. aber was soll das, es gibt nichts zu tun. es gibt viel zu tun, aber das meiste davon ist derzeit ziemlich egal. also schreiben.

einmal das fragmentarisch überarbeitete kapitel durchgegangen. hier und da ein wenig hängengeblieben, meistens an stellen, wo ich schon im ersten durchgang einiges geändert habe. ebenso die eher poetischen passagen, all das rätselhafte. das steht sicher immer noch nicht so recht. oder aber nie.

jetzt fertig, absolut fertig. dabei bin ich damit nur durch etwa ein viertel des gesamtmanuskriptes, mehr nicht. ob das so funktioniert, muss jetzt erstmal meine agentin beurteilen. ich weiß nur, dass ich exakt den ersten teil bearbeitet habe, der am ältesten ist. der teil, der im grunde noch vor einer etwa dreijährigen schreibpause entstanden ist. das war zufall, entschieden habe ich nach inhaltlichen kriterien. eine gute entscheidung.

und ein guter zufall.

brutal

erst verschlafen, vermutlich den wecksender über eine stunde überhört. dann träge an die arbeit: schreiben. mehr habe ich nicht geschafft, obwohl deutlich mehr auf dem programm stand.

zwischendurch der aus wuppertal mitgebrachten büropflanze, die im zimmereck vor sich hinwuchert und die ich schon seit jahren schon vergeblich zu töten versuche, mit einem messer kurzerhand den längst an den rand gedrängten mutterkern herausgeschnitten und auf den balkon geworfen. dazu das jüngste kind ausgerissen, mit bloßen händen, so brutal kann ich sein. mal sehen, wie sich die verbleibende kinderzahl, drei, um genau zu sein, das überleben gestaltet. entweder sie blühen auf, alle, in dem nunmehr riesigen topf. oder sie fangen ein krieg an, bemühen sich, die lästigen geschwister zügig zu verdrängen. vielleicht sterben sie auch endlich, alle. ich bin gespannt.

in alles eingeronnen ist der mittlerweile beinah tägliche kampf mit der pandemibedingten alltagsquälerei, den rein hirngesteuerten wiedergeburten meiner kindheitsfolter vor allem. schon einmal war ich auf mich gestellt, über jahre und jahrzehnte, ohne zukunft, ohne welt. ich brauche ich das nicht, im grunde, nicht noch einmal. ich kenne das schon.

ich bin gläubig, stelle ich fest. ich glaube zum beispiel, dass das leben nicht endet mit der zerstörung des körpers. vor allem aus dem leid gibt es kein entkommen, weder im leben, noch im tod. am ende ist alles dreck. das hat mein vater mir erklärt, eines nachts, da war ich siebzehn: der einfachste weg sei es, in einen müllsack zu kriechen und von innen den eingang zuzuschnüren. später müsse dann nur noch irgendwer den dreck wegräumen.

siebzehn war ich also, als mein vater mich bat, den müll zu beseitigen, der er zu sein glaubte. gewundert hat mich das nicht, auch nicht erschreckt, nur überfordert. die grundidee war mir vertraut, seit jahren. nur hatte er nicht die kraft, nicht wie ich ihn kannte. ich dagegen. siebzehn war ich und habe es getragen, für ihn. auch das.

so war sie, meine familie. mein vater hat einen weg gefunden, dreizehn jahre später, seinen körper zu zerstören auf natürlichem weg. ich durfte ihm zusehen dabei, ihn tragen. soweit ich konnte.

auch jetzt trage ich es, seit fast genau zehn monaten. allein, wie mich das immer enger werdende corona-regelwerk zwangsläufig hinterlässt.

leben will ich so nicht.

#insight

ich arbeite und arbeite und arbeite. (bürojob, übersetzen, schreibenschreibenschreiben.) mehr welt gibt es für mich nicht, und die lage spitzt sich weiter zu. es wird noch weniger werden, das ist absehbar. die freundin, die gestern auf einen whisky vorbeikam, darf das in der kommenden woche sicher nicht mehr.

damit bin ich auf unabsehbare zeit wieder allein und zu hause. auch weil ich inzwischen immer mehr vermeiden muss, die ersten lebenserfahrungen zu triggern. ich kann kaum noch halten, was dann in mir passiert. in der letzten woche habe ich die diskussion über die schulöffnungen bzw. schließungen nicht ertragen. wie schon im frühjahr schreit alles in mir: sperrt mich nicht ein mit denen, zu hause. in dieser woche ist es das homeoffice. seit mitte märz 2020 erledige ich inzwischen auch in meinem bürojob fast ausschließlich von zu hause. und alles in mir schreit: ich kann nicht mehr, ich will das nicht.

es fehlt die körperliche gegenwart anderer, nicht nur im tango. es fehlt die resonanz von menschen, nicht nur verbal. es fehlt das, was menschen starkk macht. ihre erreichbarkeit, ihr verständnis. es fehlt vertraulichkeit.

aus dem grund kann ich mich auch den abstandregeln und vielen anderen durchaus sinnvollen schutzmaßnahmen immer weniger aussetzen. weil ich die unmenschlichkeit darin nicht auf der haut spüren möchte, nicht im gesicht und nicht im blick. weil ich mich nicht daran gewöhnen möchte, an das denken, das fühlen, die not darin. auch deshalb bleibe ich übrigens zu hause, allein.

es ist wie früher. mein leben ist eine hoffnungsfreie zeit. wenn ich den blick gebe, sehe ich nichts.

