
prosa -> der schreibende geist ist ein nomade. er wandert umher, ohne von grenzen auch nur zu wissen.
versprechen gebrochen, heute doch nicht mehr in den text gegangen. nicht einmal angefangen, nur kurz einen gedanken notiert. zwei sekunden. dafür einen anderen, einen schnell gekneteten blogbeitrag zum thema #aufschrei gebaut, gepostet. der letzte von meiner seite, versprochen. (oder auch nicht.)
jetzt: unendlich müde.
bevor ich ein teenager war und eine fremde zunge in den hals gesteckt bekam, war ich ein kind. ohne zweifel ein kind meiner zeit, also eines der 60er und der frühen 70er jahre. als solches, und insbesondere als mädchen, das ich eigentlich gar nicht war, bin ich selbstverständlich entsprechend indoktriniert worden. wenn ich mich recht erinnere, habe ich nie so genau verstanden, was meine mutter mir eigentlich zu erzählen versuchte. vermutlich verstand sie diese art der einweisung als aufklärung. was einigermaßen lächerlich ist, vor allem weil mir speziell zum eigentlichen thema noch lange jegliches basiswissen fehlte. so war das – damals – tatsächlich. aufklärung mußte man sich suchen, eigenverantwortlich und am besten heimlich. und das war nicht einfach. wenn die fragen keinen halt und keine richtung finden, weil da einfach nichts konkretes ist.
so gab es also diese düstere angstkulisse, das war alles. da draußen lauerte eine unbekannte gefahr, irgendetwas männliches, mit angst, sex und gewalt hockte es im dunkeln und wartete. das stand fest, aber was eigentlich? denn alles blieb ohne worte, ohne bilder. doch es hatte auch etwas mit mir zu tun, mit etwas in mir, von dem ich selbst noch kaum wußte.
ich wußte nur: ein mädchen darf im dunkeln nicht mehr draußen sein. ein mädchen muß angst haben, immerzu, daß ihm etwas getan wird. (aber was nur?) und ein mädchen muß aufpassen, daß alles das nicht passiert. (was auch immer!) wenn es das nicht tut, dann ist es bald selbst ein böses mädchen. denn da draußen gibt es etwas böses, das sich die mädchen holt. alle, unwiederbringlich. (meine mutter ist ein kriegskind, muß man dazu wissen. wenn sie angst vermittelt, dann ist es ihre eigene angst. dann handelt es sich um nackte, wilde todesangst. das ist totes land und rohes fleisch, ein trümmerfeld.) häufig war auch von einem „schwarzen mann“ die rede, was für ein ein absurdes, im grunde abartiges bild, das in mir nach und nach zu etwas düsterem wurde. eine dunkle seele, einem mörder gleich. aber gesichts- und konturlos, hinterhältig, eine art monster.
eines abends war dieses monster dann tatsächlich hinter mir. auf dem weg nach hause, im dunkeln versteht sich, das läßt sich schließlich nicht vermeiden, manchmal ist es ja schon nachmittags um fünf dunkel. die straße, in der ich damals wohnte, außen entlang an der neubausiedlung, war nicht besonders belebt, nur an einer seite bebaut. ich weiß nicht, war ich zehn oder dreizehn? vielleicht jünger, auf keinen fall älter. und dieses düstere hinter mir, dieses monster sprach mich an. ich weiß nicht mehr, was es sagte, immerhin ist es fast vierzig jahre her. aber es will, daß ich stehenbleibe, mich ihm zuwende. das weiß ich noch, und ich tue es natürlich nicht. in mir grüble ich, was es denn will, das da, hinter mir. aber ich gehe weiter, ich gehe nicht schneller, nur weiter, immer weiter und stelle mich taub. das hinter mir läßt mich nicht los, es ist dicht hinter mir. und es bleibt mir auf den fersen, vielleicht minutenlang. bereits nach kurzer zeit ist mir das klar. wenn ich es genau überlege, dann sind es mehrere, wenigstens zwei. denn sie sprechen über mich, beschreiben mich, von hinten. und sie lachen. zirka 200 meter vor der haustür fange ich an zu rennen. ich rufe oder schreie nicht, ich renne nur. und friemel dabei den schlüssel hervor, den ich damals noch um den hals trug. auch das hinter mir rennt, und in dem moment weiß ich endgültig bescheid. ich bin das mädchen, das geholt werden soll. jetzt.
ich schaffe es bis zur tür, einen endlosen augenblick hänge ich mit dem genick am türschloß und drehe den schlüssel. dann bin ich im treppenhaus, die tür hinter mir ist zu. ich weiß nicht mehr, wie eng es war. ob es überhaupt eng war. ich glaube, ich wußte es auch damals nicht. eigentlich weiß ich bis heute nicht, was das eigentlich gewesen ist. wieviel ernst? wieviel illusion, aus indoktrinierter angst geschürt?
bleibt noch eine treppe, sechs stufen sind es bis zur nächsten tür. nicht viel zeit, um mich zu beruhigen. hinter der nächsten tür gibt es kein wegrennen mehr, auch keine weitere tür, die mich retten könnte. nur ein verkriechen in mich selbst, ein schweigen und verleugnen. hinter der nächsten tür wohnt eine andere angst. als kind war ich abhängig und verfügbar, immer und überall. dazu braucht es keine fremden düsteren monster. ich bin böse, dafür reicht familie. aber das ist eine andere geschichte.
man kann sie schreiben und schreien.
natürlich schaffe ich es irgendwie nicht in den text, obwohl es drängt. da ist hier noch ein bißchen und da noch ein bißchen. zeug, das erledigt werden will oder auch muß. langsam lichtet es sich aber, und ich verspreche mir selbst für morgen, wenigstens einen anfang zu machen. zu machen, nicht nur zu versuchen.
wir spielen ein spiel. wir sind große und keine, und das spiel fängt immer wieder von vorn an. so geht die zeit, kreisförmig. kurz vor dem auftauchen, den aufwachen vielleicht, wird das spiel löchrig. es bricht aus den fugen, löst sich fast schon auf. da kommt einer von den großen mit einer waffe. und er löscht uns mit licht. das ist ein spaß.
so schön heute, also gestern eigentlich, so warm und naß mit ein bißchen licht. ich denke an kräuter und tomaten für den balkon, männertreu und die schwarzäugige natürlich. bald ist frühling.
außerdem sind mir bratkartoffeln gelungen, vielleicht das zweite oder allerhöchstens das dritte mal im leben.