am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

kurz vor dem aufwachen gitarre gespielt. immer dieselbe kleine melodie, ganz selbstverständlich. nicht viel und kein lied. nur ein klang. so war es auch als kind, wenn ich mir musik geträumt habe. tagsüber.

inklusion (angeregt durch gaby köster)

ich oute mich jetzt mal: ich bin kein comedyfan. ich stehe nicht auf pastewka oder mittermeier, schon gar nicht auf den barth. na gut, helge schneider und die engelke, an denen komme auch ich manchmal nicht vorbei. und loriot natürlich, grandios. (bis auf die filme.) so ist mir auch gaby köster nicht vertraut, zuletzt habe ich sie wohl im wdr gesehen, mit einer kleinen comedykolumne in der aktuellen stunde. wenn ich mich recht erinnere. das mag an die 15 jahre her sein, wenn nicht noch länger. der rtl-kram danach hat mich nicht sonderlich interessiert.

so war mir bis vor kurze auch ihr verschwinden gar nicht bewußt, die mediale wiederkehr dagegen habe ich mitbekommen. und was soll ich groß dazu sagen, ich bin ja wie gesagt kein fan. da promotet eine ihr buch, und das macht sie  gut und souverän. da ist eine ins berufsleben zurückgekehrt. in ein ziemlich verändertes berufsleben, wie mir scheint. da versucht eine, sich umzuorientieren. stefan niggemeier hat das alles heute bereits deutlicher gefaßt.

wie eigenartig, denke ich, einem menschen die berufsausübung in der öffentlichkeit übelzunehmen. und ich denke auch an den großen kerl hier am neuköllner postschalter. auch er einseitig beeinträchtigt, vermutlich durch einen schlaganfall. schaukelnd der gang, aber sicher. die linke hand so gut wie unbenutzbar, höchstens zu groben hilfsdiensten fähig. insgesamt geht die arbeit natürlich etwas langsamer als die der anderen. und vor dem schalter stehen die menschenschlangen, die mit jeder postfilialschließung länger und länger werden.

ich stelle mir also vor, wie dieser mann einst in den beruf zurückgekehrt sein mag und damit in die öffentlichkeit. vielleicht war er vorher postzusteller, hat womöglich zunächst grob überschlagen, ob und wie diese tätigkeit wieder möglich sein könnte. und ist nach reiflicher überlegung zu einem grundsätzlich negativen ergebnis gekommen. vielleicht hat er auch über eine verrentung nachgedacht und ist zu dem schluß gekommen, daß ihm die paar kröten nicht für den rest seines lebens reichen sollen. so steht der mann nun also schon seit jahren, soweit ich weiß, hinter dem postschalter, versieht seinen dienst mit all dem ohnehin üblichen kundengezeter und -gemecker bei der post. an vorderster front sozusagen, verbunden mit allen groben und feinen arbeiten, die dazu gehören. alles in seiner eigenen zeit. und alles meistert er allein, auf seine art, soweit ich das beurteilen kann.

weiterhin stelle ich mir vor, ich würde mich nun also vor diesen mann stellen und ihm sagen, er solle doch bitte zu hause bleiben, wenn er mir nicht erzählen mag, was denn mit ihm passiert sei. und überhaupt könne er seine briefmarken behalten.

seltsame vorstellung. denn briefmarken waren schließlich sein job und sind es heute noch. (vermutlich. gefragt hab ich ja nicht.)

das ganz besonders schöne und angenehme am älterwerden ist ja, daß sich das lernen mehr und mehr anfühlt wie ein wiedererkennen. wobei das wiedererkannte dabei nicht zwangsläufig angenehm sein muß. aber das steht auf einem anderen blatt.

zwischen hoffnung und befürchtung verläuft eine hauchfeine trennlinie, die jedoch durch die erwartung nahtlos geschlossen wird.

wie schnell man in das alter kommt

manchmal muß ich persönlich zur post, auch wenn ich das zu vermeiden versuche. die menschenschlangen dort werden schließlich immer länger, je mehr filialen geschlossen werden. keine ahnung, wie das postpersonal damit klarkommt, daß nahezu immerzu menschenmassen vor ihnen stehen und warten, warten, warten.

warten ist nicht so mein ding, und warten in menschenschlangen schon gar nicht. das distanzverhalten der meisten menschen entspricht irgendwie nicht meinem distanzbedürfnis. menschen in menschenschlange sind immer zu nah, rütteln an meinem rucksack oder kauen mir ihren butterbrotschmatz ins gesicht. von parfümschwaden und lautstarken telefonaten ganz zu schweigen.

heute war es aber lustig. da steht doch so ein kleiner skateboarder hinter mir und klappert nervös mit seinem brett, obwohl er der letzte, gerade erst gekommen. mit klein meine ich übrigens wirklich klein, kleiner als ich ist er ohne sein board, und nicht jung, also jugendlich. nein, richtig blutjung ist er offensichtlich doch nicht mehr, keine sechzehn oder so. er trägt ein vorsichtiges vollbärtchen, noch nicht so ganz voll, aber auch nicht mehr flusig. aber seine augen sind kugelig rund, wie bei einem baby, ebenso seine nasenlöcher. die locken hängen ihm frisch geplustert im gesicht, die welt liegt ihm zu füßen, der hosenboden hängt ihm in den kniekehlen. ich dachte, das sei schon lange nicht mehr mode. aber diese skater, wer weiß.

dann geht er ans telefon, talkt ein bißchen rum, komme gleich, post, lange schlange und so weiter. und spricht ihn dann gelassen aus, diesen legendären satz: ich komme jetzt in das alter … (nein, ich habe mich nicht verhört. er hat nicht gesagt: ich komme gleich, alter. ;)

mein buddha ist jetzt weg, heute war das ganze beet geplündert. na, macht nichts. hier bleibt er lebendig.

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