es wird kein fest, wenn das alles vorbei ist. es wir ein jubel und geschrei, unerträglich laut. es wird eine dieser partys, bei der niemand wirklich glücklich ist. denn darunter wächst die qual der gemachten erfahrung, die verzweilfung über eigene sterblichkeit, die man letzten endes doch nicht überleben können wird.

nein, es wird noch anders. das ganze wird sich ausschleichen, langsam und heimlich. und niemand wird es merken. so bleibt es dann für immer.

bonding (147)

aufgestanden und weitergemacht, wo ich am sonntag aufgehört habe. zum glück war es nicht besonders anstrengend. zweimal durch etwa zehn seiten, damit war der tag allerdings auch rum. bleiben vier für morgen, ich bin gespannt.

der gegenwartsstrang, ganz etwas anderes also als in den letzten zehn tagen. entscheidende seiten noch dazu, beinah ein wendepunkt. vielleicht nicht ganz so eklatant, höchstens zusammen mit dem rest der story im kapitel. aber strategisch wichtige informationen sind zu transportieren, das steht auf jeden fall für morgen auf dem plan.

ich bin wirklich gespannt.

das konzept, das kapitel nach themen sortiert durchzugehen, scheint aufzugehen. könnte allerdings auch sein, dass alles ohnehin schon recht geordnet war, ich es nur nicht gesehen habe.

kleines glück

back at work. immerhin war ich nicht völlig erledigt und neben mir, von anfang an. also durchaus konzentrationsfähig, ziemlich früh am morgen sogar: auf und dann frisch ans werk.

naja, ging so. für eine weile zumindest.

auch sonst nicht viel erledigt, keine wäsche, keine einkäufe, nix. aber egal, die erschöpfung kommt auch so. lange vor mitternacht. und gerade als sie einsetzt kommt auch der impult, ein bisschen in der küche herumputzen zu wollen. dem gebe ich nicht nach, nein. oder nur ein bisschen.

den ganzen tag bestaune ich das gestrige bild von mir. diese große freude zu sehen, eingebettet im offensichtlichen glück meiner kleinen existenz damals.

schreibzeit (61)

natürlich war ich dann doch im text, gleich nach dem aufstehen, die kaffeetasse neben der tastatur und los. ganz gemütlich allerdings, mit überaupt keiner art von zeitdruck. das war schön, so macht es spaß.

ich konnte in aller ruhe das wiederum etwas komplex gebaute kapitel überschauen und die reinen infoabschnitte angehen. kürzen natürlich, das allein hat schon fast zwei seiten gespart. es bleiben drei längere abschitte mit wichtigem geschehen, nur zwei davon hängen grob zusammen. das wird noch ein bisschen was.

das mache ich selten, derart gelassen und gezielt seite für seite eben nicht nacheinander zu überarbeiten. da müssen dann am ende natürlich noch die anschlüsse geprüft werden, aber das sollte kein problem darstellen.

nebenbei noch einen logikfehler entdeckt. das passiert, wenn man seite für seite aber durchaus nicht chronologisch und mit einem vorab feststehenden plan schreibt. plotten? what for?

ein sehr zufriedenstellender sonntag war das. deshalb: schreiben, für immer.

bonding (146)

das so ungemein schwierige kapitel ist durch, aber es hat gedauert. und ich hatte die kraft nicht, hier auch noch darüber zu berichten. aber jetzt bin ich durch, auf die eine und die andere art. und danach die beiden habe ich auch schon, die waren allerdings deutlich leichter zu bewältigen. und kürzer auch.

es bleibt noch ein kapitel, dann ist der anfang überarbeitet, wie verabredet. etwas über zwei seiten davon habe ich schon durchgesehen, aber es sind über zwanzig. und auch dieses kapitel ist ein kleines bisschen eine hölle. zum glück nicht so schlimm, wie befürchtet. auf den ersten blick dachte ich, da käme noch einmal so ein brocken. anstrengend wird das dennoch.

ich musste den verabredeten termin mit meiner agentin um eine woche aushebeln. da hab ich mich im vorfeld etas verschätzt, muss ich sagen. scheint aber kein probelm zu sein, ich bin priviligiert, irgendwie. keine ahnung.

die letzten zwei wochen überarbeitung waren eigenartig. vermutlich, weil ich immer noch beständig ganz am rand laufe, immer in der angst, wieder in die erschöpfung zu fallen. eigentlich weiß ich nicht einmal, ob ich diese überhaupt schon wieder verlassen hatte. ich fürchte: nein!

mitten bei der arbeit ist mir dann hier und da alles zerfallen. nicht nur die konzentration, auch der text. und das vertrauen darin, das ganze am ende zusammenzubringen. dabei sehe ich, wenn ich hinsehe, genau das gegenteil. alles wird knapp und weit zugleich, die figuren scheinen durch die worte hindurch, sie atmen die grammatik. so weit war ich nie, deshalb habe ich keine erfahrung.

vielleicht ist es normal, dass auf dem level, der text sich mir entfremdet, obwohl ich selbst gerade ganz in ihm aufgehe. nicht weil er mir ähnlich ist oder gar mir zugehörig. nein, vielmehr weil er fremd wird und eigen ist. weil er sich selbstständig von mir entfernt.

vermutlich ist das alles richtig so, ich habe keine angst. nur die welt um mich herum ist eine sehr seltsame, derzeit. immer noch.

ob ich morgen gleich weitermache? vielleicht einfach mal nicht. nächste woche ist wieder lohnarbeit angesagt. immer noch von zu hause natürlich. ich hasse es heute schon. auch das ist eine hölle, mittlerweile,

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