am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

novella (28)

wenn eines durch ist, kommt das nächste. so soll es sein, so will ich das. und ich zwinge es nicht, es schleicht sich von allein an mich heran, schmeißt dabei alles über den haufen, von grund auf. ich werde alles verwerfen und von vorn anfangen müssen. die konstruktion neu ziehen, die ausgangsposition, die eigentlich so etwas wie eine finale starre ist, neu verorten. das ist nicht zu ändern. eine neue, verrückte linie zeichnet sich ab.

soll sie doch. mir nur recht. danke.

ich werde das vertiefen.

luz

so. das wars. was anfang september begonnen hat, mitten in der nacht und beinah wie von selbst, ist in fünf monaten licht geworden. ich erkläre die arbeit hiermit für beendet, vorerst zumindest. fertig.

wirklich fertig.

eine stelle noch, eine zeile, die nicht stimmt, die besser muß, die ich ändern will. ich weiß aber nicht.

dazu muß ich noch träumen.

ein wochenende voller pc-basteleien und partynächte. (gut, es war nur eine nacht, aber das reicht ja in meinem alter.) dazwischen phasenweise in den text gesunken, sehr eigenartig. nicht der reihe nach, eine seite nach der anderen, also textchronologisch, was in dem fall ohnehin kaum möglich ist. da folgt nichts auf alles und alles auf nichts. statt dessen bin ich den strängen gefolgt, den geschichten und beschreibungen. den begegnungen zum beispiel, den umgebungs- und ritualskizzen und dem mord natürlich. (ist es ein mord?)

verschollene vergangenheit, unklare gegenwart, nicht fixierte zukunft. das alles einzeln auf die wäscheleine gehängt, zum trocknen über nacht. vielleicht bleibt noch die zeit für eine letzte chronologische kontrolle, schließlich ist da viel, das ich noch mit leichter hand geändert habe. kleinigkeiten im grunde, interpunktion und wortwechsel, selten mal ein ganzer satz. wie schön es ist, den text wieder leichter zu machen gegen ende, den druck herauszunehmen. wie die wendungen und bewegungen klein werden, weil alles stimmt. oder zumindest das meiste.

aber wer weiß. tatsächlich bin ich längst abgetaucht in die textmelodie, verschwunden und verschollen. ab hier gibt es kein entkommen, da heißt es: vorsicht. auch die besten, dichtesten texte können zerstört werden, jederzeit, wenn auch einzig durch ihre verfasser.

auch beim schreiben die dinge transparent übereinender denken. oder hören, wie in der musik. nichts ist jemals linear.

den tag vertrödelt, durch den text mehr getaumelt. so sind die nächte im winter, so brauche ich das. ob das aber gut gehen kann? vieles ist gelb geworden, im text markiert, um morgen ein weiteres mal überdacht, ergänzt, vertieft oder verworfen zu werden. normalerweise gilt, daß problematische stellen eher gekürzt als verstärkt werden müssen. aber ich weiß nicht, diesmal. es wird eng, viel zu dicht, um sich fehler erlauben zu dürfen.

so weit bin ich noch selten gegangen.

es gibt keine heimat. nur in den worten, die mir nicht gehören. und die nicht reichen wollen, für ein leben.

immer wieder in den text, der mich mehr und mehr aufkocht. etwas daran stimmt, offensichtlich. aber er ist wohl doch schrecklicher geworden, als ich beabsichtigt hatte. rücksichtslos schleift er mich durch den tag. der mann, der mich im supermarkt an die schulter gefaßt hat, weil er den laden ohne etwas zu kaufen verlassen wollte, hat es sicher nicht gemerkt. der schreck ließ mich nicht zusammenzucken. aber wie es mich langsam durchfuhr, bis in den magen. da war der mann schon lange weg.

im text dagegen wartet eine eigenartige ruhe. trügerisch.

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